Der nächste Schritt zur Selbstabschaffung des Journalismus
Damals, als das Wünschen noch geholfen hat, hatte Journalismus etwas mit der Wirklichkeit zu tun. Etwas geschah, und es wurde darüber berichtet.
Die Zeiten sind lange vorbei. Heute sitzen in Firmen und Behörden Leute am Schreibtisch und denken sich etwas aus, das sie unter die Leute bringen wollen. Dann tippen sie das in den Computer und versenden es an Redaktionen, die es mehr oder weniger genau so in die Welt setzen und dieses Verfahren „Journalismus“ nennen.
Das Verlagshaus Axel Springer geht nun endlich den nächsten logischen Schritt und spart sich die überflüssigen Leute. Sie werden durch so genannte Künstliche Intelligenz ersetzt.
„‚Axel Springer wird die Marke Upday künftig für einen neuen, ausschließlich auf Künstlicher Intelligenz basierenden Trend-News-Generator nutzen’, teilte das Medienhaus am Freitag [8. 12. 2023] in Berlin mit. ‚Damit testet das Medienunternehmen die Chancen, die sich für den Journalismus und die Nachrichtenbranche aus dieser Technologie ergeben. Das neue Angebot soll im Sommer 2024 unter dem Namen Upday starten.‘“
So steht es in einer Zeitung, und ich weiß nicht, inwieweit der Text das Produkt leibhaftiger Menschen in einer Redaktion ist oder ob nur wiederkäut, was der Springer-Verlag verlautbart hat. Vielleicht war in der Redaktion auch schon KI am Werk?
„Das Produkt ‚Upday for Samsung‘ war ursprünglich als News-Service für Samsung konzipiert worden und erreichte über die Vor-Installation auf Smartphones und anderen Geräten sehr schnell Millionen von Nutzern“.
Auf meinem Smartie habe ich den Dienst sofort abgeschaltet – weil ich mich nicht mit Nachrichten belästigen lassen wollte, die von anderen als „Trend“ erachtet werden.
Jetzt entscheiden also nicht mehr Menschen, worin dieser „Trend“ besteht, sondern das übernimmt die KI.
Die „Angebote“, die die KI macht, werden über kurz oder lang auch von KI produziert werden. Und dann ist der so genannte Journalismus endlich dort, wohin ihn die gebracht haben, die ihn seit langem produzieren: im Aus.
Journalisten, die ihre Arbeitszeit damit verbringen, Pressemitteilungen umzuschreiben (siehe zuletzt → hier), lassen sich problemlos durch Maschinen ersetzen. Der Kontakt lebender Menschen mit irgendeiner Wirklichkeit ist im Journalismus immer geringer geworden. Wenn die so genannten Journalisten nicht nur trendy nachplappern, was andere für wichtig halten, dann verbringen sie ihre Arbeitszeit damit, „auszuwerten“, was in den so genannten Sozialen Medien vor sich geht.
Selber denken, selber recherchieren, selber schreiben ist in den Medien längst so sehr außer Kurs geraten, dass der Abschied davon kaum noch einen Unterschied macht. Dass die KI, wovon sich jeder überzeugen kann, der eines der verfügbaren Tools anwendet, nur repetiert, was schon irgendwer irgendwann in die Welt gesetzt hat, und dieses meist fehlerhaft neu montiert, ist genau das, was so genannte Journalisten tun.
Dass Springer Upday einstellt, „hat für alle rund 70 Mitarbeiter traurige Folgen“, heißt es in der Zeitung, der ich die Meldung entnehme. Ich habe kein Mitleid. Die mindestens zwei Generationen von Journalisten, die ihre Branche durchs Wiederkäuen auf den Hund gebracht haben, sind selbst schuld, dass sie nun überflüssig werden.
Die „Chancen, die sich für den Journalismus und die Nachrichtenbranche aus dieser Technologie“ ergeben, sind eindeutig: Als vierte Gewalt im Staat wird der Journalismus endgültig abgeschafft. Und niemand wird den Unterschied merken.

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