Das Treppenhaus des Neuen Pferdemarkt in Stade

Für die politische Klasse im Hanselstädtchen gab es zuletzt zwei Probleme, die sich nicht mit, nennen wir es mal kreativer Pressearbeit bewältigen ließen.

Das eine, die Straßenausbausatzung in ihrer Anwendung auf Schölisch, hatten überregionale Medien serviert, die sich nicht mit den bewährten Mitteln zum Schweigen bringen ließen.

Von dem anderen Problem ist bis dato nicht klar, ob es tatsächlich eines ist, oder man auf die eigenen Projektionen hereingefallen ist: der Parkplatz für das Geschäftshaus am Neuen Pferdemarkt.

Mich geht das nichts an, weder der Autoverkehr noch die Steigerung des Konsums. Ich bin für die Welt, wie sie ist, uninteressant. Arme verbrauchen nur das Nötigste. (Ungeheuer umweltschonend auch! Sollte mehr Arme geben; oder verstehe ich da was falsch? Ein Müll-Problem, zweifelsohne.) Der Werbung oder einem Life-Style zu folgen hieße Schulden machen.

Das Schuh-Geschäft im Neuen Pferdemarkt ist lediglich von der Holzstraße umgezogen und erweitert den Verbraucher-Horizont nicht.

Den Klamottenladen, wie ich ihn unzeitgemäß nenne, habe ich im Gefolge von Bekannten besichtigt und vor allem aus dem Fenster geschaut. Als ich dieser Tage eine Hose kaufen musste, bin ich nicht dort gelandet; nicht meine Preislage.

Das gilt auch für den Supermarkt. Der erinnert mich an Schilda. Drei Lebensmittelgeschäfte in der Inneren Stadt schlossen in den vergangenen Jahrzehnten die Türen, in einem Fall zur ausdrücklichen Zufriedenheit der rathauslich Verantwortlichen, die sich Luxusgüterangebote wünschten und denen ein Discounter zu profan war. Das Neue am Neuen Pferdemarkt ist die Wiederkehr des Alten.

Das Etablissement, das mit »Bio« für sich wirbt, ist wiederum nicht meine Preisklasse, und ich schone, wie gesagt, die Umwelt mehr als alle, die glauben, es mit einem Einkauf dort zu tun.

An einem Mittwoch um 15 Uhr besichtige ich Gebäude und Gelände. Auf der Bankterrasse mit Blick auf die Fensterfassade sitzen einige Leute in der prallen Sonne.

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

Auf meinem Foto wird niemand zu erkennen sein, also muss ich mich nicht um Persönlichkeitsrechte sorgen. Ebenso nicht, als ich die Promenade ablichte. Niemand läuft ins Bild.

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

Am Ende des Ganges betrete ich ein Treppenhaus. Es sieht noch aus wie neu und ist ganz still.

 

 

Ich gehe hinauf und hinunter und würdige die Linien und Kreise des Architekten.

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

Es gibt zwei Aufzüge. Vor vielen Jahren habe ich Studien zum Aufzug betrieben, zur Geschichte und Gegenwart der vertikalen Fortbewegung. Eine Zeitlang konnte ich an keinem Aufzug vorbei, ohne ihn auszuprobieren. Bei diesen werde ich nicht rückfällig.

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

Vom Treppenhaus habe ich die Aussicht auf die Baustelle des Parkplatzes. Gestritten wurde gefühlte Jahre lang mehr oder weniger öffentlich um die Finanzierung. Das ganze Projekt schien davon abzuhängen, dass ausreichend Autostellplätze zur Verfügung stünden, um den Kundenandrang zu bewältigen.

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

Ganz oben ist eine verschlossene Tür. Ich kann mir trotz Schild nicht vorstellen, was dahinter sein könnte.

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

Ich bin lange allein im stillen Treppenhaus. Dann kommt ein Mann in Arbeitskleidung mit Eimer und hat etwas in einer anderen Etage zu beschicken. Er ist zu beschäftigt, um mich zu bemerken.

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

»Erschrecken Sie nicht«, heißt es etwas später in meinem Rücken. Ich bin ganz ruhig; die Aufzugstüren waren nicht zu überhören.

 

Die Dame mit Rollator weiß den Aufzug sehr zu schätzen, und dass es wieder ein Lebensmittelgeschäft in der Inneren Stadt gibt.

Am anderen Ende ist noch ein Fahrstuhl. Den hätte ich ohne ihren Hinweis wohl übersehen.

Neuer Pferdemarkt Stade (Foto: urian)

Nebenan wird an der Straße gebaut. Von dort stammt der Eimer in der Hand des Mannes, dem ich im Treppenhaus begegnet bin.

Auf die Sonnenbank setze ich mich nicht. Eine Rolltreppe gibt es, nach oben, wo ich schon stehe, allein herumstehe, und es vorerst nichts mehr zu sehen gibt.

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