Wie Medien mit KI die Welt verarschen

Eben lese ich in einer deutschen Publikation die automatisierte Übersetzung einer US-Publikation, wonach eine Public Relations-Beraterin aus New York behauptet, „dass sie seit Januar zusätzliches Geld mit der Planung von Reisen verdient. Sie erzählte dem Nachrichtenportal, dass die Nutzung von ChatGPT anstelle von herkömmlichen Suchmaschinen wie Google und Bing ihre Recherchezeit halbiert und ihren Planungsprozess beschleunigt hat.“ Sie erklärte, „dass sie den Chatbot dazu auffordert, personalisierte Reisen für jeden Kunden zu erstellen. Zum Beispiel fragt sie den Bot Dinge wie: ‚Gib mir einen preisbewussten Reiseführer für Paris, der historische Viertel einbezieht, in denen Politiker in den 1880er Jahren lebten‘.“

Mag sein, kann stimmen oder auch nicht.

Ich habe die Maschine gefragt, wer ich bin – und die Antwort erhalten, ich sei ein 1972 geborener Schauspieler, der als „Jan Reuter“ in der TV-Serie „Soko Leipzig“ auftritt. Man kann mich googeln, ich habe einen Wikipedia-Eintrag und bin nicht mit einem Baumkletterer und dem Inhaber einer Stoffe-Firma zu verwechseln. Der Darsteller des Jan Reuter heißt Udo Kroschwald und ist Jahrgang 1955; die dazugehörige Serie ist „Soko Wismar“.

Besagte PR-Beraterin sagt zwar auch, dass sie die Angaben des Chat-Bots noch einmal durch Suchmaschinen prüft. Aber ich kann nicht erkennen, wie die KI irgendetwas erleichtert oder gar ersetzt, wenn sie bei einer simplen Anfrage schon solchen Unsinn produziert.

Ich habe dem Bot dann noch einmal dieselbe Frage gestellt, und immerhin roch er den Braten und hatte eine Entschuldigung parat: „Es tut mir leid, aber meine Informationen sind begrenzt und reichen nur bis September 2021.“ Was an seiner in mehreren Punkten falschen Auskunft nichts ändert.

Das ist der Spruch, den auch Journalisten aufsagen, wenn sie über KI berichten. Tut mir leid, aber ich weiß auch nur, was mich die Pressestelle eines Unternehmens oder die automatische Übersetzung des Textes eines anderen Journalisten hat wissen lassen.

Warum also nicht den Mund halten, in sich gehen und ein Buch lesen statt mit einer Bot-App herum zu spielen?

Inzwischen habe ich auch mit einer der Websites herumgespielt, auf der die KI anhand von Text-Prompts Bilder erzeugt. Das obige Bild kommt bei „Uwe Ruprecht writing“ heraus. Die Kleidung ist, sagen wir: originell. Zwar bin ich nicht als junger Mann dargestellt, aber meine Stirn ist nicht so hoch. Und vor allem: mit „writing“ scheint die KI bei alten Männern das Handschriftliche zu assoziieren. Ich habe dazu seit je weit überwiegend Maschinen benutzt: Schreibmaschinen und seit 1985 Computer-Tastaturen. Die abgebildete Schreibhaltung ist nostalgisch, frühes 20. Jahrhundert. In der Hinsicht kann die artifizielle Intelligenz noch einiges lernen. Schamlos eingebildet ist jedenfalls schon, indem sie Bilder von Leuten produziert, die sie offensichtlich gar nicht kennt.