Bemerkungen über Vorkommnisse vor meiner Haustür
Ja, wo fahren sie denn? Wo sind sie plötzlich hin, die Radler? Die Speerspitzen der klimaschonenden Mobilität?
Sie lassen ihre Drahtesel stehen und fahren stattdessen mit dem Auto oder mit Bus und Bahn. Denn es ist Winter, und da macht der Klimaschutz so gar keinen Spaß.
Dass das von grünen Traumtänzern für Hamburg verkündete Konzept der → „Fahrradstadt“ nicht viel mehr ist als eine Propagandanummer wissen inzwischen auch die dümmsten Spatzen. Was im Frühjahr und Sommer schon mehr schlecht als recht funktioniert, geht in Herbst und Winter ganz zuschanden.
Wo eben noch ein Rad hinter dem anderen rollte wie vor meiner Haustür an Lokstedter Steindamm und Hoheluftchaussee sind die Radwege nun so gut wie leer. Kunststück: Denn sie werden weder von Laub noch von Schnee geräumt.
Wenn in den Verkehrsmeldungen der Medien von „Winterdienst“ die Rede ist, ist stets nur der Autoverkehr gemeint. Wie es Radfahrern und Fußgängern ergeht, interessiert überhaupt gar nicht. Der Schnee, von dem die Straßen für die Autos befreit werden, landet auf Rad- und Gehwegen. Und dort liegt er, bis er schmilzt.
Vor meiner Haustür ist ein Hausmeister tätig und räumt den Gehweg frei. Weil der Radweg daneben, der vor einer Weile extra breit angelegt wurde, aber nicht vom Schnee befreit wird, fahren die Radfahrer, raten Sie mal, genau: auf dem Gehweg. Und weil sich das Rechtsfahrgebot bei den Radfahrern nicht durchsetzen lässt, kommen sie von beiden Seiten und benehmen sich so, als müssten die Fußgänger vom Gehweg auf den verschneiten Radweg ausweichen, um ihnen Platz zu machen. Denn rasen tun sie natürlich nach wie vor und wissen nicht, wie Bremsen geht. Ganz wie die Autofahrer: survival of the fittest.
Aber, wie gesagt, es sind nur die ganz Harten, die im Winter überhaupt noch mit dem Rad unterwegs sind. Und wie bewegen sich die anderen? Sofern sie ihr Auto abgeschafft haben, steigen sie in Bus und Bahn. Und die sind nun proppenvoll. Denn, o Wunder, der stets grinsende Verkehrs-Obermotz von den allesbesserwissenden grünen Guhtmenschen, der unsägliche Herr Tjarks, hat in seinem „Fahrradstadt“-Traumgebilde die Natur natürlich nicht einkalkuliert.
Ob er selbst, der keine Gelegenheit auslässt, sich als Fahrradfahrer zu präsentieren, sich im Winter auch noch auf den Sattel schwingt? Oder den Senatoren-Dienstwagen nutzt? Bus und Bahn fährt er gewiss nicht. Viel zu riskant, falls ihn wer erkennt und das Bedürfnis verspürt, ihn anzurempeln.
Wer Fahrradverkehr schreit, müsste in Herbst und Winter eigentlich mehr Busse und Bahnen einsetzen. Aber dazu müsste man aus den klimapolitischen Wachträumen erwachen und sich der Wirklichkeit stellen. Das muss ein Senator selbstverständlich nicht, denn wer sollte ihn daran erinnern, dass seine Träume nur Schäume sind? Die politischen Glaubensgenossen, die allen anderen Wasser predigen, während sie Wein saufen? Oder die korrupte mediale Klasse, die vor lauter Nachgeplapper das Denken verlernt hat?
Journalisten fahren in Frühjahr und Sommer auch mal Fahrrad – und schreiben dann ein Feuilleton darüber. In Herbst und Winter sind sie im Auto unterwegs – und schweigen dazu. Dass sie Bus und Bahn meiden, zeigen sie seit Jahrzehnten durch ihre Berichterstattung, in denen diese allenfalls vorkommen, wenn die Lokführer streiken. Und auch dann ist nur von den Problemen bei Fern- und S-Bahn die Rede. Dass der Ausfall der Züge dort Auswirkungen auf U-Bahn und Busse hat, liegt bereits außerhalb ihrer Wahrnehmung.
Wenn von Migranten die Rede ist, wird gern von Parallelgesellschaften geschwafelt. Es gibt derer viele. Dass Politik und Medien in ganz eigenen abgeschlossenen Welten leben, wird von Politik und Medien nie thematisiert.

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