Die „Nora“-App ist missbraucht worden, soll nun überarbeitet werden und steht vorläufig nicht mehr zum Download bereit. (→ ZDF)

Zu Erinnerung: Vor einigen Monaten gab es eine massive mediale Kampagne für Warn-Apps aller Art. Wohlgemerkt, nachdem sich die Corona-Warn-App der Bundesregierung als Flop und die „Luca“-App als Gelddruckmaschine ohne praktischen Nährwert erwiesen hatte.

Ich gestehe: Ich bin vorübergehend hereingefallen. Die offizielle Corona-Warn-App habe ich nach kurzer Zeit wieder deinstalliert. „Luca“ musste ich haben, weil die Behörden mit den Betreibern einen schmutzigen Deal eingegangen waren und ihr ein Monopol verschafft hatten.

Auch „Nora“ lief für ein paar Tage auf meinem Smartphone. Und dann habe ich den Unfug beendet. Denn die App selbst ist Missbrauch. Drei Mal am Tag bekam ich überflüssige Warnungen angezeigt. Nein, nicht die, deretwegen sie nun zurückgezogen wurde. („In Niedersachsen waren zuletzt 20 aktuelle und ehemalige Landtagsabgeordnete von SPD, CDU und AfD mit falschen Notrufen gezielt belästigt worden. In fast allen Fällen waren Einsatzkräfte ausgerückt, nachdem die Täter über die App etwa von Gasaustritten oder Bränden berichtet hatten.“)

„Nora“ warnte mich vor jedem stärkeren Wind und davor, dass der Fischmarkt in Hamburg überflutet werden könnte. Der Fischmarkt steht mehrmals im Jahr unter Wasser. Und der einzige Schaden besteht für jene, die dort unbedingt ihr Auto abstellen zu müssen meinen, obwohl ein Blick auf den Himmel anzeigt hätte, dass das keine gute Idee ist. Ich wohne weit weg vom Hafen und habe kein Auto. Und dass der Wind weht, kann ich sehen, wenn ich aus dem Fenster schaue. Dafür brauche ich keine App.

Wenn ich in einem Gebiet leben würde, in dem mit Erdbeben zu rechnen ist – wäre eine App, die mich warnt, vielleicht sinnvoll. Aber wie die Katastrophe im Ahrtal hinlänglich klar gemacht haben sollte, hilft die beste App nichts, wenn die Informationen über ein Unheil im Anmarsch von den Behörden verschlampt werden. Denn auch die App kann nur mit dem arbeiten, womit Menschen sie programmieren.

Der Warn-App-Glaube ist magisches Denken. Nur weil ich ein paar Minuten früher über die Katastrophe informiert bin, kann sie mich dennoch betreffen. In Deutschland sind Warn-Apps aktuell überflüssig. Darüber auch nur zu reden schürt Ängste, die gegenstandslos sind. Jedenfalls, sofern man selbst bei Verstand ist. Wer sein Auto bei Sturm auf dem Fischmarkt parkt, dem nutzt auch keine App.