Eine überflüssige Tageszeitung aus Stade

Stellen Sie sich vor, Sie lebten in Stade und wären an mehr als an Gerüchten aus der Nachbarschaft interessiert. Sie könnten also eine Zeitung käuflich erwerben. Nur eine, denn eine andere gibt es nicht.

Bevor Sie das Geld ausgeben, wählen Sie die Online-Ausgabe des Stader Tageblatt an und lesen unter der Überschrift »Nachrichten aus Stade, Buxtehude und der Region« am 22. November 2018 Folgendes:

»HANDBALL Beckdorfs Trainer hat den schlechten Start nicht erwartet

HAMBURG Smiley zeigt aktuelle Stimmungslage in der Hafencity

BUXTEHUDE Von der Sparkasse zur Tagespflege

FREDENBECK Mehr als drei Millionen Euro für die Feuerwehr

SV DROCHTERSEN ASSEL D/A empfängt am Freitag die Zweite von Hannover 96

GUSTAV PETER WÖHLER Sympathischer Künstler mit angeschlagener Stimme

HAMBURG NDR-Hochhaus komplett geschlossen

BUXTEHUDE Politik beerdigt die Westumgehung

BUXTEHUDE Letzte Arbeiten am Ottensener Weg

HANDBALL Fredenbeck-Trainer Florian Marotzke: Aufstieg erscheint utopisch

FUSSBALL Harald Zerwas wird neuer O/O-Trainer

HAMBURG Neuer Stadtteil entsteht westlich von Bergedorf

BLAULICHT Düdenbüttel: Fahrzeuge vom Gelände gestohlen

HAMBURG Hamburger Weihnachtsmärkte öffnen kurz vor erstem Advent

FUSSBALL HSV steht vor nächstem Rekordminus – Aufstieg würde Probleme abfedern«.

Macht insgesamt 15 Ankündigungen für Berichte. Fünf betreffen Sport, fünf handeln von Hamburg, drei von Buxtehude. Nur in einem Bericht geht es um Politik, das übrige sind »bunte Geschichten«, die man heute oder morgen in die Welt setzen oder auslassen kann. Nichts aus Stade. Weil keine Pressemitteilung aus dem Rathaus zum Abschreiben vorlag?

Das Internet hat die Zeitungsbranche in eine Existenzkrise gestürzt. Ratschläge gehen dahin, den »Lokaljournalismus« zu stärken. Falls es Leute gibt, die nicht nur an Gerüchten aus der Nachbarschaft interessiert und dafür zu bezahlen bereit sind.

Das Stader Tageblatt geht den entgegengesetzten Weg, gibt sich metropolisch und beliefert die Leserschaft mit dem, was auch anderswo aus Hamburg zu erfahren ist. Über das Geschehen vor der Haustür liefert sie lauter Eiapopeia, das der Redaktion angedient worden ist.

Recherchiert haben die bezahlten Journalisten nichts. Warum also sollten sie dafür entlohnt werden? Das Stader Tageblatt zeigt keine Krise der Zeitung an, sondern verkörpert ihren Untergang.

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