Zum 9. November 2023
„Wir erleben in Deutschland in den letzten 20 Jahren eine Art Wohlfühl-Erinnerungskultur“, sagt Jens-Christian Wagner, Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, im → Deutschlandfunk. „Wir trauern und identifizieren uns mit den Opfern, bekennen, dass das 20. Jahrhundert ein ganz schreckliches Jahrhundert der Massenmorde gewesen ist – und fühlen uns dann wohl, dass es heute nicht mehr so ist. […] In dieser Wohlfühl-Erinnerungskultur, die von Entlastungs-Diskursen getragen ist, werden keine Fragen gestellt. Und genau die Fragen nach der Funktionsweise der NS-Gesellschaft, die müssen wir stellen! Dann können wir, sauber hergeleitet historisch und wissenschaftlich fundiert, Aktualitätsbezüge herstellen.“
Zum 9. November 2023 bücken sich Deniz Celik (Linke), Vanessa Mohnke (SPD), Dennis Thering (CDU), Danial Ilkhanipour (SPD) und Michael Gwosdz (Grüne) vor dem Eingang zum Hamburger Rathaus und putzen die dort verlegten Stolpersteine, die an im NS-Regime ermordete Bürgerschaftsabgeordnete erinnern. Und eine dankbare Presse lichtet sie dabei ab: Mission accomplished.
Dass dabei „sauber hergeleitet historisch und wissenschaftlich fundiert“ Aktualitätsbezüge hergestellt würden, kann man wahrlich nicht sagen.
Einer der Stolpersteine ist Ernst Thälmann gewidmet. Gewiss, er wurde schlussendlich von den Nazis ermordet. Aber seine Vorstellung von der Welt, der so genannte Kommunismus, wurde von der Partei des Herrn Thering jahrzehntelang als Schreckgespenst beschworen und Totschlagsknüppel benutzt, und die Partei von Mohnke und Ilkhanipour erfand → Berufsverbote für jene, die als Kommunisten in den öffentlichen Dienst strebten.
Wie soll man ihr Putzen verstehen? Was bereinigen sie?
Ernst Thälmann war Opfer – aber auch Täter. Am 23. Oktober jährte sich zum 100. Mal der „Hamburger Aufstand“. Die von Thälmann geführte KPD probte die Revolution und scheiterte. Die Zahl der Toten ist ungewiss. Sicher starben 17 Polizisten. Mal sollen sechs, mal 24 Kommunisten umgekommen sein. Die Mehrheit der Opfer, 61, waren Unbeteiligte, von denen kaum die Namen bekannt sind.
Ihrer erinnert sich gewiss nicht die Partei der Linken, die Thälmann, der den Aufstand zwar initiierte, sich aber dann vornehm zurückhielt und den Kampfhandlungen fernblieb, in einer besonders in der DDR gepflegten Legende zum Vorkämpfer an vorderster Front stilisierte.
Und was ist mit den Abgeordneten der Bürgerschaft, der weit überwiegenden Mehrheit, die am Tod der 21, die mit Stolpersteinen gewürdigt werden, mitwirkten? Wer erinnert sich ihrer?
Die Wohlfühl-Erinnerungskultur findet ihren Höhepunkt bei einer Gedenkveranstaltung auf dem Platz der ehemaligen Bornplatzsynagoge am Rande des Uni-Campus, auf der ausgerechnet die Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer sprechen soll, die bis dato eine selektive Erinnerung an die eigene Familiengeschichte und die Herkunft ihres Vermögens pflegt. (→ Dagmar und die Nähmaschine)

9. November 2023 at 17:00
Guten Tag
Zitat:
Wohlfühl-Erinnerungskultur
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Warum reden Sie nicht von:
Dimitri Anatoljewitsch Medwedew / Wladimir Wladimirowitsch Putin / Dmitri Walerjewitsch Utkin / Wladimir Michailowitsch Gundjajew….Сергей Викторович Лавров
Die Lektionen für den Kreml, der aus den historischen Erfahrung, durch Genozid an der eigenen Bevölkerung, unter Иосиф Виссарионович Сталин nichts gelernt hat. Stalins Genozid in der Ukraine: „Eine Wahrheit, die man jahrzehntelang zu vertuschen versuchte“ Der Genozid und der Terror in der Ukraine geht weiter.
Stalin ließ in den ukrainischen Dörfern das Vieh, Getreide und Saatgut beschlagnahmen. Hungergebiete wurden abgeriegelt. Je nach Region verhungerten zwischen zehn und 60 Prozent der Bevölkerung. Historiker schätzen, dass etwa vier Millionen Menschen in der Ukraine dem Holodomor zum Opfer fielen.
Die neoimperialen Angriffskriege des Kreml sind ein Verbrechen.
Der Angriffskrieg der Hamas ist ein Verbrechen.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
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