Die Legende von Heinrich Himmlers Ende

Graphic Essay

240.000 Zeichen Text (120 S. Taschenbuchformat) mit 860 Bildern auf 170 Blatt DIN/A 5.
Anhang: Zeittafel, Kurzbiografien der Gehilfen und Personen der letzten Tage, Anmerkungen und Quellennachweise.

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Camp Kolkhagen, 23. Mai 1945.
Der britische Geheimdienstoffizier Storm Rice soll einen Gefangenen überprüfen.

„Es war nicht nötig, Himmler zum Sprechen zu zwingen“, notierte er.

Ein Video auf youtube zeigt David Irving vor dem Sterbehaus in Lüneburg. Er gibt eine Geschichte wieder, die Captain Dr. Clement Wells erzählt haben soll: Wie er Himmler auf der Suche nach einer Giftkapsel zum Fenster befohlen habe, um ihm in den Mund zu schauen.

„Es war elf Uhr abends“, ergänzt Irving. „Da war keine Sonne, kein Mond.“

Der Holocaust-Leugner wirft Nebelkerzen. „The doctor“ forderte den Gefangenen nicht auf, ans Fenster zu treten, sondern näher zum Licht. Das war am Fenster – nicht der Sonne wegen, sondern weil dort die Lampen hingen.

Mr. Irving kennt den Raum nur von außen, sagt er. Könnte erhellend sein, einen Blick hinein geworfen zu haben, bevor man erzählt, was geschehen sein soll im Erkerzimmer der Uelzener Straße 31a in Lüneburg am 23. Mai 1945.

Der youtube-User ist Verschwörern und Neonazis ausgeliefert. Denn die Geschichtswissenschaft schweigt zum Thema oder hakt es mit Sätzen ab, die so fehlerhaft sind wie Mr. Irvings Fenster-Story.

Völlig nebulös ist, was Himmlers Tod vorausging. Auch Fernsehhistoriker bieten nur Lügen und Legenden an. Die letzten 34 Tage des Reichsführers-SS wurden bisher nie vollständig und wahrheitsgetreu erzählt.

Auf der Fahrt von Kolkhagen nach Lüneburg kennt Colonel Michael Murphy am Steuer sich nicht mehr aus und wendet sich an seinen Assistenten.

Antwort erhält er vom Gefangenen: „You are on the road to Lüneburg!“

Die Literatur zum „Verbrecherstaat“ füllt Bibliotheken, aber über das Finale des Menschheitsverbrechers gab es, als ich 1999 darauf aufmerksam wurde, kaum einen seriösen Satz in deutscher Sprache.

Heute liegt wenig mehr vor; die mit 15 Seiten umfangreichste wissenschaftliche Abhandlung in deutscher Sprache ist inzwischen 14 Jahre alt und von mir. In der einschlägigen Literatur habe ich keine Stelle gefunden, die Himmlers Ende erwähnt und nicht fehlerhaft ist.

Wer diese Angaben unwillkürlich bezweifelt, kann sich meine Verwunderung vorstellen, die ein starkes Motiv war, der Sache nachzugehen.

Umso mehr wird auf Englisch verbreitet, zuletzt 2014 ein Diary, mit dessen Co-Autor ich Erkenntnisse ausgetauscht habe. Desto lauter äußern sich Neonazis und andere Verschwörer im Internet; ein einziges deutschsprachiges Buch zu Himmlers Tod stammt von einem Holocaust-Leugner.

Die Ignoranz von Geschichtswissenschaft und Publizistik hat den Bewunderern die Bildung von Mythen erleichtert.

Diese Märchen sind alles, was die Nachfahren von den Tatsachen kennen können. Kaum jemand kann die Lügen entlarven oder gar ihren Zweck entdecken.

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