Das Bargheer Museum in Hamburg

Wie → bereits erwähnt bin ich einmal im Monat zur Reise in die Großstadt eingeladen.

Diesmal schien die Sonne, nein, sie gleißte geradezu, und so schauten wir zunächst dem Glitzern auf der Elbe zu, schipperten mit der Barkasse nach Teufelsbrück und spazierten durch den Jenischpark, bis wir im Bargheer Museum einkehrten, das sich seit einem Jahr am Rande des Landschaftsgartens im Gebäude des früheren Altonaer Gartenbauamts befindet.

In wechselnden Ausstellungen sind Werke aus dem Nachlass von Eduard Bargheer (1901–79) zu sehen, über den eine noch zu Lebzeiten vom Künstler selbst gegründete Stiftung verfügt, die auch das Museum betreibt.

Der auf der Elbinsel Finkenwerder geborene Bargheer gehörte zu den jungen Wilden im Hamburg der 1920er, die sich den fließenden Expressionismus Edvard Munchs zum Vorbild nahmen. Wenige Jahre nach seiner ersten Ausstellung galt Bargheer als »entartet«.

Der Maler setzte sich 1939 nach Italien ab, wo er als Dolmetscher in einer Kriegsmarine-Werft der Einberufung in die Wehrmacht entging. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er auf der Insel Ischia vor Neapel.

Ich kannte von Bargheer (sprich: Bargeehr) Gemälde mit hanseatischen Motiven aus der Hamburger Kunsthalle – und lernte nun ganz andere kennen. Abstraktere Bilder, konstruktivistische oder kubistische anmutende Landschaften und Ansichten einer Stadt am Mittelmeer.

Bargheer (Fotos: urian

In ihnen wird die Wirklichkeit wird nicht expressionistisch im Malgestus ergriffen, sondern Stück für Stück, Facette für Facette in ein System von Zeichen übersetzt, die zwar eine Realität repräsentieren, aber ebenso unabhängig von deren konkretem Anblick für sich selbst stehen.

Ohne mein Vorwissen hätte ich manches Motiv vielleicht nicht erkannt, hätte die Repräsentation verkannt und nur die Muster aus Linien und Farben gesehen.

Bargheer (Fotos: urian

Der Eintritt in das ehrenamtliche geführte Haus kostet sechs Euro. Das ist nicht nur zwei Euro weniger, als man etwa im städtischen betriebenen Kunsthaus vor meiner Haustür bezahlt, es ist auch preiswerter, insofern im Bargheer Museum eine Kunst gezeigt wird, die nicht affektiert ist und das Publikum anblödelt wie zuletzt in Stade (), sondern aus wirklichen Ansichten der Welt hervorgegangen ist und niemandem zu Gefallen sein will.

Es schien noch immer die Sonne auf den Jenischpark, als wir das Haus verließen, aber der Abstand hätte größer sein können. Wir hatten in den hellen Räumen auf den lichten Bildern die Sonne nur in anderer Form strahlen sehen.

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