Wie deutsche Medien mit zweierlei Maß messen
Die deutschen Medien überbieten sich gerade darin, Verständnis für den Schauspieler-Streik in Hollywood zu zeigen. Besonders die Ausbeutung durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz hat es ihnen angetan: Wenn nämlich ein Schauspieler einmal gescannt wird und sein Konterfei dann auf ewig weiter verwendet werden kann, obwohl er nur einmal dafür bezahlt worden ist.
Den Lesern solcher Artikel sollte erklärt werden, dass genau dies die Praxis deutscher Medien ist. Sie zahlen einmal und verwerten dann das Produkt im Internet solange, bis die Server abstürzen.
Ich habe die längste Zeit als freier Autor gearbeitet. Soll heißen: Ich bin für den einmaligen Abdruck meiner Texte oder Fotos entlohnt worden. Die Zeit war Ende der 1990er das erste Blatt, das die Weiterverwertung im Internet eingepreist hat. Seit den 2000er operieren die Verlage mit Knebelverträgen: Entweder man stimmt der Nutzung im Internet zu – oder man wird eben nicht mehr publiziert. Und nein: die Honorare sind seither nicht gestiegen; im Gegenteil.
Und was ist eigentlich mit den Texten, die ich verkauft habe, bevor es Internet gab?
Vor vielen Jahren habe ich versucht, das mit einem Medium zu klären, das sich bis heute als „links“ geriert. Es hatte nämlich lange vor anderen ein Internet-Archiv angelegt, und darin hatte ich Texte von mir gefunden, die kostenpflichtig abrufbar waren. Ich war nur für den einmaligen Abdruck bezahlt worden – und erwartete nun meinen Anteil an den Archiv-Gebühren.
Die taz hielt nicht einmal eine Antwort für nötig. Ich hätte einen Anwalt einschalten müssen, um gegenüber diesen „linken“ Abzockern meine Rechte geltend zu machen. Rechte, für die das Blatt vehement eintritt, wenn sie Schauspieler in Hollywood betreffen.
Was für eine verlogene Bande!

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