Anmerkungen zur Wirklichkeit der Polizei
Die Algorithmen bestrafen Neugier ohne Verzug. Einmal bei YouTube etwas angeklickt – prompt wird einem auf der Startseite lauter Ähnliches angezeigt. So bin ich zu den Polizei-Pornos gelangt.
Ich habe die Kanäle nicht gezählt, auf denen sie angeboten werden; es sind etliche. Als Polizei-Pornos bezeichne ich die Aufzeichnungen der Body-Cams von Polizisten. Von US-amerikanischen Gesetzeshütern. Denn während hierzulande heftig darüber gestritten wird, ob es überhaupt erlaubt sein sollte, dass Polizisten im Dienst eine Kamera angeschaltet haben, die jede ihrer Amtshandlungen aufzeichnet, erlaubt das US-Recht die Veröffentlichung der Aufnahmen.
Da sind dann Straftäter aller Arten – meist freilich bei Verkehrsverstößen und beim Ladendiebstahl – unverpixelt und oft mit vollem Namen zu sehen, wie sie sich in grotesker Weise der Polizei widersetzen. Zu Boden geworfen, mit einem Taser geschockt und in Handschellen gelegt werden. Wie sie die Polizisten in absurde Dialoge zu verwickeln versuchen oder erbarmungswürdig heulen. Oder wie sie mit ihren Smartphones verwachsen scheinen, um die sie so inständig flehen wie nach ihren Müttern.
Unkenntlich gemacht werden allenfalls Opfer und Bystander sowie Minderjährige. Auf der Tonspur weg gepiept werden Schimpfwörter, allen voran das „fuck“, mit dem anscheinend jeder zweite Satz garniert wird.
Ich habe ein Jahrzehnt lang als Polizei- und Gerichtsreporter gearbeitet und bin nicht ganz unvertraut mit polizeilichen Maßnahmen in Deutschland. Weshalb ich mich regelmäßig über die vornehmlich in linken Kreisen beliebte Hetze gegen die Polizei ärgere. Wo Menschen am Werk sind, werden Fehler gemacht. Aber das „all cops are bastards“, das in besagten Kreisen gepflegt wird, unterminiert den demokratischen Rechtsstaat.
Diejenigen, von denen die Parole an Häuserwände gesprayt wird, haben meist nur eine bestimmte Erfahrung mit der Polizei: deren Einsatz bei Demonstrationen. Die Hauptaufgaben der Ordnungshüter sind andere, von denen fast nie ein Wort oder Bild es in die Medien schafft.
Zum Beispiel solche, wie sie die US-Body-Cam-Footages zeigen. Natürlich handelt es sich dabei um eine negative Auswahl. Was unproblematisch verläuft, ist langweilig. Und es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum die Aufzeichnungen aus den USA nichts über deutsche Polizeipraxis besagen. Gleichwohl sind sie denen zu empfehlen, die ihr linkes ACAB pflegen. Denn nicht zuletzt lernt man daraus, mit welcher Engelsgeduld die Polizisten mit den Idioten umgehen, von denen sie per se für rassistischen Abschaum gehalten werden.
Zum Beispiel die „sovereign citiziens“, die US-Variante der Reichsbürger, die keine staatliche Autorität anerkennen und aus einer simplen Verkehrskontrolle einen Staatsakt machen, weil ihre Autos weder über Kennzeichen verfügen noch sie selbst bereit sind, Fahrerlaubnis und Zulassung vorzuweisen. Es würde mich interessieren, wie häufig dergleichen hierzulande vorkommt. Doch da steht der heilige Datenschutz davor und eine Informationspolitik der Polizei sowie eine Inkompetenz der Presse, die in der gemeinsam erzeugten Ignoranz linken Mythen Vorschub leistet.
Erinnert man sich noch, als hierzulande linke Aktivisten meinten, US-amerikanische Verhältnisse anstandslos auf die hiesige Realität übertragen zu können? Als im Mai 2020 der Schwarze George Floyd starb und so getan wurde, als seien Tötungen durch Polizisten in Deutschland an der Tagesordnung? Eben gerade lese im Kampfblatt der untergehenden Linkspartei, dem → Neuen Deutschland, einen Artikel über einen „Höchststand bei Polizeitoten“. Wobei suggeriert wird, die Maßnahmen der Polizei zur Selbstverteidigung seien ungerechtfertigt gewesen, weil die Delinquenten psychisch krank waren. Als mache ihre seelische Verfassung diese automatisch weniger gefährlich.
Tatsächlich sind es dieselben linken Kreise, die jeden Schusswaffeneinsatz von Polizisten als Mord behandeln, die gegen Body-Cams und Taser argumentieren. Versteht sich: Denn wenn die Einsätze aufgezeichnet würden und statt der tödlichen Schusswaffen nur die vergleichsweise harmlosen Elektroschocker zum Einsatz kämen wie in den USA, könnten die Linken nicht mehr so vehement gegen die Polizei an sich hetzen und sogar ihre Abschaffung fordern.
„I can’t breathe“ waren die letzten Worte von George Floyd, und in den Polizei-Pornos sind sie ad nauseam zu hören, von Schwarzen wie Weißen, die damit gegen die ihnen vermeintlich ungerechtfertigt angetane Polizeigewalt protestieren. Wenn sie den Satz laut herausschreien, demonstrieren sie freilich nur ihre eigene Blödheit. Fürs Zetern und Lamentieren haben sie stets genug Luft. Genauso wie sie nicht müde werden, „I don’t resist“ zu brüllen, während sie die Polizisten treten, die ihnen Handschellen anzulegen versuchen.
Als Presse-Bystander war ich manches Mal Zeuge, wie linke Demonstranten sich den Anordnungen der Polizei widersetzen – und in ihnen zugeneigten Organen anschließend von „Polizeigewalt“ die Rede war. Bei aller berechtigten Kritik an diesem oder jenem Vorgehen der Polizei gilt, dass ihren Aufforderungen unbedingt und anstandslos Folge zu leisten ist. Über deren Berechtigung kann nachher gerichtet werden. Und hätten die Beamten Body-Cams wäre die Beweislage deutlich einfacher.
Es sind nicht die Polizisten selbst, von denen der Widerstand gegen deren Einführung ausgeht, sondern von linken Menschenrechtlern und Datenschützern, denen eine schonungslose Aufzeichnung der Wirklichkeit vor allem die eigene Legendenbildung erschweren würde.

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