Männeralltag im digitalen Zeitalter

Die Damen haben mich bei den Eiern. Jedenfalls tun sie so.

Angebote von Huren erreichen mich über → »Freundschaftsanfragen« auf facebook und per E-Mail.

Die Mails sind im Spam-Ordner gelandet, zusammen mit den Angeboten an Immobilien, für die Altersvorsorge und bessere Zähne, und ich klicke sie ungelesen weg. Aus kulturhistorischer Neugier habe ich eine geöffnet.

»Hey Uwe! Lara aus Stade will dich treffen! Hi Unbekannter, eine Freundin von mir hat mir ein Foto von dir gezeigt und ich kann nur sagen, dass du mir sehr gut gefallen hast. Deswegen auch nun meine Mail an dich. Ich hoffe du findest es nicht gruselig. Ich weiß wie du aussiehst, wo du wohnst und du weißt Nichts von mir :D«

Und ob ich es gruselig finde, dass ein Zuhälter genug über mich weiß, um mir seine Pferdchen gezielt zuzuführen. Aber natürlich bin ich Schuld, denn die Daten habe ich selbst veröffentlicht, auf diesem Blog oder bei facebook.

Allerdings: meine E-Mail-Adresse habe ich weder hier noch dort angegeben. Die kennt nur, wem ich sie persönlich mitgeteilt habe. Wie also kommt der Zuhälter daran, und wie hat er sie mit meinen anderen Daten kombiniert?

Ich habe eine Weile auf Hamburg-St. Pauli gewohnt, wo ich täglich von Huren angekobert wurde und sie abschütteln musste – solche nämlich, die neu im Revier waren; die anderen kannten mich und wussten, dass mit mir kein Geschäft zu machen war. Die Online-Huren merken nichts, und ich kann ihnen nichts begreiflich machen.

»Ich weiß, wie du aussiehst, wo du wohnst« – das liest sich wie eine Drohung: »Du kannst mir nicht entkommen.« Offenbar nicht.

Apropos: Viagra-Werbung, mit der ich einstmals bombardiert wurde, bleibt aus. Das Mittel braucht keine Reklame mehr. So viel zum Stand (!) der MeToo-Debatte.

Auf facebook bin ich eben »angestupst« worden; offenbar eine neue Funktion. Raten Sie mal, von wem. »Extra für Männer«!

Advertisements