Eine Instagram-Lüge der „Hamburger Morgenpost“
Ein Schwarzer, der von einer Lampe träumt; ein Schwarzer, dessen Katze auf einem Staubsauger-Roboter liegt; eine Schwarze, die Konfekt verzehrt; ein schwarzes Paar, das für eine Krankenkasse rappt; eine schwarze Familie öffnet ein Überraschungsei: Wenn ich TV-Werbung sehe, wird mir klar, wie wenig ich alter weißer Mann als Kunde noch in Frage komme. Kann mir egal sein, denn Konsumismus war noch nie meine Sache.
Aber an Wahrhaftigkeit liegt mir. Insofern regt es mich auf, wenn eine junge Schwarze mittels der Hamburger Morgenpost auf Instagram eine faustdicke Lüge verbreitet, indem sie behauptet, ihresgleichen käme im TV kaum vor. (Siehe die zufällige Auswahl mit Screenshots von TV-Werbung im Beitragsbild,)

In jeder Episode einer TV-Serie gibt es inzwischen Schwarze, Menschen mit Migrationshintergrund, Schwule, Lesben, Transpersonen etc. Das Diversitäts-Gedudel hat ein Ausmaß angenommen, dass dahinter die Realität verschwindet. Im Spiegel woker Medieninszenierungen erscheinen Minderheiten als Mehrheit.
Alle diese Repräsentanten irgendeiner Identitätsgruppe, die sich vernachlässigt fühlt, werden behandelt, als drehe sich die Welt ausschließlich um Aussehen und Sexualität. Dass die Unterschiede von Arm und Reich etwa sehr viel bedeutender sind, wird von der kapitalistischen Kulturindustrie geflissentlich ausgeblendet.
O ja, hier und da tragen beispielsweise auch Obdachlose zum Diversitäts-Gedudel bei. Indem die Drehbuchautoren gängige Klischees bedienen. Denn mit echten Obdachlosen haben sie natürlich keinerlei Umgang, sondern kennen sie nur vom Vorbeigehen – und aus dem Fernsehen. (→ Ästhetik des Elends)
Weil es nur um den Anschein geht, wird einer hergestellt, der die tatsächlichen Probleme übertüncht. Die Sorgen und Nöte der Menschen mit Migrationshintergrund, die ich kenne, werden um keinen Deut geringer, wenn Drehbuchautoren Geschichten mit ihresgleichen erfinden. Schöne Geschichten, in denen der Schein gewahrt wird. Oder Werbe-Clips, mit denen sie als Kunden umschmeichelt werden.
Das Vorzeigen allein bringt gar nichts. Denn es geht in der Wirklichkeit nicht, wie der jungen Frau, der die Morgenpost das Wort erteilt, um Hübschheit. Oder vielmehr: Darum geht es anscheinend in ihrer Welt. Mehr farbige Gesichter zu zeigen ändert nichts daran, dass die Mehrheit der Schwarzen der Unterschicht angehören und keinen Umgang mit Zeitungsredaktionen haben, die Ästhetik als vorrangiges Problem ausstellen, indem sie allein dieses ansprechen.
Welchen Wert soll es haben, mehr schwarze Gesichter in Drehbücher einzuschreiben, in denen sie Rollen einnehmen, die den Schein wahren?
Ich habe fast drei Jahrzehnte in einer norddeutschen Kleinstadt gelebt, in der die einzigen Schwarzen eine Handvoll Asylbewerber waren. Im TV habe ich weitaus mehr Schwarze gesehen als auf der Straße. Inzwischen Einwohner einer Großstadt sehe ich täglich zahllose Schwarze auf der Straße – und im TV.
Der Unterschied besteht darin, dass die Schwarzen im TV die Rollen spielen, die bis dahin ausschließlich Weißen vorbehalten waren. Aber es handelt sich weiterhin um Fiktionen, um die Erfindungen von Drehbuchautoren oder Werbeagenturen. Mit der Wirklichkeit hat dieser Anschein nur insofern zu tun, als seine Täuschung inzwischen eben nicht nur Weiße sondern auch Schwarze betrifft. Mehr davon zu fordern – ist Bullshit.
Über die Realität von Schwarzen oder Menschen mit Migrationshintergrund erfahre ich im TV weiterhin nichts. Sondern lediglich das, von dem Drehbuchautoren wollen, dass ich darüber denke.
Die kulturindustrielle Zurichtung, die längst stattfindet, ohne dass die junge Frau der Morgenpost sie anscheinend wahrgenommen hat, verbessert die Realität nicht. Sie zu leugnen und mehr schwarze Präsenz im TV zu fordern, offenbart nur die Ignoranz derer, die sie fordern. Und derer, die solche Ahnungslosigkeit als Instagram-Kachel vervielfältigen.
Mit dem alltäglichen Rassismus haben solche Scheingefechte nicht nur nichts zu tun, sondern sie tragen zu ihm bei.

4. November 2023 at 13:27
Guten Tag Herr U. Ruprecht.
Zitate:
Mit dem alltäglichen Rassismus haben solche Scheingefechte nicht nur nichts zu tun, sondern sie tragen zu ihm bei.
…Konsumismus war noch nie meine Sache
Antworten:
Der Grundgute hat niemals Böses im Sinn
Der Hass kennt keine Grenzen
Die Menschenwürde ist universell, unteilbar und absolut
Die Ismen sind mir nicht das Ding die Sache
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
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