Reichsführer-SS Himmler und sein Zögling Sigmund Rascher

Unter Heinrich Himmlers vielen Vorurteilen gegen Gruppen war das gegen Ärzte eines der tief sitzenden. Er schwor auf Naturheilkunde und Homöopathie und setzte seine Forscher auf Alternativen zur Schulmedizin an. »Volkserfahrungen« hielt er der akademischen Wissenschaft für grundsätzlich überlegen. Einige der abscheulichsten Menschenversuche begründete er damit, sie seien geeignet, überlieferte Weisheiten zu bestätigen.

Von seiner Verachtung für Ärzte waren Chirurgen wie sein Leibarzt Karl Gebhardt ausgenommen, die er als Handwerker akzeptierte. Die Geringschätzung war alles andere als gegenseitig. Zwei Drittel der Ärzteschaft gliederten sich willig dem System ein, Mediziner waren Vorreiter und eifrige Anhänger des Nationalsozialismus, zumal des in Gebhardts Worten vor Gericht »dummen« Rassebegriffs. Zu tausenden quälten und mordeten sie unter dem Vorwand des Erkenntnisgewinns.

Gemartert und getötet wurde im Dritten Reich auf alle erdenkliche Art; unter den zahllosen Grausamkeiten ragten die der Mediziner gleichwohl heraus. Der Schütze am Grubenrand und der Wachmann im Lager führten Grausamkeiten nach Anweisung aus; die Wissenschaftler entsannen und erprobten sie.

Wächter und Schütze mussten keine Sadisten sein, um ihre Aufträge zu erledigen. Schon mit der Konzeption ihrer Versuchsreihen entfernten die Ärzte sich willentlich weiter von der Menschlichkeit als es für die gewöhnlichen Vollstrecker nötig war.

Auf dem Sterben, das sie planten und minutiös protokollierten, beruhten Teile des Berufsstandes und seine Gewinne an Lust, Prestige oder Wissen. Die Ärzteschaft fing vor allen anderen mit dem Morden an. Stellte die Vorstudien an und lieferte die Modelle für die Endlösung der Judenfrage und andere Vernichtungsprogramme.

Auf die Auslöschung lebensunwerten Lebens, auf Rassenhygiene und Euthanasie hatten sich nicht nur in Deutschland Mediziner lange vor Hitler eingestimmt. Unter seiner Herrschaft konnten sie ihre kühnsten Träume verwirklichen.

Josef Mengele wurde erst berüchtigt durch seine gelungene Flucht, die seine Experimente mit Zwillingen in Auschwitz in den Focus rückte. Die Auswerter seiner Augen-Sammlung und zahllose andere, die ihm an Bestialität nicht nachstanden, blieben unbehelligt, ohne im Urwald untertauchen zu müssen. Sie forschten weiter als hoch geachtete Angehörige und Funktionäre ihres Berufstandes, nach denen Universitätsinstitute benannt wurden.

Sigmund Rascher (Zeichnung: urian)
Sigmund Rascher

Nini hatte es richtig eingefädelt. Der Funke sprang sofort über. Ihr Geliebter und ihr mächtiger Freund verstanden sich auf Anhieb. Verwandte Seelen, vereint im gemeinsamen Werk. Beide glaubten an ihre Sendung, ihre Berufung zu Höherem. Ihr Selbstbewusstsein stand im Kontrast zu durchschnittlicher Begabung und Gestalt, nach der sich auf der Straße niemand umdrehte.

Ninis mächtiger Freund beherrschte allerdings die Straße. Wenn er sie an der Spitze seiner Heerscharen betrat, war er nicht zu übersehen. In der übrigen Zeit war er als Gestapo-Gespenst allgegenwärtig. Jeder warf auf der Straße einen deutschen Blick über die Schulter, ob er ihm nicht folgte.

Ninis Geliebter wollte als Wissenschaftler über sich und andere hinauswachsen. Er war nicht auf Erkenntnisse aus, sondern das Ansehen des Entdeckers.

Ninis Traum vom Ruhm als Sängerin hatte sich nicht erfüllt, und sie wandte ihre beträchtliche Energie daran, die Sehnsüchte des Geliebten zu befriedigen. Wie Karoline Diehl mit Himmler bekannt wurde ist so mysteriös wie die Natur ihrer Beziehung. Jedenfalls konnte sie Himmler zu einer Begegnung mit ihrem Lebensgefährten Sigmund Rascher am 24. April 1939 in ihrer Münchner Wohnung bewegen.

Der Arzt Rascher fühlte sich nicht zum Heiler sondern zum Forscher berufen. Er widmete sich der Krankheit, die den größten Achtungserfolg versprach: Krebs. Himmler glaubte, dass er an Magenkrebs litt und war Raschers Projekten gegenüber von vornherein aufgeschlossen. Die Hypothese, die ihm vorgetragen wurde, war nicht nur auf seine Weltanschauung wie zugeschnitten und enthielt Blut wie Boden. Sie sprach ihn noch persönlicher an: »Kann der Einsatz künstlicher Düngemittel die Entstehung von Krebs begünstigen?«

Von Kunstdünger verstand Himmler etwas. Mit 22 hatte er ein Jahr lang in der Forschungsabteilung einer Nitrogen-Düngemittel-Firma gearbeitet. Sein eigenes landwirtschaftliches Ideal war größtmögliche Natürlichkeit. Er war bereits von der Schädlichkeit des Kunstdüngers überzeugt.

Als er dem Wirtschaftschef und Oberbuchhalter der SS, Oswald Pohl, eine Abhandlung über die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise im Sinne der Anthroposophie Rudolf Steiners zur Erprobung in Auschwitz zukommen ließ, bemerkte er, »die Berichte der IG-Farben, die im Lager eine Produktionsstätte unterhielten, kann ich mir sehr gut vorstellen, denn ähnlich frisierte Berichte wurden von mir vor nunmehr 19 Jahren als junger Assistent im Stickstoffkonzern verlangt, in denen ich beweisen sollte, dass eine bestimmt große Anwendung von Kalkstickstoff das beste für die Landwirtschaft wäre, was ich selbstverständlich nicht tat.«

Um seine Theorie zu beweisen, musste Rascher Blut untersuchen. Das wurde mit Himmlers Plazet den Häftlingen im Konzentrationslager Dachau abgezapft.

Raschers ursprüngliche Ambitionen auf eine hauptamtliche Tätigkeit in der SS vereitelte der Kriegsausbruch. Er wurde zur Luftwaffe eingezogen. Um seine Krebsforschung kümmerte er sich nicht mehr. Durch einen Schulungskurs im Frühjahr 1941 kam er auf die Idee für das nächste Projekt. Die Entwicklung eines neuen Düsenjägers machte Höhenflugforschung erforderlich: Wie werden die Piloten auf sauerstoffarme Luft und niedrigen Druck reagieren und welche Probleme bereitet der Ausstieg mit dem Fallschirm?

Zwar war bereits mit Freiwilligen und Affen experimentiert worden, aber das Risiko für Menschen war zu hoch. So viel Wert Hermann Göring als Chef der Luftwaffe auf die Versuche legte, hatte er als Reichsjägermeister die Verwendung von Tieren verboten. Tierschutz wurde von den Nationalsozialisten groß geschrieben. Schon kurz nach ihrem Machtantritt erließen sie ein Gesetz gegen Tierquälerei. Das Motiv war indes weniger Tierliebe als Judenhass. In der Präambel des Gesetzes hieß es: »Die überwältigende Mehrheit des Deutschen Volkes hat schon lange das Töten ohne Betäubung verurteilt, eine Praxis, die unter Juden allgemein verbreitet ist.« Gemeint war das Schächten, das von der jüdischen Orthodoxie vorgeschriebene Ausbluten des Schlachttiers.

So barmherzig sich die Nationalsozialisten gegenüber Tieren gaben, so gnadenlos gingen sie mit denen um, die sie nicht als Menschen ansahen. »Der Untermensch – jene biologisch scheinbar völlig gleichgeartete Naturschöpfung mit Händen, Füßen und einer Art Gehirn, mit Augen und Mund, ist doch eine ganz andere, eine furchtbare Kreatur, ist nur ein Wurf zum Menschen hin, mit menschenähnlichen Gesichtszügen – geistig, seelisch jedoch tiefer stehend als jedes Tier«.

Dieses Wesen glich den »Sodomschratten« des Ariosophen Lanz von Liebenfels oder den »verkümmerten Menschen« beim Anthroposophen Rudolf Steiner, »deren Nachkommen heute noch als so genannte wilde Völker gewisse Teile der Erde bewohnen«. Das Porträt des »Untermenschen« trug Züge eines Selbstbildnisses: »Im Inneren dieses Menschen ein grausames Chaos wilder, hemmungsloser Leidenschaften: namenloser Zerstörungswille, primitivste Begierde, unverhüllteste Gemeinheit.« An Zerstörungswillen und Gemeinheit reichte niemand an die Nationalsozialisten heran.

Wie Himmler in seiner berüchtigten Posener Rede sagte: »Wir Deutschen, die wir als einzige auf der Welt zum Tier eine anständige Einstellung haben, werden zu diesen Menschentieren ja auch eine anständige Einstellung haben.« Derselbe Anstand, der Tierquälerei untersagte, gebot die Ausrottung des verseuchten Menschentiers. Die Forderung nach größtmöglicher Gefühlskälte hat als Niederringung des »inneren Schweinehundes« sprichwörtlich überlebt.

Da Affen für die Höhenexperimente nicht mehr in Frage kamen, wandte sich Rascher an Himmler: »besteht die Möglichkeit, dass zwei oder drei Berufsverbrecher zu diesen Versuchen von Ihnen zur Verfügung gestellt werden können?« Er würde sich auch mit anderen begnügen: »Es können als Versuchsmaterial auch Schwachsinnige Verwendung finden«.

Im Namen seines Herrn, der gerade in Oslo weilte, genehmigte Rudolf Brandt die Verwendung von Häftlingen für die Experimente, die unter der Regie des Münchner Instituts für Luftfahrtmedizin durchgeführt werden sollten. Dieser und weiterer Anordnungen wegen würde Himmlers rechte Hand als Nicht-Mediziner auf der Anklagebank des Nürnberger »Ärzteprozesses« sitzen. Sie kosteten ihn an seinem 39. Geburtstag 1948 in Landsberg das Leben. Um sich seines Wohlwollens zu versichern, hatte Nini ihn gelegentlich mit Lebensmittelzusendungen bedacht.

Rascher wird in das Ahnenerbe berufen, das bis dahin lediglich geisteswissenschaftliche Forschung betrieben hat. Es ist der Sündenfall für Himmlers Steckenpferd, mit dem es endgültig in den Mordbetrieb eingebunden wird. Von der Erweiterung der Aufgaben auf medizinisches und naturwissenschaftliches Gebiet erhofft sich Geschäftsführer Wolfram Sievers mehr Macht. Wie Brandt bezahlt er seine Mitwirkung an Raschers Experimenten mit dem Strang.

Im Februar 1942 trifft eine fahrbare Unterdruckkammer im KL Dachau ein. Zwar haben die beteiligten Luftfahrtmediziner erhebliche Vorbehalte gegen Rascher. Sie zweifeln an seinen Fähigkeiten, und sein selbstherrliches Benehmen gefällt ihnen nicht. Aber den Zugang zu »Menschenmaterial«, den er ihnen eröffnet, lassen sie sich nicht entgehen.

Die Experimente werden gefilmt. Ernst Klee, der beste Kenner der NS-Medizin, beschreibt sie: »Die Versuchspersonen werden in einer Stahlkammer in einen Fallschirm gehängt. Unter Stampfen der Vakuumpumpen und dem Dröhnen dreier Motoren wird die Luft entzogen. Die Versuchspersonen (VP) werden, mit oder ohne Sauerstoffzufuhr künstlich in Höhen bis 21 km gebracht. Man lässt sie abstürzen oder aufsteigen. Die Folgen: Krämpfe, Lähmungen, Blindheit, Wahnsinn, Tod.«

»Himmelfahrtswagen« heißt die Unterdruckkammer bei den Häftlingen. Bis zu 200 werden missbraucht, von denen etwa die Hälfte umkommt. Überlebenden VPs bewilligt Himmler Lebensmittelsonderrationen wie etwa Cognac, die von Rascher unterschlagen werden. Die Luftfahrtmediziner gehen weniger skrupellos vor als er und brechen die Versuche zuweilen ab, bevor der Tod eintritt. Rascher hingegen genießt es, beim Sterben zuzuschauen. Er nimmt mit, was er kriegen kann.

Raschers Menschenversuche (Zeichnung: urian)

Nach Abschluss der Experimente im Mai 1942 lässt sich Himmler im Juli die filmische Dokumentation vorführen. Er kann nicht genug kriegen. Anschließend wird die nächste Versuchsreihe besprochen. Diesmal geht es um die Überlebenschancen abgestürzter Flieger in Eiswasser. Himmler beteiligt sich lebhaft an der Erörterung. Nach Aussage eines Teilnehmers gibt er Rascher »den Auftrag, dass dieser sich bei den Rettungsaktionen für Schiffbrüchige an der Nordsee erkundigen sollte, wie die Küstenbevölkerung ihre halberfrorenen Schiffbrüchigen wiederbelebt. Er sagte weiter, das Volk habe oft sehr gute und alterprobte Mittel, z. B. Tees aus Heilkräutern, und vielleicht gibt man den Leuten auch einen Grog, Tee oder Kaffee. Jedenfalls dürfte an diesen Volkserfahrungen keinesfalls vorübergegangen werden.«

Dass »Volkserfahrungen« der Wissenschaft überlegen seien, ist ein Dogma Himmlers. Immer wieder erteilt er dem Ahnenerbe Aufträge, zu belegen, was er »aus mündlicher Überlieferung« bereits weißt oder zu wissen glaubt, und er zeigt sich ungnädig, wenn die Wissenschaftler davon abweichende Ergebnisse vorlegen. Einen Ausgrabungsbericht lobt er: »Das Volk hat in seiner treuen Art Jahrtausende hindurch überliefert, dass in diesem Berg etwas zu finden sei, denn es hat diesem Teil des Berges den Namen Hohlenstein gegeben. Wiederum ein Beweis, wie sehr man auf die Namen und wie sehr man auf die Volksüberlieferung an sich, so wie Sie es taten, hören soll.«

Zum ersten Vorsitzenden des Ahnenerbe ernennt Himmler nicht von ungefähr den Laienforscher Hermann Wirth. »Es gibt so viel Dinge, die wir nicht wissen und über deren Erforschung – auch durch Laien – wir froh sein müssen.« Den Akademikern, die er gleichwohl zahlreich beschäftigt, misstraut er. Werden die Thesen eines Amateurs oder die Bauernweisheiten von den Fachleuten abgelehnt, wertet er dies gerade als Beweis für die Richtigkeit der abweichenden Ansicht.

Hermann Wirth blamiert sich in der Fachwelt, weil er für die Echtheit der Ura-Linda-Chronik eintritt, in der eine friesische Familiengeschichte vom 6. bis zum 1. Jahrhundert vor Christus aufgezeichnet sein soll. Das Papier der Handschrift ist um 1850 hergestellt worden, seine Runen sind Abwandlungen lateinischer Buchstaben. Himmler reagiert empfindlich, wenn er auf die Fälschung hingewiesen wird. »Die gesamte deutsche Wissenschaft könnte ja eigentlich froh und dankbar sein, wenn ich wissenschaftlicher vorgehe, als die Wissenschaft selbst«, begründet er eine erneute »Prüfung« der Chronik, an dessen Ergebnis er keinen Zweifel hat: er sei »aus soundsovielen Dingen, die in der Ura-Linda-Chronik stehen, überzeugt, dass sie in ihrem Kern echt ist, weil sie sich mit zu vielen Dingen deckt, die ich aus mündlicher Überlieferung weiß«.

Raschers Menschenversuche (Zeichnung: urian)

Bei einem Mittagessen im Hauptquartier des Führers, der »Wolfsschanze«, renommiert Himmler mit Raschers Experimenten. »Sie werden mir doch hoffentlich jetzt nicht einreden wollen, die Kerle hatten das freiwillig gemacht«, wendet Generaloberst Alfred Jodl ein. »Doch, erwiderte Himmler eifrig«, erinnert sich ein Ohrenzeuge, »alles wäre auf der Basis freiwilliger Meldung erfolgt. Selbstverständlich hätten diese Männer Sondervergünstigungen erhalten: Kaffee, Zigaretten, besseres Essen …« Ein Hüne von Kapo habe sich als »unglaublich höhenfest erwiesen«. »Das ist direkt ein Idealist«, wirft Hitler ein.

Hitler (Zeichnung: urian)

Rascher und zwei Mediziner der Luftwaffe gewinnen die Erkenntnis, dass nach sechs bis acht Stunden in einem Bottich mit Wasser von zwei bis zwölf Grad Temperatur die Körpertemperatur der Versuchspersonen auf 28 bis 25 Grad sinkt und der Tod eintritt. Dass Retter sich beeilen müssen, war vorher klar.

Auf höchste Anregung hat Rascher geprüft, wie es um die Möglichkeiten der Wiedererwärmung bestellt ist. Himmler hat sich vorgestellt, »dass eine Fischerfrau ihren geretteten halberfrorenen Mann einfach in ihr Bett nehme und so aufwärme«. Raschers Fazit: »Die Erwärmung durch animalische Wärme – Tierkörper oder Frauenkörper – würde zu langsam vor sich gehen. Als Hilfsmaßnahmen um eine Unterkühlung zu verhindern, kommen lediglich Verbesserungen der Fliegerkleidung in Frage.«

Raschers Menschenversuche (Zeichnung: urian)

Himmler antwortet dem »lieben Rascher«: »Ihren Bericht über Abkühlungsversuche an Menschen habe ich mit großem Interesse gelesen.« Er wolle die Möglichkeiten der animalischen Erwärmung genauer untersucht wissen und zeigt sich »sehr neugierig« darauf. »Persönlich nehme ich an, dass diese Versuche vielleicht den besten und nachhaltigsten Erfolg bringen werden. Es kann natürlich sein, dass ich mich täusche. Halten Sie mich weiter über die Forschungen auf dem laufenden.«

Aus dem Frauen-KL Ravensbrück werden Rascher vier »Bordelldirnen« zugeteilt. Er probiert, ob der Beischlaf, sofern die unterkühlten Männer dazu in der Lage sind, nicht noch bessere Ergebnisse erbringt als die äußerliche Zufuhr von Körperwärme. Einer Aussage im Nürnberger »Ärzteprozesses« zufolge entsteht in der nach Rascher benannten Abteilung »R« im Lager Dachau »ein munterer Sexualbetrieb«, an dem auch Vorzugshäftlinge teilnehmen.

Am Mittag des 13. November 1942 schlägt die Stunde der Wahrheit – noch nicht für Sigmund Rascher, aber für seinen Dienstherrn. Himmler begibt sich mit seinen Adjutanten Karl Wolff und Werner Grothmann nach Dachau zum »Beiwohnen bei den Versuchen von Stabsarzt Dr. Rascher«, wie in seinem Dienstkalender vermerkt wird. Er scheint in der Tat »sehr neugierig« auf die Experimente zu sein. Pornografische Bilder und Filme sind verfügbar, aber die Möglichkeiten für unmittelbaren Voyeurismus eingeschränkt. Rascher bietet ein exklusives Schauspiel.

Kindersegen (Zeichnung: urian)

Im Februar 1943 zieht Rascher seine Bilanz über die Erwärmungsexperimente: mit einer Frau ging es schneller als mit zweien. »Ich führe dies darauf zurück, dass bei Erwärmung durch eine Frau die persönlichen Hemmungen wegfallen und sich die Frau viel inniger an den Ausgekühlten anschmiegt […] Die Wiedererwärmung stark abgekühlter Menschen durch menschliche oder tierische Wärme kann somit nur in solchen Fallen empfohlen werden, bei denen andere Erwärmungsmöglichkeiten nicht zur Verfügung stehen oder bei welchen es sich um zarte Individuen handelt, welche eine massive Wärmezufuhr vielleicht nicht gut vertragen. Als Beispiel denke ich an abgekühlte Kleinkinder, welche am bestem am Mutterleib unter Zuhilfenahme von Wärmeflaschen erwärmt werden.«

Den Beweis für seine Mutmaßung wird Rascher nicht antreten können und nicht mehr mit Kindern experimentieren. Zu danken ist es ausgerechnet seiner Gattin Nini und ihren Machenschaften mit Kindern.

Rascher plant, sich mit seinen Experimenten zu habilitieren. Doch er hat Konkurrenten und Neider. Luftwaffenmediziner machen Bedenken gegen seine »terminalen« Versuche geltend. Himmler steht ihm bei: »Leute, die heute noch diese Menschenversuche ablehnen, lieber dafür aber tapfere deutsche Soldaten an den Folgen dieser Unterkühlung sterben lassen, sehe ich auch als Hoch- und Landesverräter an«.

Im Mai 1943 wird Rascher in die SS-Klinik in Hohenlychen vorgeladen. Der »Oberste Kliniker der SS«, Karl Gebhardt, rügt ihn, dass er den Dienstweg nicht eingehalten und sich direkt an Himmler gewandt hat. Er macht ihn auch fachlich herunter und bescheinigt seiner Arbeit, sie habe nicht einmal das Niveau eines Studenten im zweiten Semester. Daraufhin fragt der Gescholtene beim Reichsgeschäftsführer Sievers nach, wem er denn nun verantwortlich sei: »Dem Reichsführer-SS, dem Ahnenerbe, dem Reichsarzt-SS oder Prof. Dr. Gebhardt?«

Seinen Forscherdrang bremst die Zurechtweisung nicht. »Polygal« nennt er das blutstillende Medikament, das er an Häftlingen testet, in dem er sie anschießen und verbluten lässt. Mit einer Publikation darüber in einer Fachzeitschrift schießt er sich im Januar 1944 selbst ins Knie. Er hat keine Druckerlaubnis eingeholt und gegen die Geheimhaltungsvorschriften verstoßen, indem er als Kontaktadresse »Dachau 3K«, die Postanschrift des Lagers angibt. Der oberste Lagervorstand, Oswald Pohl, ermahnt ihn: »Ich halte es für erforderlich, dass Sie bei weiteren Veröffentlichungen alles peinlichst vermeiden, aus dem Eingeweihte (und mit solchen ist immer zu rechnen) erkennen können, dass es sich um mit Häftlingen vorgenommene Versuche handelt.«

Himmler in Hohenlychen und als Narr (Zeichnung: urian)

Eine Konferenz im April 1944 leitet das Ende von Raschers Karriere ein: »Reichsarzt-SS erklärt, dass eine Verwendung von SS-Hauptsturmführer Dr. Rascher bei SS-Standartenführer Dr. Mrugowsky nicht möglich sei, in dessen Abteilung befänden sich grundsolide Wissenschaftler. Dr. Rascher passe mit seiner allzu großen Vielseitigkeit (entweder Genie oder Hochstapler) dort nicht hinein.« Er solle entweder in einem Lager oder »als Truppenarzt an der Lapplandfront« Dienst tun.

Zu dem Zeitpunkt ist Rascher bereits durch Nini unter Druck geraten. Er war 27, hatte gerade promoviert und arbeitete als unbezahlter Assistent in der Chirurgie eines Münchner Krankenhauses, als er 1936 der 43-jährigen Witwe eines Komponisten begegnete. Später stellt Rascher sein Verhältnis zu der Frau als Hörigkeit dar: »ihr Wort gilt für mich wie das Evangelium«.

Als er dies zu Protokoll gibt, hat er freilich Gründe, sich von ihr zu distanzieren, denn sie hat beider Untergang verschuldet. Wie willen- und ahnungslos Rascher tatsächlich gewesen ist und inwieweit seine Einlassung lediglich der eigenen Entlastung dient, muss offen bleiben. Sein Kriminalfall wird zwar anfangs polizeilich untersucht, aber Himmler sorgt dafür, dass er nicht vor einem Gericht verhandelt und abschließend aufgeklärt wird. Dabei wäre unweigerlich seine eigene Rolle in dem Schmieren- und Schauerstück zur Sprache gekommen.

Gegen die Aufnahme des NSDAP- und SA-Mitglieds Rascher in die SS hat Himmler als Erzieher der Männer seines »Sippenordens« zunächst Bedenken. Sie gelten der Liaison des jungen Arztes mit der alten Freundin. Der Altersunterschied stört ihn nicht; er ist selbst mit einer knapp sieben Jahre älteren Frau verheiratet und hat eine 13 Jahre jüngere Geliebte. Auch am Konkubinat nimmt er keinen grundsätzlichen Anstoß – sofern daraus Kinder hervorgingen wie aus seiner Verbindung mit seiner vormaligen Sekretärin Hedwig Potthast, die 1942 und 1944 einen Sohn und eine Tochter zur Welt bringt.

Die Monogamie sieht er als christliche Erfindung und hält sie geradezu für ein Verbrechen am »Volkskörper«. Er plädiert für die »Doppelehe«, die er selbst praktiziert, und verspricht sich davon, dass sie für die beiden Frauen ein »Ansporn« wäre, »dem Idealbild in jeder Beziehung nahezukommen, die Haare auf den Zähnen und die Schwammigkeit werden verschwinden«. Vermutlich denkt er dabei an seine Ehefrau, der »feldwebelmäßiges« Verhalten nachgesagt wird. Ab 1936 kümmert sich die »Aktion Lebensborn« des SS-Rasse- und Siedlungshauptamt um Frauen, die von rassisch einwandfreien, aber anderweitig gebundenen Männern schwanger sind.

1938 erlassen die Nationalsozialisten ein neues Gesetz zur Ehescheidung. Bis dahin gilt ausschließlich das »Schuldprinzip«. Nun wird sowohl die »Zerrüttung« der ehelichen Gemeinschaft als Trennungsgrund anerkannt wie vor allem die »Verweigerung der Fortpflanzung« und die »Unfruchtbarkeit des Ehegatten«. 1944 wird Himmler beim Justizminister vorstellig und setzt sich dafür ein, den Ehebruch als »Ehehindernis« aufzuheben.

Mit Nachwuchs wäre bei Rascher und Nini ja nicht mehr zu rechnen, meint er. »Ich erklärte dem Reichsführer, dass ich das beweisen würde«, gibt Rascher später ihr Gespräch wieder. Prompt behauptet Nini, dass sie schwanger sei. Ab hier wird die Geschichte undurchsichtig. Rascher, der getönt hat, dass seine Gefährtin sehr wohl Mutter werden könne, will nicht gewusst haben, dass das im November 1939 in Prag als vermeintliche Frühgeburt registrierte Kind weder von ihm noch von ihr stammt. Es ist von Julie »Lulu« Muschler beschafft worden, einer Freundin Ninis, die sie Cousine nennt, und die Rascher bei seinen Krebs-Studien als Laborantin assistiert.

Auch als er im April 1941 zum zweiten Mal Vater eines Sohnes wird, will er hintergangen worden sein. Das Kind wird zur Pflege angenommen und unter Ninis Namen beim Standesamt angemeldet. Rascher protzt gegenüber Himmler, er wolle noch einen »Halbzug (sechs Buben)« in die Welt setzen. Der unverhoffte Kindersegen überzeugt Himmler, die Heirat des SS-Mannes Rascher zu genehmigen. Im Juli 1941 findet die Trauung statt. Zuvor hat Himmler dem Paar zugesichert, dass die Witwenrente, die Nini damit entgeht, durch eine zusätzliche »Forschungsbeihilfe« für den Gatten ausgeglichen wird.

Im Oktober 1942 wird Nini zum dritten Mal Mutter. Himmler ist vom Kindersegen der 50-Jährigen derart angetan, dass er eine SS-Publikation dazu plant. Noch einmal ist Nini im März 1944 guter Hoffnung, ganz der Vorgabe des Reichsführers-SS gemäß, der als »Mindestkinderzahl einer guten und gesunden Ehe« vier ansah, am besten Söhne.

Diesmal jedoch ist die Beschaffung eines geeigneten Säuglings nicht reibungslos vonstatten gegangen. »Am 20. 3. 1944 wurde am Münchener Hauptbahnhof ein Kind entführt«, melden die Zeitungen und bringen eine Beschreibung der Frau, die einen »tigerartig gefärbten braunen Ledermantel« und einen »bis zur Brust reichenden Trauerschleier« getragen habe.

Binnen Tagesfrist ist Nini verhaftet und alsbald geständig. Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Sie hat sich nicht damit begnügt, vier fremde Kinder als eigene auszugeben, sondern insgesamt mindestens acht in Pflege genommen und untereinander ausgetauscht, sobald eines dem Säuglingsstadium entwachsen war und ihr »rassisch minderwertig« vorkam. Nicht in allen Fällen gelingt es der Polizei, die wahre Identität der Kinder festzustellen. Die damals allein mögliche Blutgruppenbestimmung schließt lediglich bestimmte Verwandtschaftsverhältnisse aus.

Nini ist wohl deshalb aufgeflogen, weil sie auf ihre erfahrene Freundin und Komplizin Lulu Muschler verzichten muss. Diese wird seit Mitte Dezember 1943 vermisst und im April 1944 tot am Fuß eines Berges entdeckt. Die Polizei geht zunächst von einem Suizid aus. Wahrscheinlich hätte sie den Fall noch einmal aufgerollt, wäre nicht der genarrte Himmler als oberster Dienstherr eingeschritten, um das Verfahren zu beenden. Zuvor jedoch hat er auf seine Weise ermittelt und durch ein graphologisches Gutachten die kriminelle Veranlagung des Ehepaars Rascher bestätigen lassen.

Raschers Ende (Zeichnung: urian)

Von Mai bis November ist Nini Rascher in Polizeihaft. Nach einem Fluchtversuch wird sie ins Frauenlager Ravensbrück eingeliefert, wo ihr auf Anweisung ihres alten Freundes eine Vorzugsbehandlung zuteil wird. Sie bekommt eine Einzelzelle, wird nicht geschoren und braucht keine Häftlingskleidung tragen, darf lesen und nähen und soll »korrekt« behandelt werden.

Rascher behauptet, von nichts gewusst zu haben, und Nini beteuert seine Schuldlosigkeit in Briefen an Himmler und seinen Sekretär Brandt. Vor der geplanten Gegenüberstellung mit seiner Frau erklärt Rascher sogar: »Ich bitte, mich nicht mit meiner Frau allein zu lassen, denn ich fürchte mich vor dieser Frau.«

Sigmund Rascher ist zunächst in Buchenwald eingesperrt. In der Zelle neben ihm sitzt der britische Spion Sigismund Payne Best, dem er weismacht, die Gaskammern zur Judenvernichtung erfunden zu haben. Gemeinsam mit anderen Sonderhäftlingen wird er Anfang April 1945 aus Buchenwald verlegt und kommt zurück an seine frühere Wirkungsstätte Dachau.

In letzter Minute ergehen zahlreiche Mordbefehle, die der persönlichen Abrechnung gelten. Mit den »Verbrechen der Kriegsendphase« werden Zeugen und Regimegegner beseitigt, denen man nicht den Triumph gönnt, den Untergang zu überleben. Wie Georg Elser. Der gescheiterte Attentäter ist unter vergleichsweise komfortablen Bedingungen in Dachau eingesperrt und wird »auf Vorrat« gehalten, um ihm nach dem »Endsieg« einen Schauprozess zu machen. Im Untergang erinnert man sich seiner.

Am 5. April 1945 schickt Gestapo-Chef Heinrich Müller »auf Befehl des RFSS und nach Einholung höchster Entscheidung«, also mit Billigung Hitlers, ein Schreiben nach Dachau. Darin geht es zunächst um die Überstellung einer Anzahl Gefangener, die als Geiseln vorgesehen und »gut zu behandeln sind«. »Auch wegen unseres besonderen Schutzhäftlings ›Eller‹ [Elsers Codename] wurde erneut an höchster Stelle Vortrag gehalten«, teilt Müller weiterhin mit. »Folgende Regelung ist ergangen: Bei einem der nächsten Terrorangriffe auf München bezw. auf die Umgebung von Dachau ist angeblich ›Eller‹ tötlich [!] verunglückt.«

Mit dieser Legende war bereits die Ermordung des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann im August 1944 in Buchenwald versehen worden. Diesmal nimmt man es nicht so genau und wartet keinen Fliegerangriff ab, um Elser am 9. April zu liquidieren.

Für die »Wiedervorlage nach dem Krieg«, mit der Himmler zum Schluss hin immer mehr Vorhaben stempelt, denen er bis dahin unverzüglich hatte nachgehen lassen, ist die Affäre Rascher gewiss nicht vorgesehen. Es ist dem Reichsführer persönlich zu peinlich, wie er sich von dem Ehepaar hatte betrügen lassen, um davon weiteres Aufhebens zu machen.

Ihr Angriff auf eine Wärterin besiegelt Ninis Schicksal. Kurz vor der Räumung von Ravensbrück in den letzten Apriltagen endet sie am Strick. Das genaue Datum ist nicht überliefert. Möglich, dass sie am selben Tag stirbt wie ihr Gatte und ebenfalls »auf Himmlers Anweisung«.

Am Nachmittag des Donnerstag, 26. April, schießt ein SS-Mann Rascher in Bauch und Genick. Die beiden Häftlinge, die seine Leiche zum Krematorium tragen, werden von einem anderen Schergen gefragt, ob sie ihn gekannt hätten; sie verneinen. »Das war der Dr. Rascher«, erklärt der SS-Mann, »das Schwein ist gut verreckt.«

Der Mordbefehl, der vermutlich auf ähnliche Weise wie bei Elser, wohl aber ohne »Einholung höchster Entscheidung« ergeht, zeigt an, dass Himmler weiß, dass er die Macht über den Gefangenen verliert. Anders als der britische Spion Richard Stevens, der gemeinsam mit Rascher nach Dachau transportiert wird und wie sein Kollege Best den Krieg überleben wird, kommt der Killer-Arzt als Geisel nicht in Frage. Rascher wird als Zeuge eliminiert. Weniger weil er über Menschenversuche, sondern über die Naivität des Reichsführers-SS aussagen könnte. Unklar bleibt, ob dieser dabei das Urteil der Nachwelt im Blick hat oder das einer Mitwelt, deren Hohn er sich als Überlebender glaubt stellen zu müssen.

Raschers Experimente gehören zu den Anklagepunkten im Nürnberger »Ärzteprozesses«. Die Beweislast ist auch ohne seine ausgebliebenen Einlassungen erdrückend. Sieben Angeklagte werden zum Tode verurteilt, fünf zu lebenslänglich, vier zur zeitlich begrenzten Freiheitsstrafen. Freispruch für sieben Ärzte, Luftfahrtmediziner vornehmlich, an deren Erkenntnissen die USA interessiert sind. In den 1980ern wird bekannt, dass die Daten von Raschers Unterkühlungsversuchen an einer kanadischen Universität weiter verwendet worden waren. Die Beschuldigten verteidigen sich damit, dass auch die US-Raumfahrt ihren Aufschwung den unter den Nationalsozialisten gewonnenen Erkenntnissen verdankt. Doch wissenschaftlich verbindet nichts die reale Reise zum Mond mit Raschers und Himmlers als Forschung maskierten sadistischen Fantasien.

Hirn (Zeichnung: urian)

Anmerkungen

Über Raschers Versuche vgl. E. Klee, Deutsche Medizin im Dritten Reich, Frankfurt/M. 2001; ders., Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer, Neuausg. 2. Aufl. Frankfurt/M. 2002; L. Poliakov/J. Wulf, Das Dritte Reich und die Juden, Wiesbaden 1989; S. Zámečnik, Das war Dachau, Frankfurt/M. 2007.
Das Tischgespräch im Führer-Bunker zitiere ich auch, weil es auf die »Experimente« aus einer Perspektive eingeht, die in anderen Darstellungen nicht vorkommt: derer, denen sie angeblich dienen sollten. Ein ehemaliger Testpilot nahm es in seine Autobiografie auf, weil es seine einzige Begegnung mit Hitler anlässlich einer Ehrung war (W. Späte, Der streng geheime Vogel, 2. Aufl. München 1988, 57). Er machte kein Aufhebens davon, dass er über die mörderischen Machenschaften nicht erst durch einen Historiker informiert werden musste – wie die allermeisten seiner Zeitgenossen bei gleicher Gelegenheit vorschützten. Details der Versuche, auf die er sich bezieht, hätte er seinerzeit kaum der Fachliteratur wie G. Reitlinger, Die SS, München-Wien-Basel 1956 und M. H. Kater, Das »Ahnenerbe« der SS 1935–1945, Stuttgart 1974, entnehmen können; seine Angaben ergänzen Ergebnisse späterer Forschungen. Wäre dem Flugingenieur eine literarisch überzeugende Täuschung gelungen, hätte er sie, soweit es Himmlers Beitrag zu dem Dialog betrifft, an mich verschwendet, der ihm 26 Jahre später auf den Leim ging, als J. H. Slawig mir das Buch aus seinem Bestand reichte.
Über Nini und ihre Kinder vgl. A. M. Sigmund, Die Frauen der Nazis II, Wien 2000; H. Pfeiffer, Mörderische Ärzte, 2. Aufl. München 2003.
Ein Mordbefehl Himmlers ist nicht überliefert, aber Rascher wurde eigens nach Dachau transportiert, um dort sein Ende zu finden – ein Befehl, der zu der Zeit und unter den obwaltenden Umständen diesen Sonder-Häftling betreffend nur vom Reichsführer selbst kommen konnte. Bei P. Witte/S. Tyas, Himmler’s Diary 1945, o. O.  2014, kommt Rascher nicht vor, aber dort ist genau zu sehen, wie umtriebig Himmler in den letzten Apriltagen war – und dass er hinter sich aufräumte. Mit Raschers Ermordung wollte er private Spuren beseitigen und beglich eine offene persönliche Rechnung.
Weitere verwendete Literatur:
Evans, R. J.: Das Dritte Reich, Bd. III: Krieg, München 2009 | Fraenkel, H./R. Manvell: Himmler. Kleinbürger und Massenmörder, Berlin-Frankfurt/M.-Wien 1965 | Große Geschichte des Dritten Reichs und des Zweiten Weltkriegs, München-Köln 1989 | Gun, N. E.: Die Stunde der Amerikaner, Velbert 1968 | Heiber, H. (Hg.): Reichsführer!… Briefe an und von Himmler, Stuttgart 1968 | Kersten, F.: Totenkopf und Treue, Hamburg o. J. (1952) | Lang, J. v.: Der Adjutant. Karl Wolff, Frankfurt/M.-Berlin 1989 | Longerich. P.: Heinrich Himmler, München 2008 | Segev, T.: Die Soldaten des Bösen, Reinbek 1992 | Strohm, H.: Die Gnosis und der Nationalsozialismus, Frankfurt/M. 1997 | Witte, P. et al.: Der Dienstkalender Heinrich Himmlers 1941/42, Hamburg 1999

Auszug aus HIMMELREICH HIRN. Graphic Essay über die letzten Tage von Heinrich Himmler

Weitere Auszüge:

Himmlers Ende (1)
Himmlers Ende (2)
Himmlers Ende (3)
Himmlers Ende (4)

Kultfindlinge
Ein ehrenwerter SS-Mann
Himmlers Ende und Nachleben
Himmlers Sterndeuter
Reise im inneren Reich
Tod im Erkerzimmer

© Uwe Ruprecht

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