Die Legende von Heinrich Himmlers Ende

Graphic Essay

Was als Tatsache gelten kann und was sie bedeutet, lässt sich nicht ohne Umstände angeben. Das historische Geschehen um Himmlers Ende ist der Kern eines Komplexes in mehrfacher Hinsicht.

Dem versucht meine Darstellung gerecht zu werden – auch, um keine weitere Legende zu erzeugen. Kolportagen, die lange nur auf Englisch vorlagen, werden inzwischen auch auf Deutsch verfasst. Abseits seines Endes sind über Himmler mehr Abziehbilder im Umlauf als gesichertes Wissen vorhanden.

Der Essay bezeichnet das Geflecht, aus dem die Mythen hervorgehen. Ein Gedankenbilderrätsel wie das Anagramm des Titels.

Die Chronik des Abgangs wird aus sechs Blickwinkeln betrachtet, die sich in 24 Abschnitten abwechseln.

DER ANFANG VOM ENDE begleitet Himmler auf dem Weg zur Geburtstagsfeier für Hitler am 20. April 1945 durch das zerstörte Berlin.

ON THE ROAD zeigt ihn auf seiner letzten Autofahrt beim Transport als Gefangener zum Sterbezimmer in Lüneburg am 23. Mai.

Aus HIMMLERS HIRN geht hervor, warum er bei Autofahrten besonders gut in den Blick kommt.

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Über die letzten Wochen hinaus habe ich keine biografische Forschung betrieben, sondern mache lediglich, was selbstverständlich scheint und doch selten getan wurde: Himmler nicht als Staatsmann, sondern als Verbrecher aus eigenem Antrieb zu verstehen. (Eine ungeheuerliche Aussage mehr, die zu erklären wäre.)

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GEGENWÄRTIGE GESCHICHTE weist Beziehungen auf, die kaum wahrgenommen werden. Ein Historiker, der über Nazis schreibt, muss keine Neonazis kennen; aber auch kaum ein Publizist, der sich über diese auslässt, hat je mit einem gesprochen.

Für den Aspekt kann ich Exklusivität beanspruchen: ich bin mit Nationalsozialisten vor wie nach 1945 vertraut. Freilich bedarf es keiner sonderlichen Findigkeit, Zusammenhänge zu sehen, sobald man genauer hinschaut.

Seine letzten Tage werfen ein Schlaglicht auf Himmlers Gefolgschaft – und damit auf den Zusammenhalt brauner Banden damals wie heute. Meiner Charakterstudie des „Ungeheuers“ sind Porträts der engsten Gehilfen beigesellt, und ich stelle einige ihrer geistigen Erben vor, denen ich begegnet bin. (Mehr auf diesem Blog).

Eine Nahtstelle der Zeiten ist der Okkultismus. In der Chronik des Endes wird er vertreten durch eine von der Geschichtsschreibung missachtete Figur, die ich herausgestellt habe: Himmlers Astrologen Wilhelm Wulff aus Hamburg.

Eine selten erkannte Verbindung besteht zwischen Neuheidentum und Terrorismus. Über den einen sind Mythen, über das andere vor allem Unwissen verbreitet. Mehr als ein Faden verknüpft sie mit Himmler und den Legenden um sein Ende.

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Wie Himmler LETZTE KARTEN ausspielt, um der Verhaftung zu entgehen, endlich zu Fuß UNTERWEGS ist und gefasst wird, ist nirgendwo anders verlässlich und im Zusammenhang beschrieben.

Ähnlich wie Himmelreich Hirn zeichnet mein Buch Lichtenberg in Stade ein Porträt anhand einer Episode.

Als Gerichtsreporter habe ich ein Jahrzehnt lang leibhaftige Verbrecher aller Arten kennen gelernt – und konnte sie mit ihren Vorfahren vergleichen: Elses Lachen versammelt 21 Texte und 35 Zeichnungen zu Verbrechen zwischen 1820 und 1940, die ursprünglich für Zeitungen und Zeitschriften entstanden; die Titelgeschichte wurde vom NDR als Hörstück produziert.

Für Hamburger Abendblatt und Neues Deutschland, blick nach rechts, idgr.de und redok.de habe ich über Neonazismus und den Umgang mit NS-Geschichte berichtet und zwei Websites für die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ betrieben; eine ist kurioserweise nahezu unverändert online.

Meine ersten Recherchen zu Himmlers Ende wurden durch ein literarisches Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen gefördert.

Zu einer Website, die von Verschwörern in ihre Web-Sammlungen kopiert wird, um Seriosität vorzutäuschen, habe ich Material beigetragen – aber nicht weiter daran mitgewirkt. Einige Vorgänge sehe ich anders als dort dargestellt.

In einer Dokumentation wurden ungefragt und unmarkiert Formulierungen von mir verwendet.

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