Ein historisches Fundstück auf YouTube

Im Film werden wirkliche Menschen gezeigt, und sie agieren an realen Schauplätzen. So lassen sich die Drehbuch-Einbildungen leicht mit der Realität verwechseln.

Ach so, gilt ja nicht mehr. CGI vermischt Realität und Fiktion auf eine Weise, die das ordinäre Auge immer vollständiger zu täuschen vermag. Die Wirklichkeit sieht im Spiegel der Leinwand und des Monitors immer schäbiger aus.

So grau wie 1963, als in Filmen wirkliche Menschen vor realen Schauplätzen gestelzte Geschichten gemächlich vorführten, die gleichwohl von den meisten mit der Realität verwechselt wurden, solange sie liefen.

Wie der Sechsteiler von → Francis Durbridge, den ich nicht wie spätere Serien zur Erstsendung auf dem Bildschirm gesehen habe und über den ich nun bei YouTube stolpere.

Während es flimmert, bearbeite ich Bilddateien. Die längste Zeit genügt mir das Hörspiel; die meisten Szenen spielen in Innenräumen. Als ich zu einem Schauplatzwechsel am Ende des 4. Teils wieder hinschaue, kommt mir etwas bekannt vor.

Fischmarkt Stade (Foto: urian)

Der Film spielt in und um London. War ich nie, kenne ich nur aus Filmen. Die Bekanntheit des Schauplatzes, die mich unwillkürlich anspringt, ist anders, echter. Da war ich schon mal. Vorhin erst. Die Filmkamera blickt auf den Fischmarkt über Wasser West bis zum Schwedenspeicher.

Tim Frazer in Stade (screenshot)Tim Frazer in Stade (screenshot)Tim Frazer in Stade (screenshot)

Wikipedia ist zu entnehmen, dass die Produktion 1962 stattfand und die Ausstrahlung ein »Straßenfeger« war, damals, als es nur ein Fernsehprogramm gab und die Wahl zwischen Glotze oder Nicht-Glotze.

Der Schlussakt von Tim Frazer wurde im Stader Hafen gedreht. Wie der Fischmarkt ist die Silhouette mit St. Wilhadi unverändert unverkennbar wie vor 57 Jahren. Andere Einstellungen zeigen Ansichten, die nurmehr auf Zelluloid existieren.

In Stade dürfte man den London-Bluff des »Straßenfegers« durchschaut haben. Ob im Lokalanzeiger eine Glosse dazu erschien? (Online ist das nicht zu überprüfen, und ich schenke mir die Nachforschung in den Papierausgaben im Stadtarchiv.)

Als zuletzt in der Bäckerstraße für einen Spielfilm Kameras aufgebaut wurden, war der simulierte Schauplatz Amsterdam. Als Filmkulisse ist die Stadt weltläufiger als in Wirklichkeit.

Hafen Stade (Foto: urian)

Siehe auch

Das Monster spielt mit Autos
Zeitgeschichte im TV

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