Alte Neuigkeiten zur Volkserziehung
Nachdem der → Einsamkeitsbeauftragte der grünen Bundesfamilienministerin mit dem Klingeln an meiner Haustür aufgehört hatte, stürmte das Mobile Einsatzkommando des CDU-Vorsitzenden meine Wohnung, um zu überprüfen, ob ich auch ein ordentlicher Deutscher wäre. Nachdem festgestellt war, dass ich Agnostiker bin und Weihnachten mir am Arsch vorbei geht, wurde ich in Abschiebehaft genommen.
Freiheitlich-demokratische Grundordnung war gestern. Heute gehören Muslime und Juden sowie alle, die aufs → Händeschütteln verzichten, nicht mehr zu „uns“. Der Staat als Wertegemeinschaft, die in der Ukraine verteidigt wird, ist neuerdings ein gemeinsamer Programmpunkt über alle Parteigrenzen hinweg. Darin, dass sie sich als Erzieher verstehen, sind sich grüne wie christdemokratische Politiker einig.
Apropos Ukraine: Dem Leitmedium der deutschen Leitkultur, der BILD, entnehme ich heute, das sich hierzulande 189.484 ukrainische Männer im wehrfähigen Alter zwischen 18 und 60 Jahren aufhalten, die der ukrainische Verteidigungsminister gern wieder hätte, um sie an die Front gegen Russland zu schicken. Insofern diese allesamt Bürgergeld beziehen, wäre das auch eine Entlastung für den angespannten Bundeshaushalt. Zwei Fliegen mit einer Klappe, Herr Merz. Was sagen Sie dazu?
Man könnte logischerweise noch einen Schritt weiter gehen und einheimische Bürgergeld-Bezieher beiderlei Geschlechts (von wegen Feminismus) zum Kriegsdienst in die Ukraine befehlen, um dort unsere Weihnachtsbäume zu verteidigen. Die grüne Bundesfamilienministerin wäre gewiss einverstanden, denn nirgends ist der Mensch so wenig einsam wie im Militär. (Wie ich, anders als sie, aus eigener Anschauung weiß, denn ich habe wie Merz gedient.) Der General(!)sekretär der CDU hat längst schon ehrenamtliche Zwangsarbeit für Bürgergeld-Bezieher vorgeschlagen. Von da an ist es nicht weit zum Wehrdienst für die Verteidigung der europäischen Werte, die sich auf die christlichen reduziert haben. Muss ich jetzt übrigens auch Kinder schänden und Hexen verbrennen?
Antisemitismus ist jedenfalls unbedingt geboten. Gehörte immer schon zu den christlichen Traditionen und ist ausnehmend integrativ. Nichts verbindet Biodeutsche und → aus Arabien Zugewanderte mehr. Christen, die in ihren Wohnungen Weihnachtsbäume anzünden, und Muslime, die das nicht tun, verbindet immerhin das Feuer, das sie an Synagogen legen. So wird auch verständlich, warum zum Beispiel in Hamburg die Bornplatzsynagoge wieder aufgebaut werden soll, obwohl sie schon zur Einweihung 1906 überdimensioniert war für die damalige jüdische Gemeinde: Wo es keine Synagogen gibt, kann man auch keine anzünden!
Dass der Weihnachtsbaum tatsächlich ein vom Christentum von den heidnischen Sonnengottverehrern gekapertes Symbol ist – Schwamm drüber! Wo es um Volksgemeinschafts-Ideologie geht, haben historische Fakten zu schweigen.
Nach genauerer Lektüre wird klar, dass Merz gar nicht vom Aufstellen und Schmücken eines Baumes spricht, sondern vom Kaufen. Um geistige Werte geht es ihm gar nicht, sondern für ihn steht die kapitalistische Geldzirkulation im Zentrum seiner Gedanken. Dann wäre es doch eigentlich angezeigt, einem Schwarzen Stein zu huldigen, einem Black Rock. (Was es mit dem Schwarzen Stein auf sich hat, ist → hier nachzulesen.)
Ach was, wozu die Umwege! Beten wir ein Bildnis des Heiligen Merz an, dann kann nichts schiefgehen, und er verschont uns mit seinem Einsatzkommando.

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