Bemerkungen über Vorkommnisse vor meiner Haustür
Hamburg ist ein gefährliches Pflaster. Ja, ich meine auch die unzähligen schlecht gepflegten Gehwege, auf denen sich im Dunkeln zu bewegen nicht ratsam ist. Oder die Radwege, die zu benutzen lebensgefährlich sein kann. Oder die Ampeln, an denen Radfahrern nach dem Willen der grünen Traumtänzer bald erlaubt sein soll, was sie ohnehin längst tun, nämlich abzubiegen, wenn die Fußgänger bei Grün die Straße überqueren dürfen.
Ich sorge mich nicht darum, Opfer eines Messerstechers zu werden. Nach zehn Jahren als Gerichtsreporter und ausgedehnten Studien historischer Kriminalität weiß ich sehr gut, dass die größte Gefahr für Leib und Leben nicht vom unbekannten Fremden ausgeht, der aus einer finsteren Ecke springt, sondern von jemandem im engsten Umfeld. Ich habe keinen Umgang mit Leuten, die Messer bei sich tragen, und fange zur Sicherheit keinen Streit in einer Küche an, wo die zu Hauf bereit liegen.
Am heutigen 19. August 2023 bin ich mit Glück dem Unheil entgangen, von dem seit längerem bekannt ist, dass es zunimmt. In der Waitzstraße sind gerade 150.000 Euro für Poller ausgegeben worden, um den Rest der Menschheit vor denen zu schützen, die nicht in Würde zu altern verstehen. Die sich, obwohl sie schwerfällig und tüttelig geworden sind und kaum noch geradeaus sehen können, dennoch hinter das Steuer ihres Autos setzen, das natürlich nie groß und schwer genug sein kann und einem Panzer ähneln muss. Und dann verwechseln sie das Gaspedal mit der Bremse oder vertun sich beim Hebel der Automatik – und rasen in ein Haus.
Allein in der Waitzstraße wurden 25 solcher Unfälle gezählt. Alle Tage wird davon berichtet, dass ein Greis in ein Haus oder den Gehsteig brettert. Mit den Folgen eines Falls, der nicht glimpflich ausging, hatte ich als Beobachter im Gericht zu tun: Im Juli 2015 war ein Auto in eine Eisdiele in Bremervörde gekracht. (→ Der „Gaffer-Prozess“) Und heute also hätte es mich erwischen können: Ein 80-Jähriger raste beim Einparken in einen Supermarkt an der Hoheluftchaussee und verwüstete die Stelle, an der ich später am Tag gestanden hätte, um mich mit Tabak zu versorgen.
Es ist keine Altersdiskriminierung, von den Alten zu erwarten, dass sie sich ihrem Alter entsprechend verhalten. Sage ich als alter Mann. Ich fahre nicht mehr mit dem Fahrrad, weil es mich überfordert. (→ Lokstedter Steindamm 2) Und ich finde es nur recht und billig, die Fahrtauglichkeit von tatterigen Automobilisten zu prüfen.
Dass jeder ab 18 eine Fahrerlaubnis erhält und dann bis 25 zu den Spitzen der Unfallstatistik beiträgt, ist kein Naturgesetz, sondern offenbar gesellschaftlich gewollt. Wenn es gesellschaftlich gewollt ist, dass Greise, die kaum mehr laufen können, sich solange hinters Steuer setzen können, bis dabei sterben – sollte man es laut sagen. Dann fordere ich Poller überall dort, wo das Verwechseln von Gas und Bremse gefährlich werden kann.
Der Innensenator geht derzeit mit Polizisten auf Streife im Hauptbahnhof, um Law and order zu demonstrieren. Die Gefahr, dass mir im Hauptbahnhof etwas zustößt, ist erheblich geringer als an einer x-beliebigen Straße, auf der tausende Greise mit ihrem gepanzerten Fahrzeugen unterwegs sind. Statt eines Waffenverbots am Hauptbahnhof wäre ein Fahrverbot für Greise verantwortungsvoller. Aber „innere Sicherheit“ wird eben nur immer als Schutz vor Minderheiten verstanden, vor Alkoholkranken, die ausrasten, und den anderen Ausgestoßenen, die am Hauptbahnhof ihre Zuflucht finden. Die hauptsächlichen Gefährder sind Nachbarn, die sich von Lärm gestört fühlen, oder eben die Greise, die einfach nur Auto fahren.
Und ich begebe mich nun aus purem Trotz zum Hauptbahnhof, um Tabak zu kaufen, weil meine übliche Einkaufsstelle zerstört wurde.

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