Der „Ratgeber für Notfallvorsorge“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Vor einiger Zeit wurde einmal von Politik und Medien massiv Panik verbreitet, und ich war darauf hereingefallen und legte einen Notvorrat für Essen und Trinken an, obwohl ich mir das eigentlich nicht leisten kann. Das Zeug musste ich inzwischen weg werfen. Das Wasser in den PET-Flaschen schmeckt nach Plastik, und die Haltbarkeitsdaten der Lebensmittel sind abgelaufen.

Heute haut der Staat wieder auf die Angsttrommel und steckt ein 68 starkes auf unnötig schwerem Hochglanzpapier gedrucktes Heft in meinen Briefkasten, mit dem sich Texter, Designer und Drucker eine goldene Nase verdient haben.

Dass Wasser in PET-Flaschen untauglich für die Bevorratung ist, steht da nicht drin. „Alle Lebensmittel sollten ohne Kühlung längerfristig haltbar sein“, heißt es. Was „längerfristig“ bedeuten soll, erfahre ich nicht. Früher, als noch Bunker betrieben wurden, waren die auch mit Nahrung ausgestattet. Die Bunker gibt es zum Teil noch, aber sie sind nicht mehr einsatzfähig. Weil die Lebensmittel, die darin gelagert werden, regelmäßig hätten erneuert werden müssen und das nicht geschehen ist, weil das Kosten verursacht, die der Staat gespart hat. Um das Geld lieber für Hochglanzhefte auszugeben.

In Hamburg gibt es aktuell keinen einzigen funktionsfähigen Bunker. (Lüftung und Heizung wurden selbstverständlich auch nicht mehr gewartet.) Falls Russland oder sonstwer mit Bombern angreift kann ich nur hoffen, mich zufällig in der Nähe einer von den unterirdischen U- oder S-Bahn-Stationen zu befinden, die in den 1970ern so gebaut wurden, dass sie den damals üblichen Sprengsätzen standhalten. In den Keller meines Wohnhauses werde ich gewiss nicht fliehen, denn der ist natürlich nicht entsprechend ausgebaut, und ich könnte darin umkommen, wenn ich verschüttet würde.

Ach ja: ein Kapitel über den Kriegsfall enthält das Machwerk des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nicht. Darin geht es nur um Unwetter, Feuer, Hochwasser und CBRN-Gefahrenstoffe (nein, ich habe keine Ahnung, was das ist und will es auch nicht wissen).

Zugegeben, ein Feuer könnte mich betreffen, wenn ein Nachbar seinen Weihnachtsbaum abfackelt. Aber das würde ich nicht „Katastrophe“ nennen. Welches katastrophale Unwetter mich in Gefahr bringen könnte, weiß ich nicht. Stürme werfen in meiner Nachbarschaft gelegentlich Bäume um; meine Wohnung wäre davon nicht betroffen. Und weil ich weiß, wie Ödön von Horvath umkam, laufe ich bei Sturm nicht auf der Straße herum.

Im Februar 2022 wurde ich allerdings zum Opfer. Aus Gründen, die ich nie erfuhr, war der Hauseingang wegen „Sturmschäden“ gesperrt, und ich musste das Gebäude über den Keller verlassen und betreten. Was allerdings katastrophal war, denn der Keller, den zu betreten ich bis dahin keinen Anlass hatte, ist derart labyrinthisch angelegt, dass ich mich verlief.

Hochwasser muss ich nicht fürchten. Meine Wohnung ist weit genug von jedem Fluss entfernt und befindet sich außerdem auf einer Anhöhe. Und was die CBRN-Gefahrenstoffe anbelangt: Würde sich eine Fabrik, die mit diesen arbeitet, in meiner Nähe befinden, wüsste ich, was das Kürzel bedeutet. Theoretisch könnte ein Lastwagen mit solchem Zeug auf der Magistrale direkt vor meinem Fenster verunglücken. Aber im Falle einer solchen Katastrophe könnte ich ohnehin nur weglaufen, falls ich die Gefahr rechtzeitig bemerke – und hoffen, dass die zuständigen Stellen rechtzeitig reagieren. Falls ich nicht bereits tot wäre.

Medikamente sollen vorrätig gehalten werden, empfiehlt das Amt für den Unheilsfall. Auch die haben Ablaufdaten. Sind sie verschreibungspflichtig müsste ich mir neue Rezepte besorgen, wenn sie nichts mehr taugen. Steht kein Wort darüber in dieser Hochglanzbroschüre. War nicht unlängst panikschürend davon zu lesen, dass Medikamente hierzulande knapp sind? Was würde mein Arzt dazu sagen, wenn ich Medikamente auf Vorrat will? Das Amt schweigt sich darüber aus, was die Krankenkassen dazu sagen.

Notvorräte sind nicht umsonst. Kein einziges Wort dazu in diesem Machwerk. Zum Beispiel kostet die Anschaffung eines batteriebetriebenen Radios oder eines Kurbelradios, für das ich sonst keine Verwendung habe, Geld. Und auch Batterien, die ich sonst nicht brauche, lägen nur herum und würden irgendwann unbrauchbar. Statt eine Hochglanzbroschüre anzufertigen hätte der Staat das Geld vielleicht für Zuschüsse an die aufgewandt, die sich keine Notvorräte leisten können, weil sie nicht das Gehalt von Ministeriumsbeamten beziehen.

Ich habe noch in dem Machwerk geblättert und mehr Humbug gefunden. Zum Beispiel Seite 47: „Installieren Sie Rauchmelder“. Das hat die Verwaltung der Wohnung, in der ich hause, natürlich längst getan. Eine Pflicht für Rauchmelder besteht in Hamburg seit 2011, bundesweit seit 2024. Was soll also diese „Empfehlung“ im Zusammenhang mit dem Katastrophenfall? Zeilenschinden, damit die Broschüre auch schon dick wird und gewichtig anmutet?

Weiter auf der Seite heißt es: „Lassen Sie offenes Licht, wie Kerzen oder Feuer, nie unbeaufsichtigt.“ Das entspricht den Ratschlägen, die die hochbezahlten Ministeriumsbeamten mit und ohne innen unlängst für die ausgebliebene Hitzekatastrophe dieses Sommers ausgegeben haben: Meiden Sie die Sonne und trinken Sie viel. Der Bürger als Kleinkind, das nicht bis drei zählen kann. So hätte die Politik ihre Wähler gern, und so sieht sie sie anscheinend.

Und was tun die, wenn es brennt? „Unternehmen Sie nur dann Löschversuche, wenn keine Gefahr für Sie besteht!“ Danke sehr. Darauf wäre ich von allein nicht gekommen.

Wie sich Anfang Januar 2026 in Berlin zeigt, ist nicht das Problem, wie sich die einzelnen Bürger auf den Katastrophenfall vorbereiten, sondern dass die Behörden nicht auf ihn vorbereitet und mit seiner Bewältigung überfordert sind. Über Tage fällt in einem großen Teil der Hauptstadt nach einem Brandanschlag der Strom aus – und die politische Klasse und weite Teile der Medien kümmern sich vor allem darum, die Verursacher zu verschweigen oder zu verharmlosen. Wie sich herausstellt, wissen die Sicherheitsbehörden seit 14 Jahren nicht, mit wem sie es zu tun haben. Als sicher aber kann gelten, dass falls Täter gefasst werden, sie mit Solidaritätsbekundungen von der linksgrün-woken Kamarilla rechnen können, deren Parolen denen der Terroristen ähneln.