Die sechsundzwanzigste Erzählung aus der Vetalapancavimschatika

Vetala im Kreuz (Bild: urian)

C. T. Harris steigt auf den Baum, an dem der Leichnam hängt, und schneidet ihn ab. Das Haar gesträubt auf einem fleischlosen Schädel, fleischlos schon die Knochen, stattdessen gesprenkelt mit farbigen Gravierungen, Todestatoos, gleicht der Kadaver einer blauschwarzen Gewitterwolke und fällt mit fürchterlicher Langsamkeit zu Boden.

»Wenn man einem Übel ins Gesicht sieht«, redet Harris sich ein, »hört es auf, ein Übel zu sein.« Als er vom Baum herunter ist, hängt der Leichnam längst wieder.

Beim nächsten Mal wirft sich Harris den Toten über die Schulter und klettert mit ihm hinab.

Auf dem vorgeschriebenen Weg flüstert ihm der Vetala, der im Körper des Toten wohnt, ins Ohr: »Der Kluge vertreibt sich die Zeit mit Dichtkunst; dem Törichten verstreicht sie mit Unglück, mit Schlaf oder Streit. Wo wäre Schönheit ohne Abfall, fade wie eine Nacht ohne Mond? Höre!«

Surrealistische Lokomotive

Den Totendämon auf dem Rücken überquere ich den Leichenplatz und schleppe meine widerlich flüsternde Last mit ihrer ekelhaften Geschichte vorbei an Bergen bleicher Knochen, gehirnbeschmiert und blutbefleckt, über den mit Schädeln, des Totengottes Trinkschalen, übersäten Sumpf aus Eingeweiden, an dem angekettete Geier zerren, über den Rauchwolken finster wallen, zwischen den zuckenden Flammen der Scheiterhaufen hindurch, und bin froh, Vetalas Stimme nicht hören zu müssen, wenn das Gebrüll der Dämonen sie übertönt. Der Platz erbebt vom Tanz der Plejaden, vom Stampfen des Cthulhu fhtagn, Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’yleh wgah’nagl fhtagn, Cthulhu fhtagn, hallt vom Fußringgeklingel der wandernden Hexen. Scharenweise wird die Heimstätte allen Schmerzes heimgesucht von Gespenstern, Dämonen und Geistern, den Mund voll Menschenfleisch und durch Rauschtrank beschwingten Geistes.

Ernst Machs Kotzapparat (Bild: urian)

An den Elbbrücken stehen wir im Stau. Ich muss dringend pinkeln. Mir ist das Ganze zutiefst zuwider, und ich würde tausend andere Dinge lieber tun. Bei der ersten Gelegenheit, auf der Veddel, halten wir an einer Tankstelle.

Über den Stinksteinen in den Becken stehen weiße Plastiktörchen, vor denen winzige grüne Bällchen an Fäden hängen: »Volltreffer – und er verfärbt sich!« Ich bin fertig, als unvermeidlich mich wer anspricht.

Im Spiegel über dem Waschbecken hinter meinem Rücken sehe ich ihn grinsen. Mitte zwanzig, Markensportschuhe, orientalisch weite Hosen, eine Jackenwölbung, unter der sich Waffen aller Art verbergen mögen, darüber ein Mützenkrönchen mit Inschriften, die möglicherweise ein Rangabzeichen bedeuten, das ich nicht kenne; er rasiert sich noch nicht lange, aber er hat schon Menschen sterben sehen, verrecken in Lachen eigenen Bluts, und dabei ein Behagen empfunden, einen Schauer aus Angst und Macht, aus Angst vor dem Blick von der Höhe der Macht, zu dem er sich ohne sonderliche Anstrengung erheben kann mit einem Messer bloß.

Mein Vetala spricht mir durch den Spiegel ins Gesicht: »Schönheit, Kraft und Wissen erwartete die Tochter des Bürgermeisters von ihrem Zukünftigen. Sie hatte eine Bildergalerie aller Kandidaten durchgesehen und war von dem Film nicht überzeugt. Das hatte sie alles schon mal im Televisor gesehen. Ihr Wort von den drei Tugenden wurde in der Stadt verbreitet, und eines Abends lud der Vater vier Bewerber in sein Stadthaus neben dem Rathaus. Sie stellten sich brav vor. Der Erste sagte, er gebe von dem Reichtum, den er täglich erwerbe, jedem das Seine: ein Teil für den Götzendiener, ein Teil für den Götzen selbst, ein drittes ganz allein für ihn, ein viertes für seine Frau; den fünften Teil verkaufe er und setze es in Essen, Spiele und Betel um; ansonsten sei er im Kampf der Erste und schön sowieso. Der Zweite sagte, er verstehe die Sprache jedes Lebewesens, sei der Kräftigste und schön sowieso. Der Dritte nannte sich Wissenschaftler, den Stärksten und Schönsten. Der Vierte schließlich gab an, nachdem er über den Kampfplatz gezogen sei, sei dieser ein Leichenfeld, er sei wissender als alle, und seine Schönheit sehe die Bürgermeisterstochter selbst.«

Ich wasche mir die Hände, als habe ich nichts gehört.

»Ey, man, wen soll sie nehmen?«

Aus den Augenwinkeln sehe ich Vetala die Gestalt wechseln, aber ich kann den Blick nicht schnell genug konzentrieren, um zu erkennen, welche Form er aus boshaftem Vergnügen annimmt, um sie fast im selben Moment verlöschen zu lassen, als sei er eine Flamme, die an und aus geht.

»Die Bürgermeisterstochter stand da neben ihrem Vater und wurde rot«, redet er auf mich ein. Ich streife seinen Blick im Spiegel kurz. Nur im Spiegel sind seine Augen auszuhalten. Puppenaugen, die kalt aus dem Fantomfleisch starren. Glasmacheraugen, die in kleinen Vertiefungen eines unsichtbaren braunen Holztabletts aufgereiht sind, aus denen er jeweils einen neuen Satz in einer nur ansatzweise erkennbaren Bewegung auswählt.

Sie sind dasjenige an ihm, das zuerst und für immer verfallen ist, und die er gleichwohl ständig braucht, um unter seinen wandelbaren Verkleidungen halbwegs als Mensch bestehen zu können. Schon im Spiegel ist diese hauchfeine Differenz erkennbar, die das handgemachte Ding von dem Gespenst unterscheidet, das sich darum gruppiert, welche Vortäuschung es auch im Speziellen vornimmt.

»Die Bürgermeisterstochter steht da und wartet auf deine Entscheidung. Hörst du den sound, den die bones dazu machen am Rathaus von Kackstadt? Da geht dir die Uzi ab, man.« Er verwandelt sich jetzt wirklich und langsam in die Witwe.

Ich kann dem Klo nicht entkommen, weil Vetala mich an das Waschbecken genagelt hat, so wie er am Baum hängen musste, bevor ich ihn abschnitt und über der Schulter fort trug. Ich bin ihm eine Antwort schuldig. »Den Vierten«, sage ich. »Sie soll den Vierten nehmen.«

»Ah, bullshit, man!« In Gestalt der Witwe springt Vetala hinter meinem Rücken wie ein Gummiball. Bevor er oder sie an die Decke des Aborts prallt, zerhackt es das Gebilde in Pixel.

Ich spüre kurz den Druck von Schultern und Hüfte, von den Füßen und der Schädeldecke weichen und probiere, ob ich mich schon vom Waschbecken lösen kann, während ich ein Knistern und Knattern, ein Brutzeln und Schmirgeln höre, das sich zu einem Chor ausweitet, der etwas wie einen Kanon anzustimmen scheint, und ich im Spiegel einen Moment lang einen anderen Raum zu erkennen meine, eine Wölbung im Klo mit der Reihe von Pissoirs mit winzigen weißen Fußballtoren, vor dem zerrissenen Bild von Vetala, wie hinter Glas, ein Raum wie eine Spiegelung in der Ecke eines Monitors, der eine Anzahl Gestalten in weißen Kitteln zeigt, die gebannt auf die andere Ecke des Bildschirms zu schauen scheinen, als Vetala mit einer gerade so langsamen Geste, das ich sie sehen kann, die sonst blitzschnell und unsichtbar erfolgt wäre, als habe er das Gewitter, die Störung noch nicht überwunden, sich ein neues Paar Puppenaugen aus seinem unerschöpflichen Vorrat einsetzt und stramm und stumm als fünfundzwanzigjähriger Gangster-Lehrling dasteht, während ich weiter ans Waschbecken genagelt bin und angewiesen auf Blicke durch den Spiegel.

»Warum der Vierte?«, fragt er. »Der Erste hat Kohle und weiß sein Leben zu genießen! Der Zweite ist ein Tunichtgut, der immer auf die Füße fällt, und der Dritte hat den Verstand, sich aus jeder Scheiße rauszumogeln. Was soll sie mit dem Krieger?«

»In diesen Zeiten braucht die Tochter des Bürgermeisters einen, der über Leichen geht«, antworte ich.

Im Umsehen bin ich vom Waschbecken frei und stattdessen auf den Leichenplatz verschlagen, überwölbt von der düsteren Kathedrale der Kadaver, gefolterte Herzen unter dem bebenden Boden, der mit der Asche der Verbrannten bestreut ist, vor und über mir der Baum, an dem Vetala mit leeren Augen hängt.

Ich erklimme den Baum mit eiserner Gewohnheit, hänge ihn wieder ab und schultere ihn, trage seine widerlich flüsternde Last mit ihrer ekelhaften Geschichte vorbei an Bergen mit Blut und Hirn beschmierter, durch den Nebel verbrennender Gebeine, an einem mit Splittern zermalmter Knochen gepflasterten Feld, über einen Fluss, der träge wie Teer einen Gebirgspass durchquert, in dem aufgedunsene Leichen treiben, Schädel und Fleischfetzen. Das Gebrüll der Dämonen bricht im Klo unvermittelt ab.

Ich trete vorsichtig vor die Tür. Die Tankstelle ist unverändert: Eine Menge Menschen, zu viel für eine gewöhnliche Tankstelle zu dieser Tageszeit. Gehabe und Gebärden weisen auf eine Versammlung hin. Ich werde eingehend von diversen Augenpaaren gemustert. Aus dem Konzertsaal eines Automobils weht eine Musik über die Tankstelle, die ich erkenne: Conte de l’incroyable amour von Anouar Brahem. »Sie spielen unser Lied«, sage ich zu niemandem.

Ego-Shooter (Bild: urian)

Wäre Gott ein verrückter Videogame-Erfinder hätte er meinen Ego-Shooter nicht mit nervenzermürbenderen Puzzles versehen können. Er hat es sich einfach gemacht und die Architektur aus verschiebbaren Blöcken und Falltüren, aus Abgründen und Turmhöhen nach einem möglicherweise ziemlich trivialen Plan gebaut, so wie gewöhnliche Puzzlebilder selten ein sonderlich abwechslungsreiches Bild zeigen, weil sich Passionierte am Passen gleichartiger Teile abzumühen pflegen, und seine ganze Leidenschaft in die Zerstörung gesetzt, dessen Trümmer ich in meinem mobilen Tunnel mit flackerendem virtuellen Licht arrangieren soll. Das Wirklichste an der Geschichte könnte die Gartentür auf einem Foto sein, das Zeitzeugen im erregten Gespräch über ein Ereignis zeigt, das vielleicht nie stattgefunden hat.

Wir überqueren eben den Rathausmarkt, als Vetala mir auf den Rücken springt. Die Bewegungen im Bild und die Bewegungen der Bilder gleiten wie im Traum über die See. Vetala zerrt an meinem Kragen, weil ich mich weigere, mich ihm zuzuwenden. Es kümmert ihn nicht, er fängt trotzdem an und winkt mit einem herausgerissenen Stück Leben wie mit einem ranzigen Fleischfetzen.

»Ey, man«, brüllt mir eine vertraute Stimme ins Ohr. »Willkommen im Zirkus zur aufgehobenen Schwerkraft«, lacht Vetala meckernd.

»Verpiss dich«, ächze ich unter der Last.

Vetala lacht lauter und macht es sich auf mir bequem. Solange er hinter mir bleibt, muss ich wenigstens seine Puppenaugen nicht sehen. Er schwafelt von der Tochter des Bürgermeisters. Will mich nicht in Ruhe lassen mit der Entscheidung über die vier Freier, als hinge mein Leben davon ab. Er kommt mir vor wie eine Vinylplatte, die sich in einer besonders abgenutzten Rille verfangen hat und stets dasselbe Bruchstück wiederholt, immer wieder die siebte Erzählung, als gäbe es nur diese eine, nur die versiebte und nicht das ganze Spektrum.

Mauerrisszeichnung (Zeichnung: urian)

Doktor Watson vollzieht die vorgeschriebenen Riten. Er bringt die Opfergaben dar: Spiele und Betel, Räucherwerk und Kartoffelchips, und ruft Vetala in den Kreis.

Nach langer Beschwörung erschallt ein schätteriges Lachen, das zu Konzertsaalformat anschwillt. Ein ganz gewöhnliches, albernes und verlegenes Lachen, peinlich und dennoch heimtückisch und bedrohlich auch ohne die Lautstärke, mit der es den Raum überflutet, einen ehemaligen Tanzsaal im Obergeschoss der Villa mit ausladendem Balkon, in der sich das Lachen bald mit Operngewalt Bahn bricht.

Allmählich bildet sich eine Gestalt, die sich nicht wie die vorigen kleinen Geister an das auf den Boden gestrichelte Muster und den ganzen Zirkus der Hexagramme hält, sondern in einer Aufblendung, die so quälend ist wie das Lachen andauert, auf dem Sessel sitzt, auf dem Jürgen Kröger saß, ihn einfach ausgelöscht hat, und das Huf über den Fuß mit dem Markensportschuh schlägt.

Klara Kurzawa sudelt in ihr Moleskine: »Sein Ziegenkopf grinst über einer Jackenwölbung, unter der Waffen verborgen bleiben könnten, auch wenn sie aufgeschlagen ist und zwei schwere Frauenbrüste bloßlegt, zwischen denen er seinen Penis stimuliert, der aus einem Schlitz seiner Beinkleider auf und ab springt. Im Geäst des gewaltigen Geweihs auf dem Ziegenschädel hängt schief eine Baseballmütze mit den Buchstaben HH.«

Doktor Watson fällt auf die Knie und betet das Wesen an.

»Was soll dieser Stuss, man?«, brummt Vetala mit weinerlicher Bassstimme.

»Dich wollte ich hier nicht sehen, Ted«, schreit Carroll T. Harris und zieht einen Revolver.

»Du schon wieder, Kuscher!«, jammert die Ziege manieriert.

Harris schießt auf das Wesen. Seine Kugel durchdringt es nicht, weil es nichts zu schießen gibt. Die Kugel, die Harris meint abzuschießen, hat nie existiert. Vetala amüsiert sich noch ein paar Sekunden lang mit ihm. Harris wirft die Waffe in Richtung des Sessels, über die Köpfe der anderen hinweg – denkt er, aber der Revolver ist schon im Nichts verschwunden.

»Ted, du räudiger Rabauke, du Schmierenkomödiant«, zetert Harris und macht Anstalten, der Ziege an den Kragen zu gehen. Vetala lässt es ein bisschen geschehen, während seine Hände beschäftigt sind. Harris läuft gegen eine Wand und klebt an ihr wie ein Insekt, während er nach dem »Ted« ruft, der diese Maskerade zu verantworten haben soll, um ihn festzunehmen. Kurzawa und ich zerren Harris aus dem Bannkreis, nicht um ihn zu schützen sondern in vorauseilendem Gehorsam.

»Harris kippte bei Vetalas Erschienen geistig um wie ein leerer Eimer. Er glaubte, er sei auf einer spiritistischen Sitzung, bei der es etwas zu entlarven gäbe hinter Spiegeln und Rauchgaswolken«, schrieb die Journalistin in ihrem unveröffentlichten Artikel.

Rukymas zudo (Foto: urian)

Der Ted, nach dem er ständig rief, war ein Hoteldiener und Barmixer, der Polaroids mit ungesehenen Bildern belichten konnte. Ted war Harris’ schwerster Fall als Privatermittler, der ihn bis in den Ruhestand verfolgte; er verkraftete nicht, dass dieser Schwindler ihm davon gekommen war. Denn dafür hielt Harris Ted, den er letzthin jahrelang, bis zu seinem frühen Tod, belauerte, um ihn des Betrugs zu überführen.

Ted konnte angeblich nicht, wenn Kameras dabei waren, sonst hätten sie ihn damals sogar in den Televisor gebracht. Er trat in kleinen Bars und eben den Hotels auf, in denen er jobbte. Er schmierte eine Handvoll Journalisten und echte Gebildete an und ließ sich für größere Auftritte anheuern, die sämtlich schief gingen, war Harris überzeugt. Ted konnte nur einsam in einem Hotelzimmer, das ziemlich egal war, aber mit guten Kumpels und einer Flasche wenigstens, bei der richtigen Musik, ohne Störung durch die Polizei oder einen Hoteldirektor, die Polaroids belichten.

Sie machten Übungen, bei denen sie bestimmte Routen abfuhren, auf die er sich konzentrieren sollte, um ihnen Souvenirbilder von gewöhnlichen Stadtrundfahrten zu imaginieren und auf der beschichteten Fläche chemisch entstehen zu lassen durch Lichteinfall ohne Kamera, mit imaginärem Licht. Das war einfach.

Wenn er genug getrunken hatte, belichtete Ted Bilder, die keiner zuordnen konnte. Die Ansicht eines mittelalterlich anmutenden, aber doch irgendwie nicht so alten Gebäudes mit einer angrenzenden Rasen- oder Parkfläche, an der schemenhafte Gestalten vorbei gehen, eine Gruppe Menschen mutmaßlich; bei der vorwiegenden Unschärfe von Teds Bildern konnte es sich auch um den Teil einer Spielzeugeisenbahn handeln. Teds Polaroids waren vor allem Ansichten aus einem Ernstmachauge, wie die Kumpel es zu nennen pflegten, das am meisten ausgeblendeteste Bild der Welt, die Nase links oder rechts oder im Doppelbild und die Wölbung der Augenbraunen und der Wangenknochen, hinter denen die Wirklichkeit abstürzt.

Ernst-Mach-Auge (Bild: urian)

Viele von Teds Bildern waren abstrakt. Verwischte Konturen mit Andeutungen von Objekten. Rätselbilder höherer Ordnung. Einige waren Ansichtskartenbilder. In dem eigensinnigen Wachtraum, in dem Teds Bilder entstanden, erinnerte er sich an Postkarten, die er erhalten hatte, aus Venedig oder Tokio. Seinem Bewundererkreis, den Ted eine Zeitlang um sich scharte, Intellektuelle darunter, die seine Geschichte aufschrieben, gelang es, die Motive von Traum-Polaroids zuzuordnen und mit realen Schauplätzen aus anderen Städten der USA, aber auch Europas und Asiens in Verbindung zu bringen, die Ted nie besucht haben konnte, und die aus Perspektiven aufgenommen waren, die man in jenen Tagen keiner professionellen Kamera zutraute.

Die eine Fraktion unter den Deutern hielt sie für die Erinnerungen anderer Leute, mit denen der Hoteldiener in Berührung gekommen war, so imaginär wie die Lichtwellen, die seine Bilder belichteten; eine andere Gruppe hielt sie auch für hellseherisch, seit darunter der Tatort eines Mordes identifiziert worden zu sein schien, dessen Täter bis dahin noch nicht ermittelt werden konnte.

Doktor Watson beteuert mit tränenerstickter Stimme, er habe sich geirrt: Nicht dieser Vetala sei gemeint gewesen bei der Beschwörung. Aber den im Sessel interessiert das nicht: »Der Krieg ist schon vorbei.«

Doktor Watson kann vor Ehrerbietung nicht an sich halten und zeigt sie mit allen acht Gliedern. C. T. Harris hat sich losgerissen. Ich bin ein Stück Papier; Kurzawa sieht nur rustikal aus, ist aber kaum kräftiger. Den Besessenen, der die Quelle seines Unheils auslöschen will, bändigen wir nur kurz. Vetala lässt ihn wissend gewähren.

Unter dem Zierrat im Balkonsaal ist ein rostiges Gestell, das man den Besitzern als Skulptur verkauft hat, eine Drahtarbeit mit einigen größeren Metallstücken wie Schaufeln oder Flügeln, an der sich Harris zu schaffen macht und eine trapezförmige Platte abbiegt, an der ein Draht gelötet ist, der ihm als Griff dient, und schlägt damit dem liegenden Doktor Watson den Kopf ab.

Darauf bringt er Vetala den Blut triefenden Schädel als Ehrengabe dar. Das Untier im Sessel verschlingt beide, den Schädel und Harris.

»Danke für das Opfer. Sonst noch jemand?«

Schreibtisch und Bücherregale (Foto: urian)

Mai 2006

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