Kann ich diese Erfahrung mit facebook auf facebook teilen, ohne einen Tugendwächterstab und seine Löschbrigadisten (like in Iran, for example, wohlverstanden, wo es sich doch eigentlich um US-amerikanische Spielregeln handelt) auf den Plan zu rufen? Ich muss es nicht versuchen und blogge hier statt dort zu posten.

Ein Wort kommt im Folgenden vor, das markiert werden könnte. Ein Wort, das ich mit einer Unbefangenheit benutzen darf wie wenige der Männer, die mir gemeinhin über den Weg laufen. Nicht mein Verdienst, aber in diesem Zusammenhang und zur Klarstellung sei es angemerkt: ich habe nie für derartige Dienstleistungen bezahlt und – glauben Sie es oder nicht – auch nie das Verlangen verspürt.

Ich habe manche Hure auf andere Weise kennen gelernt und mit einer (einer anderen als der an anderer Stelle auf diesem Blog beschriebenen) drei Monate lang eine Wohnung geteilt, ohne eine sexuelle Beziehung zu unterhalten. Glauben Sie es oder nicht, Huren sind auch noch etwas anderes als das. Lange Pause. Absatz. Nämlich: Menschen wie andere.

Ich gebrauche das Wort als Berufsbezeichnung, wie ich sie von den Betreffenden selbst gehört habe, und rede nicht von den bevorzugten technokratischen „Prostituierten“. Von allen übrigen Schimpfnamen für diese und andere Frauen ganz zu schweigen.

Die Zahl meiner Freunde, der erhaltenen und versendeten Freundschaftsanfragen auf facebook ist überschaubar. Anders als bei manchem meiner Freunde, der gar nicht weiß, wer seine Posts sieht und liest. (Um sie dann in einem Blog hinterrücks zu kommentieren, was ich selbstverständlich nie tun würde.)

Einer regelmäßigen Art von Anfrage kann ich inzwischen sicher sein: die der sehr jungen Huren aus Harsefeld. Mindestens sieben gibt es dort, so viele haben sich mir bisher virtuell vorgestellt. Auch ohne Profilbild erkenne ich sie an ihren exotischen, meist dreigliedrigen Namen. (Dreigliedrig ist doch verständlich, oder muss ich ein Synonym suchen?)

Nach allem, was ich über das Gewerbe weiß und vermuten darf, müsste sich in Harsefeld das größte Bordell der Gegend befinden. Die „Perle der Geest“, wie sich der Marktflecken selbst bewarb – ein Lotterloch?

Freilich nicht, sondern es handelt sich um den in meinem Profil bei facebook eingetragenen Geburtsort. Zufällig stamme ich wirklich dort her. Als ich das letzte Mal nachsah, stand mein Geburtshaus noch und wartete auf die Gedenktafel.

Die Huren aus Harsefeld haben stets taufrische Profile. Ohne mich technisch beraten zu lassen, kann ich nicht wissen, wie es genau vor sich geht – ob facebook zulässt, von Maschinen angesteuert zu werden, oder ob da jemand manuell Profile erstellt, um alle Männer aus Harsefeld anzukobern.

Soll ich es nur glauben oder ist es wirklich so, dass jemand seine Pferdchen los schickt, um genau mich anzusprechen? Von Pferden ist hier nicht so die Rede, wie Sie glauben: Harsefeld bedeutet ursprünglich „Feld der Pferde“.

Habe ich diese Aufmerksamkeit überhaupt einem Programm oder einem Unbekannten zu verdanken, oder steckt dahinter einer meiner – Freunde?

Dies als Hinweis für alle, die sich einbilden oder vormachen lassen, die digitale Welt sei so sehr viel anderes als der Rest des Universums. Daran glauben vornehmlich die „digital natives“, die qua Alter gegenwärtig schlicht noch nicht viel Erfahrung in der materiellen Welt haben sammeln können. Und Huren nur vom Monitor kennen.

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