Nichts von dem, was ich hier veröffentliche, ist dazu gedacht, „Follower“ zu finden, wie es vom Programm vorgesehen ist.

Meinen ersten Blog, so alt, dass er damals Weblog hieß, pflege ich seit einem Jahrzehnt nicht mehr, und jahrelang habe ich mich nur ausnahmsweise im Web bewegt. Inzwischen werden die alten Seiten weitaus häufiger abgefragt als zur Zeit ihres Entstehens.

Am 16. Juni 2016 muss etwas geschehen sein, das über die Suchmaschinen scharenweise Besucher auf meinen Blog geführt hat. Ich habe keine Ahnung, welcher Beitrag besondere Aufmerksamkeit erregt hat; das gibt die Statistik nicht her.

Jedenfalls wird es sich nicht um eine private Mitteilung gehandelt haben, derer ich mich zwar nicht enthielt, die ich aber nur anbrachte, insofern sie etwas besagten, das über mich hinauswies – und in zehn Jahren noch für andere als die Leute, denen ich es auch persönlich mitteilen könnte, interessant sein könnte.

So gehe ich auch an dieser Stelle vor. Literatur könnte man das nennen – wenn darunter nicht vor allem unterhaltsame Fabeln verstanden würden. Die Geschichten, die mir einfallen, entspringen keinen Wunschfantasien, sondern wurzeln in der Wirklichkeit. Oder ist es Kunst, weil ich meine Anmerkungen mit Bildern versehe?

Philosophie trifft es am besten. „Ich habe keine andere Absicht, als mich selbst zu entdecken“, notierte Michel de Montaigne vor rund 430 Jahren und meinte weder die Bedienung einer App für Stuhlgang und Atemfrequenz noch die Betrachtung eines Fotos seines Schreibtisches.

Gedanken haben ihr eigenes Gewicht, gleichgültig, von wem sie wann geäußert werden.

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Ich habe diese Seiten mit dem mir zur Verfügung stehenden Mittel erstellt, einem billigen Smartphone. Sie sind für die Ansicht im Hochformat 11 x 8 cm eingerichtet. Mir fehlen sowohl die Mittel wie die Geduld, die Layouts an andere Formate anzupassen. Für die Texte spielt es keine Rolle, und die Grafiken sind in erster Linie als Zeichen anzusehen: sie müssen erkennbar sein und sollen nicht ästhetisch genossen werden.

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Mit Verzögerung habe ich die einzelnen Beiträge mit einem Copyright-Vermerk versehen, weil ich mich an die Zeitungsautorin erinnerte, die im Internet „recherchiert“ hatte und erstaunt war, als ich reklamierte, dass sie mir mindestens ihr halbes Honorar schuldete, weil die Hälfte ihres Textes aus meinen Sätzen bestand. Allzu viele kapieren nicht, dass es nicht in erster Linie darum geht, nicht für eine Leistung zu bezahlen, sondern darum, sich selbst nicht für die Leistung anderer bezahlen zu lassen. Die muss man mit der Nase darauf stoßen.

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Im Übrigen übernehme ich gern die Verantwortung für jedes meiner Zeichen. André Gide fand, ein echter Schriftsteller müsse bereit sein, für seine Überzeugung ins Gefängnis zu gehen. Kann schneller geschehen, als man sich versieht.

Noch muss man in der Bundesrepublik nicht mit mehr als einer Geldstrafe für ein Meinungsverbrechen rechnen und bleibt in Freiheit – sofern man bezahlen kann. Das sei gerade denen ans Herz gelegt, die sich für Äußerungen, die ihnen nicht passen, Haftstrafen wünschen und sich dabei für besonders rechtschaffen halten. Als nächste wärt ihr selber dran.

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