Wie ein Zeitungsportal der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg als Neuigkeit verkauft wird
„Eine sehr gute Nachricht für alle Forschenden und historisch Interessierten: Die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg wartet mit einem ganz besonderen Nikolausgeschenk auf. Nach einer mehrjährigen Projektphase stellt sie jetzt das kostenlos nutzbare Portal ‚Hamburger Zeitungen Digital‘ online. Der User erhält damit Zugriff auf 35 Zeitungstitel aus der Zeit zwischen 1700 und 1945. Insgesamt lassen sich 235.000 Zeitungsausgaben und mehr als zwei Millionen Zeitungsseiten digital erforschen.“
So steht es am 7. Dezember 2023 in der → Hamburger Morgenpost. Und es ist glatt gelogen.
Von wegen „jetzt“: Ich nutze das Portal bereits seit Monaten.
Und ich habe Schwachstellen entdeckt. Wie etwa, dass digitalisierte Zeitungen aus dem Bestand der Staats- und Universitätsbibliothek (Stabi) → dort nicht, aber auf einem anderen → Portal verfügbar sind. Ob dieser Mangel inzwischen behoben ist? Auf diese Frage sind die Presseleute der Stabi vermutlich nicht vorbereitet. Zu ihrem Glück wird sie ihnen von den Medien nicht gestellt.
Wie sich die Fake-News erklärt? Ganz einfach: Der Text der Morgenpost ist eine leicht umgeschriebene Pressemitteilung der Stabi vom 1. Dezember, in der das Portal als Neuigkeit verkündet wird. Und da die Mehrzahl der deutschen Journalisten aus hirnlosen Nachplapperern besteht, plappern sie eben bedenkenlos nach. Hätten sie das Portal bereits unmittelbar nach Erhalt der Pressemitteilung aufgerufen, hätten sie festgestellt, dass es längst online und keineswegs ein „besonderes Nikolausgeschenk“ ist. Dieses Geschenk besteht allein in einem extra anberaumten Pressetermin, um Medien News zu verkaufen, die keine mehr sind.
Wenn die Journaille bereits bei solchen Kleinigkeiten lügt – was ist von ihr dann bei wirklich wichtigen Themen zu erwarten? Rhetorische Frage.

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