Verdrängte Geschichte als Basis für Klima-Aktivismus. Der Einfluss der Familie Reemtsma auf die deutschen Geschicke ist ungebrochen
Ich habe auf diesem Blog verschiedentlich meine Verachtung für Klimaschutz-Prediger kundgetan. Und zwar nicht, weil ich den Klimawandel leugne, sondern weil ich die quasi-religiöse Form, mit ihm umzugehen, für einen katastrophalen Irrweg halte. Nun lese ich, dass sich Luisa Neubauer, die deutsche Kopie der Heiligen Jungfrau Greta Thunberg, mit dem Vatikan verbündet. Wo die katholische Kirche und zumal der unfehlbare Papst mitwirken, kann nur Unheil herauskommen.
Aus Gründen, die hier nicht zur Sache tun, habe ich mich mit der Familie Reemtsma beschäftigt und bin dabei unweigerlich auf zwei mediale Protagonistinnen des Klimaschutzes gestoßen. Neben Neubauer macht sich auch ihre Cousine Carla Reemtsma vor den Kameras als Klimapredigerin mausig.
Natürlich ist es kein Zufall, dass Angehörige des Geldadels in Deutschland das große Wort führen. Sie haben eben die besten Verbindungen, auch und gerade zu den Medien. Ebenso selbstverständlich ist, dass ihr Vermögen, sofern es vor 1945 erwirtschaftet wurde, mit dem Blut befleckt ist, dass die Nationalsozialisten vergossen.
Man muss keine Verschwörungstheorie aufbieten, um das merkwürdig zu finden. Gewiss ist niemand dafür verantwortlich, welcher Sippschaft er oder sie entstammt. Aber man ist verantwortlich dafür, wie man damit umgeht. Die Familie Reemtsma bietet dafür das beste Beispiel in Gestalt von Jan Philipp Reemtsma, der ganz ohne Ironie als ehrenwerter Mann bezeichnet werden kann.
2022 veröffentlichte Luisa Neubauer gemeinsam mit ihrer Großmutter Dagmar Reemtsma ein Buch, Gegen die Ohnmacht. (Interessanter Titel von Leuten, die mit der Macht aufgewachsen sind.) Aus diesem Anlass brachte die Apotheken Umschau ein Interview mit den beiden. Dagmar Reemtsma, Jahrgang 1933, also nicht verantwortlich für die Verbrechen der Nazis, aber in deren Regime sozialisiert, wird auf ihren Schwiegervater Alwin Reemtsma angesprochen, ohne dass die Leserschaft mehr über ihn erführe, als dass er „ein Sohn der hanseatischen Tabakdynastie“ gewesen sei. Ja, „Dynastie“ steht da, und es ist offenbar nicht kritisch gemeint. Geldadel eben, dem die Medien sich gern andienen.
Alwin Reemtsma trat 1937 der NSDAP bei. Da gehörte er bereits zur SS, in der er es zum Standartenführer brachte, einem Rang, der einem Oberst in der Wehrmacht entsprach. Am 20. April 1939, dem Geburtstag seines Führers, erhielt er von Heinrich Himmler einen „Ehrendegen“. Von September 1943 bis September 1944 war er persönlicher Referent des Höchsten SS- und Polizeiführers in Hamburg. Das Amt des HSSPF war eine Schaltstelle für den Holocaust.
Am 26. Mai 1945 wurde er, ebenso wie seine Brüder Hermann und Philipp, von den britischen Besatzungstruppen verhaftet und interniert. „Bessere Zeiten brachen erst wieder 1948 an“, heißt es in einer PR-Firmengeschichte: „Alwin wurde wegen seiner SS-Mitgliedschaft nur zu einer Geldstrafe verurteilt, der Entnazifizierungsausschuss stuft Philipp und Hermann als Entlastete ein, das Verfahren gegen Philipp wegen Bestechung Görings [1934] wurde später eingestellt. Die Brüder übernehmen erneut die Geschäftsführung und gründen die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH.“
Zugegeben, Dagmar Reemtsma war zu der Zeit eine Jugendliche und noch nicht mit Alwins Sohn verheiratet. Aber als Alwin 1970 starb, war sie 37. Im Interview weiß sie über ihn nur zu sagen: „Ich hatte zu ihm ein gutes Verhältnis, er war zuvorkommend, gutmütig und großzügig. Er war es, der mir meine Nähmaschine geschenkt hat.“
Was aber ist von einer zu halten, die von ihrer Enkelin als Vorbild für den eigenen Aktivismus gelobt wird, und erklärt: „Wie eng er [Alwin] mit den Nazis zusammenarbeitete, habe ich erst 1995 auf einem Vortrag erfahren. Ich war fassungslos. Mein Vater, müssen Sie wissen, war im Konzentrationslager umgekommen. Als ich mehr über Alwin erfuhr, war ich 60 Jahre alt und hatte bis dahin keine Ahnung von der Schuld, die er auf sich geladen hatte.“
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Da ist also jemand, der im Reichtum lebt, sich aber bis ins hohe Alter nie fragt, woher dieser stammt. Jemand, der zwar mit dem im KZ umgekommenen Vater angibt, aber nichts von den Zwangsarbeitern weiß, die das Geld erwirtschaftet haben, von dem es sich weit überdurchschnittlich gut leben lässt. Und statt sich fürderhin bescheiden und demütig zu geben, ist dieser Jemand „aktivistisch“ unterwegs mit dem nicht geringen Anspruch, allen anderen vorschreiben zu wollen, wie sie zu leben haben.
Im Interview geht es damit weiter: „Verdrängung ist auch ein großes Thema unserer Zeit“. Implizit wird also unterstellt, Dagmar Reemtsmas Unkenntnis der NS-Geschichte der Familie, in die sie eingeheiratet hatte, sei von ihr verdrängt und nicht etwa bewusst ignoriert worden.
Die Antwort gibt dann die Enkelin: „Verdrängung hat manchmal auch etwas mit Selbstschutz zu tun. Aber ich glaube, dass diese Verdrängung vielen Menschen zunehmend schwerfällt und sie merken, dass es ihnen psychisch nicht guttut. Ökologisch betrachtet fehlt uns schlicht die Zeit für mehr Verdrängung. Wir müssen jetzt handeln.“ Und so weiter und so fort.
Vom Nationalsozialismus ist keine Rede mehr. Nicht davon, wie dieser Dagmar Reemtsmas Kindheit offenbar so sehr geprägt hat, dass sie sich bis zu ihrem 60. Lebensjahr keine einzige Frage dazu gestellt hat. Der Vater immerhin war im KZ umgekommen. Das schien sie als Persilschein begriffen zu haben, die Verstrickungen nach 1945 nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen. Und ihre Enkelin belässt es dabei. Verdrängung hat für sie „manchmal“ mit Selbstschutz zu tun und ist ein persönliches Problem. Die gesellschaftliche Verdrängung der NS-Epoche, die ihr Vorbild eingestandenermaßen vorgelebt hat, scheint für sie nicht zu existieren.
Ich kann mir den Kauf von Büchern nicht leisten, weil ich nicht aus begüterten Verhältnissen wie diese Klima-Aktivistinnen stamme, weshalb ich von ihrem Geschreibsel nur weiß, was Rezensenten dazu erklären. Demnach kommt darin eine kritische Betrachtung des eigenen Reichtums und seiner Herkunft ebenso wenig vor wie im Interview mit der Apotheken Umschau.
Dagmar Reemtsma übertrug der Enkelin ihre mutmaßlich nicht unbeträchtlichen Anteile an der Genossenschaft der taz, und die Enkelin ist liiert mit einem Moderator im öffentlich-rechtlichen TV. So ist dafür Sorge getragen, dass die Aktivitäten dieser Aktivistinnen, die en passant ausblenden, was ihnen nicht in den Kram passt, von den Medien in ein gutes Licht gerückt werden.
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Wenn Fräulein Neubauer sich also mit dem Papst ins Einvernehmen setzt, stößt das in deutschen Medien nicht etwa übel auf, sondern vergrößert ihren Heiligenschein. Denn sie hat immer Recht. Jedenfalls im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Gottlob gibt es alternative Medien, also solche, die sich der Heiligenverehrung nicht anschließen, und dort kann man lesen, dass Neubauer durchaus auch Blödsinn erzählt. (→ NiUS)
Für die Verehrer der Heiligen bin ich nun endgültig als Nazi gebrandmarkt, indem ich ein Medium zitiere, das für jene, die taz-Anteile besitzen, als rechte Hand des Teufels gilt. Also für die, die anderen weiszumachen versuchen, Tatsachen seien politisch verortbar, und die Wahrheit stehe immer links.

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