Die Legende von Heinrich Himmlers Ende

Graphic Essay

Aus der Geschichtsschreibung verschwindet Himmler nach seiner letzten Begegnung mit Hitler. Der Anfang vom Ende. 20. April 1945. Unterwegs durch das zerstörte Berlin zum Geburtstagsempfang für den Führer.

Der Untergang des Dritten Reichs ist besiegelt. Aber der oberste Massenmörder gibt nicht auf. Die Verbrechen gehen weiter.

Himmler lässt morden. Und er pokert mit seinen Feinden um sein Leben. Sein Einsatz sind die Gefangenen der Konzentrationslager.

Durch den Geiselhandel gelangen 20 000 in die Freiheit. Davon wird gelegentlich als Rettung erzählt. Als hätte Himmler am Ende noch Gutes getan.

Nicht gezählt werden die Gefangenen, die den Machenschaften zum Opfer fielen. Tatsächlich wurde der Häftlingsschacher zwar nicht Himmler, aber einem seiner Gehilfen gut geschrieben.

Der Abschluss seiner Lebensbahn, sein letzter Lauf ist eine Irrfahrt.

Hohenlychen Kalkhorst, Plön, Schwerin, Malente, Lübeck, Flensburg. In einer Fahrzeug-Kolonne durch Dithmarschen bis an die Elbe. Hinüber und weiter zu Fuß.

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Wo lang, wohin und wozu? Wer weiß? Gewiss seine Begleiter. Sie haben nichts gesagt, wurden nicht gefragt oder logen, dass sich die Balken bogen.

In Niederdeutschland, wo er seine letzten Tage in Freiheit verbrachte, will man davon nichts wissen. Man ehrt seine Gehilfen und ignoriert seine Erben.

„Unter uns leben Tausende von Himmlers“, stellte Erich Fromm nach einer posthumen Psychoanalyse fest. Sein Mittelmaß und seine wahren Motive kommen am Schluss zum Vorschein, wenn er allen Anschein fahren lässt.

Der Nationalsozialismus wurde 1945 militärisch besiegt, aber nicht begraben. Er hat als religiöse Verheißung überlebt. Viele, die Himmlers Testament vollstrecken, wissen es nicht einmal.

Die Legenden um sein Ende dienen sowohl seinen Anhängern wie jenen, die leugnen, dass es Erben gibt.

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