Bemerkungen über Vorkommnisse vor meiner Haustür
Wenn ich an diesem Tag Ende Juli aus dem Fenster schaue, sehe ich trüben Himmel und Regen. Das ist also der Hitzerekordsommer, den die Medien seit Wochen versprochen, ach was, den sie angedroht haben. Der bislang heißeste Tag des Jahres war zugleich der letzte heiße Tag. Wer am Klimawandel zweifelte, kann sich durch die hysterische Medienberichterstattung bestätigt fühlen. Alles nur heiße Luft.
Unterdessen dreht der Bundesgesundheitsminister unverdrossen an dem Panikrad, das ihn dank Corona in sein Amt gehoben hat. Und kündigt Pläne zum Hitzeschutz an. Ich entsinne mich, dass die vor Jahren schon einmal angekündigt worden waren. Die Pläne. Und damit hatte es sich. Die brave Journaille verkündet die Verlautbarungen, vergißt sie und tut nun so, als hätte sie noch nie davon gehört.
Als ich anno dazumal, vor über 30 Jahren, als Norddeutscher einen Sommer in Wien verbrachte, musste ich mich erst an Temperaturen um 40 Grad gewöhnen. Mein liebster Aufenthaltsort wurde der Schwarzenbergplatz, wo es einen Brunnen mit Fontäne gab. Dass Brunnen zur Kühlung betragen, hat man im Süden Europas gelernt. In Hamburg, wo die Medien heuer die Hitze beschwören und über Maßnahmen zur Abhilfe geschwafelt wird, bis es einem zu den Ohren wieder herauskommt, macht man was? Jawohl, man stellt die paar vorhandenen Brunnen ab!
Und nein, in keinem Medium der Stadt wird den Verantwortlichen deswegen in den Hintern getreten. Denn Medien, so kann man derzeit lernen, sind für nichts verantwortlich. Ich sage nur: Sebnitz. Da war anno 2000 eine Mutter zu einer Zeitungsredaktion gelaufen und hatte behauptet, ihr Sohn sei im Freibad von Dutzenden Neonazis ertränkt worden. Und die ganze verkommene Medienbagage plapperte es ungeprüft nach. (Mehr siehe → hier und → hier.)
Dito eben gerade: irgendein Hansel postet auf twitter ein verwackeltes Video – und inkompetente Polizisten und verantwortungslose Medienidioten verbreiten Panik. Bis sich schließlich jemand, der noch bei Verstand ist, das Gepixel genauer anschaut und feststellt, die Löwin ist ein Wildschwein. Keiner der Verantwortlichen übernimmt Verantwortung und hält, wenigstens für eine Weile, die Schnauze. Keiner der Fake-News-Verbreiter von Sebnitz ist seinerzeit entlassen worden. Vermutlich haben sie sogar Karriere gemacht. Denn Panik sells.
In Eimsbüttel, das ist der Bezirk, in dem ich wohne, sollen nun Sonnencreme-Spender aufgestellt werden. Haben die Verantwortlichen mal aus dem Fenster geschaut? Es regnet, verdammt noch mal!
■
„Schauer, Wind, 17 Grad – der Hamburger Sommer macht derzeit Ferien“, lese ich in der Zeitung. Na, geht doch! Falsch gedacht. Die Panik kennt keine Pause. „In Hamburg könnte in 20 Jahren ein Klima wie in Südfrankreich herrschen.“ Früher berichteten Zeitungen, was aktuell geschah; heute betreiben sie Wahrsagerei.
■
Nachdem der Sommer verregnet ist und die Hitzetoten ausgeblieben sind, wird ein „Kälterückfall“ beschworen. „Manche Forscher befürchten ein Versiegen der nordatlantischen Zirkulation“, warnt der Tagesspiegel am 6. August.
Merke: Für jeden Scheiß, den die Medien auf die Titelseite setzen wollen, gibt es irgendwen mit Doktortitel, der sich dazu zitieren lässt. Ob Hitzewelle oder Kälteschock – die Presse ist eben nur der Bote. Den man manchmal vielleicht doch erschießen sollte.

Hinterlasse einen Kommentar