Phishing, Smishing und sonstige Betrügereien
Ich habe es nicht mit dem Telefonieren. Nicht mehr. Das Telefon war über viele Jahre als Journalist mein Arbeitsgerät. Schon damals habe ich leibhaftige Gespräche bei weitem vorgezogen, denn am Telefon wird gern und viel getäuscht und gelogen.
Wer mich anonym oder mit einer Nummer anruft, die nicht in meiner Kontaktliste gespeichert ist, darf nicht erwarten, dass ich das Gespräch annehme. Der Trick, das „Ja?“, mit dem ich mich melden könnte, zu speichern und als Zustimmung zu irgendeinem Vertrag zu benutzen, funktioniert bei mir nicht.
Freilich werde ich häufig von Nummern mit Karlsruher Vorwahl angerufen. Die meisten habe ich blockiert, so dass mich immerhin der Klingelton nicht nervt. Aber die Kriminellen hören einfach nicht auf und haben offenbar einen unerschöpflichen Vorrat an Nummern. Dem Internet entnehme ich, dass sie sich als Kundenberater meines Telefonanbieters ausgeben. Soll heißen, die probieren einfach alle Ziffernfolgen mit der entsprechenden Vorwahl aus.
Das wird also weitergehen, bis ich mir eine neue Nummer zulege. Denn dass irgendeine zuständige Behörde diesem Unfug ein Ende setzt, ist nicht zu erwarten. Wenn die Bürokraten das täten, wofür sie bestellt sind, würden sie schließlich arbeitslos. Man könnte den Ganoven die Nummern mit 0721 911 407 ff entziehen und hätte ihnen schon das Handwerk gelegt. Wäre das nicht das etwas für die so genannten investigativen Journalisten, nachzuhaken, warum das nicht geschieht?
Mein E-Mail-Account sortiert Spam recht zuverlässig aus, und meine Neugier auf unbekannte Absender geht gegen Null. Aber die Zahl der Mails im Spam-Ordner nimmt seit einiger Zeit zu. Liegt es daran, dass auch die Ganoven wetterhalber gelangweilt daheim hocken?
Nun hat mich auch die Masche erwischt, vor der seit Monaten schon gewarnt wird: eine SMS, in der ich dazu aufgefordert werde, eine Nachricht via WhatsApp zu schicken.
Unnötig zu erwähnen, dass ich diesen und andere Messenger auf dem Smartphone zwar installiert habe, sie aber so gut wie nie nutze. Außerdem sprechen die Versender der SMS-Falle mich mit „Papa“ und „Mama“ an, was ich beides nicht bin und gleichzeitig schon gar nicht sein kann. (Oder habe ich da eine neuere sexualidentitätspolitische Wendung verpasst?)
Wie verloren und einsam muss man sein, um auf eine solche SMS zu reagieren? Wie verloren und einsam sind all jene, die in „sozialen“ Netzwerken Kommentare hinterlassen oder darauf antworten? Die Blogs schreiben?
Zuletzt erreicht mich eine SMS, in der ich als „Kunde der Deutschen Bank“ angesprochen werde und eine Website aufrufen soll. Ich habe die Adresse nicht zu Recherchezwecken in den Browser eingegeben, denn allein das könnte schon die Falle sein. Vielleicht wird dort aber auch nur versucht, mir weitere Daten zu entlocken. Ins Suchfeld von google eingegeben wird zu der Adresse doch tatsächlich unter anderem die Deutsche Bundesbank angezeigt.
Ich bin kein Kunde der Deutschen Bank, und die Bank, die meine paar Kröten verwaltet, verfügt über keine Telefonnummer von mir, um mir SMS zu senden.
Zehn Jahre als Gerichtsreporter haben meine kriminalistischen Sinne geschärft. Meine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer bekommt nur, mit wem ich wirklich in Kontakt zu treten wünsche. Die Bank hat die Adresse meiner Wohnung, wenn sie denn unbedingt etwas von mir will. Das muss genügen. Jedenfalls solange es noch Briefzustellung gibt. Die soll ja eingeschränkt werden. Und wird irgendwann vielleicht ganz abgeschafft wie Telegramme und Telefonzellen. (→ Die Spur der Telefonzelle)
Das Briefporto ist ein guter Schutz gegen Gaunereien. Wahllos und willkürlich Telefonnummern anzuwählen, E-Mails und SMS zu verschicken kostet fast nichts.
Mehr Digitalisierung eröffnet ein weites Feld für krumme Touren. Ich zahle übrigens auch nie mit Karte oder bestelle im Internet, indem ich die Daten meines Personalausweises preisgebe. Wer eine Hymne auf die Digitalisierung anstimmt, ist sich der Schattenseite der Komplettverdatung nicht bewusst.

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