Bei Bränden in der Innenstadt von Stade schlagen die Medien Purzelbäume

Wann hat das angefangen? Dass bei jedem Feuer in der »historischen Altstadt« von Stade Weltuntergangsbilder ausgemalt werden? Jedenfalls erinnere ich, dass es nicht immer so war.

Am Morgen des neuen niedersächsischen Feiertags, dem 31. Oktober 2018, brannte es wieder einmal im Gassengewirr zwischen Bahnhof und Hafen.
Man las von »Feuersbrunst« und »Flammen-Inferno«.

Der Norddeutsche Rundfunk NDR berichtete: »Wegen der brisanten Situation in der dicht bebauten Altstadt, in der auch viele Fachwerkhäuser stehen, wurden alle Ortsfeuerwehren der Stadt alarmiert. Rund 140 Kräfte waren im Einsatz. […] Nach zwei Stunden hatten die Einsatzkräfte den Brand unter Kontrolle. Dadurch sei eine Katastrophe verhindert worden.«

Es brennt immer wieder mal in der Inneren Stadt, und freilich kann dort ein Feuer theoretisch verheerender sein als anderswo. Aber droht deshalb tatsächlich jedes Mal die »Katastrophe«, die zuletzt in der Presse beschworen wurde, als es in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai 2018 sieben Mal an verschiedenen Stellen brannte: der Große Stadtbrand vom 26. Mai 1659, dem zwei Drittel der Gebäude zum Opfer fielen? (Kirchenglocken schmolzen wie Wachs)

Schwerlich schon deshalb nicht, weil bei der »historischen« Bausubstanz die heute geltenden Brandvorschriften einzuhalten sind, und die Feuerwehr sich auf einem unvergleichbar höheren technischen und personellem Stand befindet als vor rund 360 Jahren.

Das Gespenst des Stadtbrandes ist genau das: eine Fiktion, die von den Medien aus zwielichtigen Gründen an die Wand geworfen wird. Es schmälert geradezu die Leistung der Feuerwehren, wenn immer wieder der Anschein erweckt wird, die Innenstadt sei knapp dem Desaster entkommen – obwohl sich der betreffende Brand im Rahmen des Üblichen bewegte und die Einsatzkräfte nicht an ihre Grenzen brachte.

Die Feuerwehr ist verlässlicher als die Medien weismachen. Die Katastrophenszenarien erzeugen aus eigennützigen Motiven Angst, für die kein Anlass besteht. Horror steigert Auflage und Klicks: das ist der ganze Sachgehalt von »Feuersbrunst« und »Flammen-Inferno«. Begegnet ihnen echtes Unheil, werden solchen »Berichterstattern« die Worte fehlen.

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