Warum ich am „Kampf gegen Rechts“ nicht teilnehme
Gestern war der so genannte Holocaust-Gedenktag, und jene, die sich durch ZDF-Dokumentationen bestens über Geschichte orientiert fühlen, wurden mit den altbekannten Sprechblasen eingedeckt. Weil der „Kampf gegen Rechts“ aktuell angesagt ist, haben vielleicht sogar einige hingehört, denen die Befreiung des KZ Auschwitz noch im letzten Jahr herzlich egal war.
Heute wird in Hamburg wieder „gegen Rechts“ demonstriert. Ohne mich. Ich habe – wovon dieser Blog reichlich Zeugnis ablegt – den Neonazismus nie für eine Petitesse gehalten und bin der Gefährlichkeit der AfD für die demokratische Verfassung nicht erst gewahr geworden, als der politisch-mediale Komplex massiv dazu aufrief, die Partei zu ächten. Das trennt mich von denen, die bereits am 19. Januar 2024 dem Ersten Bürgermeister von Hamburg nachliefen, weil dieser den „Kampf gegen Rechts“ für sich entdeckte. Das trennt mich von denen, die heute Luisa Neubauer folgen werden, die weiterhin Greta Thunberg folgt, die sich als Antisemitin entlarvt hat.
Früher wurde für Demonstranten eine Kontaktschuld geltend gemacht: Wer an einer Demo teilnahm, bei der auch „gewaltbereite Chaoten“ mitliefen, sollte für deren Taten haftbar sein. Heute ist das anders: Wenn auf Demos „gegen Rechts“ Antisemiten mit Palästina-Flaggen und SPD-Funktionäre, die Bürgergeld-Bezieher verhetzen, dabei sind, kümmert das die „bürgerliche Mitte“ nicht, die sich massenhaft selbstgerecht ihrer Anständigkeit vergewissert.
Diese „bürgerliche Mitte“ hat mich seit 40 Jahren ausgegrenzt, sobald ich auf die Gefährlichkeit des Neonazismus hinwies. Davon wollte sie so ausdrücklich nichts hören, dass sie mich darob zum „Linksextremisten“ erklärte. Ich marschiere nicht gemeinsam mit den → „Oma gegen Rechts“, einer Organisation von Leuten meines Alters, die sich bis 2017 nicht engagierten, weil sie Besseres zu tun hatten und ein Engagement mit Widrigkeiten verbunden gewesen wäre, die sie scheuten – wie zum Beispiel als linksextrem zu gelten. Ich demonstriere nicht mit Leuten, deren „Antifaschismus“ ein Lippenbekenntnis ist, das gerade solange vorhält wie es vom politisch-medialen Komplex gefördert und gebilligt wird. Ich marschiere nicht mit Vertretern einer Regierung, die den „Kampf gegen Rechts“ nutzt, → um vom eigenen Versagen abzulenken. Mit solchen Leuten kann die Demokratie nicht gegen Neonazis geschützt werden. Die werden einknicken, sobald es ernst wird.
Einige von den Zehntausenden, die heute auf die Straße gehen, mögen es ernst meinen. Einige waren bisher zu jung, um es ernst gemeint haben zu können. Aber bei jedem über 40, dem ich heute begegnen könnte, würde ich mich fragen, warum er oder sie erst jetzt seinen leibhaftigen Einsatz zu nötig hält. Wo waren sie bei den Demonstrationen, die es längst gab? Haben sie die „Antifa“, für die sie sich heute selbst halten, verteidigt, als diese vom politisch-medialen Komplex für böse erklärt und mit Polizeiknüppeln verfolgt wurde?
So viel in diesen Wochen von der „Verteidigung der Demokratie“ die Rede ist, höre und lese ich kein einziges Wort der Selbstkritik derer, die bis dato die Demonstranten gegen rechtsextreme Umtriebe geschmäht oder missachtet haben. Tatsächlich hat der politisch-mediale Komplex den Widerstand gegen Neonazismus bis gestern noch als seinerseits demokratiegefährdend dargestellt. (In meiner Aufarbeitung → Braune Bande finden sich dafür Belege.)
Wieso müssen die Bürger massenhaft auf die Straße gehen und sich dort Reden von Politikern anhören, die dazu aufrufen, sich der AfD entgegen zu stellen, während diese selbst seit Jahren mit AfD-Abgeordneten in den Parlamenten sitzen und sie dort nicht gestellt haben? Wieso soll ich auf die Straße gehen und irgendetwas gegen die AfD rufen, während ihre Funktionäre in Talk-Shows ihre Ansichten verbreiten können? Talk-Show-Auftritte haben die Partei groß gemacht. Dann waren sie eine Zeitlang vom Bildschirm verschwunden. Jetzt werden sie wieder eingeladen. Weil ja „Kampf gegen Rechts“ angesagt ist.
Nein, ich mache bei diesen Verlogenheiten nicht mit. Und wer glaubt, dass es den Initiatoren der Demonstrationen tatsächlich um den „Kampf gegen Rechts“ geht, wird von ihnen zu Recht betrogen.


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