Neonazis in Niederdeutschland

Die schärfte Waffe der Neonazis ist die Ignoranz der anderen. Die Braune Bewegung wird verharmlost und verschleiert, verleugnet oder verschwiegen. Die beliebteste Legende erklärt sie zum ostdeutschen Phänomen und redet ihre westdeutschen Wurzeln klein. Schon gar nicht werden Neonazis mit ihren Familienbanden verknüpft. Das Testament der Nazis wird von ihnen zwar vollstreckt, Erben aber sind alle Deutschen.

Die Stellen, an denen sich Neonazismus und die NS-Gedenkkultur hakenkreuzen, sind nicht schwer zu entdecken – dennoch werden sie stets getrennt betrachtet: in der Literatur über den Umgang mit der NS-Geschichte steht nichts von Neonazis, und wo diese vorkommen, geraten Kultur und Geschichte ihrer Nachbarschaft nie in den Blick. Ich versuche, diese Lücke zu schließen. Am Beispiel einer neonazistischen Kernregion untersuche ich die Beziehungen der Neonazis zu der sie umgebenden Gesellschaft und widme mich den Aspekten, die gemeinhin übergangen werden.

Braune Bande spiegelt die Geschichte des Nationalsozialismus seit 1945 in der Facette einer Region, die eine ungebrochene Tradition aufweist. Die Beschränkung des Blicks auf den Raum um einige der ältesten Knotenpunkte ermöglicht es, Verzweigungen des Netzwerks durch die Zeit zu verfolgen, die einer großflächigen Betrachtung entgehen würden.

Hamburg und der Norden Niedersachsens waren seit je Brennpunkte der Braunen Bewegung, lange bevor sie im Osten in die Breite ging. In den niederdeutschen Landen bildeten sich bis heute einflussreiche Banden und bundesweit tätige Anführer wohnen und wirken hier, wo das Ahnenerbe fruchtbaren Boden hat. Von hier aus wurde die ehemalige DDR für den zeitgenössischen Nationalsozialismus erschlossen.

Ausgangspunkt der Darstellung sind eineinhalb Jahrzehnte Erfahrung im persönlichen Umgang mit Neonazis an den materiellen wie virtuellen Orten, an denen sie sich aufhalten. Erstmals habe ich eine Sichtung der Medienberichte über Neonazismus in Niederdeutschland seit den 1960ern vorgenommen. Insoweit ist Braune Bande auch eine Chronik der Vorkommnisse, von denen viele nie oder nur in Bruchstücken und verzerrt aufgezeichnet wurden.

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