Eine Bestandsaufnahme und Beobachtungen von wirklichen und virtuellen Verkehren

Das Folgende gehört in die Rubrik »Service« für Arme und Unbehauste wie meinesgleichen: Wo gibt es freies WLAN im Hanselstädtchen Stade?

Natürlich weder an der Breslauer noch am Drosselstieg oder auf dem Goetheplatz, sondern nur an einigen Stellen der Inneren Stadt, von denen manche wie das Wetter kommen und gehen.

An einigen Stellen – denn es ist keineswegs so, dass man in dem vergleichsweise kleinen Areal zwischen Bahnhof und Hafen immer und überall oder durchgehend Empfang hätte. (In der ausgedehnteren Innenstadt von Hamburg kann ich länger flanieren, ohne mich neu einwählen zu müssen; Technik setzt die gegebenen Grenzen offenbar nicht.)

Fotos: urian
Ansichten an WLAN-Tankstellen in Stade

Von Süden kommend erreiche ich die erste Tankstelle am Eingang der Holzstraße. Ich habe die Wahl zwischen dem Hotspot eines – wie heißt das heutigentags wirtschaftsethisch korrekt? – Telekommunikationsmarktteilnehmers für 30 Minuten oder dem WLAN eines Restaurants, das auf der Gasse empfangbar ist.

Ein paar Meter weiter nichts mehr, bis zur Ecke Breite Straße. Ab dort kann ich mich ins »Elb«-WLAN ohne Einloggen einklinken. Es strahlt über den Pferdemarkt und verebbt auf der Promenade des »Geschäftshauses Neuer Pferdemarkt«, auf der die Sonne, sobald sie scheint, brütet und außerdem niemand mit einem Smartphone Halt macht, weil das gleißende Licht das Display verblendet.

Ein Grund, weshalb bei WLAN-Zapfern derzeit Plätze im Schatten en vogue sind. Ich habe noch einen mehr: belaste ich in der Sonne mein billiges Smartie damit, dass ich meinen Blog pflege, heizt der Akku bis zur Warnstufe auf.

Die nächsten Zapfstellen sind am Fischmarkt, darunter eine, die mysteriöserweise »Bayern« heißt, und ein »nordheide freifunk«.

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Weiß: freies WLAN in Stade

Nach einer Unterbrechung schließt am Ausgang von Wasser West und Ost an der Hansestraße das WLAN der Stadtwerke an, das rund um das Hafenbecken ausgestrahlt wird.

(Eben [Mai 2018] wird via NDR bekannt, dass die Landeskartellbehörde Niedersachsen gegen die Stadtwerke Stade ermittelt, weil deren Grundtarife, »die häufig auch von finanziell schwachen Familien genutzt werden« [wie freies WLAN], überhöht sein sollen. Besteht kein Zusammenhang, oder? [Inzwischen, 21.2.19, wurde für Recht erkannt, dass die Stadtwerke die Minderbemittelten abzocken.])

WLAN-Tankstelle am Hafen (Fotos: urian

Mein Hafen-Sitzplatz im Schatten hat den Nachteil, dass unablässig Autos vorbei rasen und unter zwei Dutzend mindestens ein Fahrer ist, der irgendeinen Krach machen zu müssen meint, der über das gewöhnliche Getriebegetöse hinaus geht; Motorradfahrer gar nicht gerechnet. Mit Bitches Brew im Kopfhörer lassen sich die Beräderten einigermaßen ertragen.

Dem Alten, der dort wohnt und mit unerklärlichen Tätigkeiten vor seinem Haus beschäftigt ist, war ich im Winter aufgefallen. Das Stadtwerke-WLAN war abgeschaltet, aber ein »WiFi-Repeater« strahlte vor der Tür des Friseursalons aus, wie ich vermute, einem Gully.

Der Alte war mehrmals kurz davor, mich anzusprechen oder umstandslos fort zu jagen, aber ich mache nicht den Eindruck, leicht mit mir fertig zu werden. Dann war ich eine Weile weg und bin des Schattens wegen mit der Sonne zurück gekehrt. Anders als im Winter bin ich nicht weit und breit der einzige Passant, aber der einzige, der sich länger aufhält.

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Sollten Sie sich, als automobiler Einwohner, der die Innere Stadt nur ausschnittweise vom Weg vom Parkplatz zur Einkaufsstelle oder mittwochs und samstags als Kunde des Wochenmarkts wahrnimmt, über die Häufung von Gestalten wundern, die da und dort über ihre Smarties gebeugt herum stehen oder sitzen, handelt es sich also entweder um Pokémon-Go-Spieler in ihren Arenen oder um Personen mit beschränkten Mitteln, die sich Zugang zum weltweiten Datennetz verschaffen.

Der Topspot ist das älteste unter den kostenlosen Toren zum Internet, das Netzwerk eines Bekleidungsgeschäfts am Pferdemarkt. Es wird vorzugsweise genutzt von Minderjährigen, die das ihnen von den Eltern zugewiesene Datenvolumen überschritten haben, und frischen Flüchtlinge (im Unterschied zu denen, die vor vielen Jahren ankamen und nie willkommen geheißen wurden).

Letztere treten in der Öffentlichkeit fast stets in Gruppen auf, so auch an den WLAN-Tankstellen. Einzelne hätte ich wohl nicht bemerkt, aber den Ansammlungen ist zu entnehmen, dass sie inzwischen das WLAN am Hafen für sich entdeckt haben.

Bekannt gemacht werden die WLAN-Tankstellen selbstverständlich nicht (es sei in verlogener Übertreibung als Pressemitteilung aus dem Rathaus) – denn eigentlich ist es den erwähnten Autofahrern und ihrem Stadtbild nicht Recht, wenn dort, wo sie nicht auf Rädern hin dürfen, sich Leute länger aufhalten. Könnte man dort nicht besser Parkplätze ausweisen?

Zumal an Sonntagabenden muss man auf dem Pferdemarkt gewahr sein, Autos auszuweichen, deren Lenker die ihnen verbotene Zone befahren, weil sie es zu dieser Zeit tun können, ohne zurecht gewiesen werden. Die anderen Autofahrer, die zufällig zu Fuß unterwegs sind, verstehen das Bedürfnis, und Fußgänger haben eben nichts zu melden.

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Zufällig entdeckte Tankstelle nahe der Stadthalle im September 2018.

1. November 2018: Das WLAN der Stadtwerke ist abgeschaltet, bzw. defekt. Ob vorübergehend oder dauerhaft bleibt mir als ordinärem Nutzer rätselhaft.

12. Februar 2019

Volksverdummung der Gegenwart: »WLAN-technisch wird die Stader Innenstadt immer attraktiver«, meldet das Stader Tageblatt. »Vertreter von Volksbank und TAGEBLATT weihten am Dienstag die Hotspots am Hafen und am Fischmarkt ein. Begeistert dabei: Bürgermeisterin Silvia Nieber, die sich über das kostenlose Angebot für Besucher der Innenstadt freut.«

screenshot Stader Tageblatt 12.02.2019

Wie Leser dieses Blogs wissen, war freies WLAN an Fischmarkt und Hafen bereits vorhanden. Was ein zusätzliches Angebot bringt? Einen Werbeartikel im Lokalanzeiger.

Und ganz nebenbei: für Einwohner wie mich ist das WLAN nicht gedacht, sondern für »Besucher der Innenstadt«. Danke sehr für die Missachtung.

»Freies WLAN in Stades City kommt«, titelte das Stader Tageblatt am 8.8.2017. »Der Zeitungsverlag Krause will noch in diesem Jahr dafür sorgen, dass in Teilen der Stader Altstadt frei zugängliches WLAN für alle angeboten werden kann. […] Die Liste der ersten Hotspots steht bereits: Bahnhof und Stadthafen, Pferdemarkt und Fischmarkt sowie die Große Schmiedestraße. Hier sollen die entsprechenden Antennen und Sender angebracht werden.«

Zufällig stieß ich auf diesen Artikel, der mir bei meiner allerersten Suche, bevor ich diesen Beitrag erstellte, entgangen sein muss. In den Veröffentlichungen, die mir untergekommen sind, ist sonst nichts mehr vom »Zeitungsverlag Krause« als Akteur zu hören, sondern er betätigt sich, wie oben, lediglich als Ausrufer für die Unternehmungen anderer.

Wie auch immer dies zu erklären wäre, ist hier nur anzumerken, dass 20 Monate später am Bahnhof und in der Großen Schmiedestraße kein freies WLAN zu empfangen ist und an den anderen Stellen für den Nutzer keine Beteiligung des Verlags an dem Angebot zu erkennen ist. Bis ich eines Besseren belehrt werde, halte ich den Artikel für eine Luftblase, oder wie es neuerdings heißt: Fake-News.

Am Bahnhof gibt es kein freies WLAN, anders als in einer Stadt, die mit Reisenden kalkuliert, zu erwarten wäre. Aber diese Stadt erwartet ihre Gäste von sonstwo und auf zahllosen Parkplätzen, hält aber wie überliefert Zugpassagiere für eine minderwertige Spezies. In Buxtehude, nebenbei, gibt es freies WLAN am Bahnhof. Aber Buxtehude war immer schon näher an Hamburg und urbaner.

In Stade gibt es kein flächendeckendes freies WLAN, weil dessen Einrichtung in der Hauptsache Profilierungsgelüste unter den Maßgeblichen Dreihundert befriedigt, und weil die alte Garnisonsstadt immer noch von unsichtbaren Festungsmauern umgeben und eine nur dem Anschein nach offene Stadt ist.

24. April 2019: »Tolle Verbesserung«, aber ohne Gewähr. Kein freies WLAN auf dem Pferdemarkt. Die Gutbetuchten, die auf dem Wochenmarkt einkaufen, merken es nicht.

5. Mai: Die Werbeartikel im Stader Tageblatt sind erschienen, die Politiker können sie als Leistungsnachweise vorzeigen. Dass das freie WLAN abgeschaltet ist, merkt nur das Gesindel, das Wahlen fernbleibt und dabei auch nicht erwünscht ist. Zur anstehenden Bürgermeisterwahl gibt es genau eine öffentliche Vorstellung der Kandidaten geben. Die wird veranstaltet von der »Lügenpresse«, wie die AfD ausnahmsweise zu Recht sagt, in Räumlichkeiten, die vom Ehemann einer Redakteurin verwaltet werden. Und es kostet Eintritt: fünf Euro. Unerschwinglich für die Minderbürger und Untermenschen, die auf freies WLAN angewiesen sind. Neonazis wie die AfD werden in Stade nicht gebraucht. Die Abschaffung der Demokratie besorgen CDU, SPD, FDP und Grüne auch ohne deren Mithilfe.

8. Mai: Die obige Karte ist überholt. Weder am Eingang der Holzstraße noch auf dem Pferdemarkt ist freies WLAN verfügbar. So löpt dat in Stood: Verbesserung wird vermeldet, während Verschlechterung eintritt.

11. Mai – Buxtehude zum Vergleich: Während in Stade ein Wirrwarr aus öffentlichen und privaten Angeboten herrscht, die mal funktionieren, mal nicht, und nicht annähernd das gesamte Gebiet der Inneren Stadt abdecken, gibt es in der benachbarten echten Hansestadt das freie WLAN #hansebux, das vom Bahnhof bis zum Hafen zu empfangen ist. Deutlicher als der Vergleich mit Hamburg zeigt dies die Inkompetenz der selbsternannten Elite in Stade an. Macht ja nichts, solange die Schmierfinken vom Tageblatt für die passenden Fake-News sorgen, in denen die politische Klasse regelmäßig über die Realität, die sie anrichtet, hinaus wächst.

Stadtwerke Stade WLAN (Foto: urian)
15. Mai: Drei Angebote von freiem WLAN auf dieser Bank, die sich gegenseitig aus dem Feld schlagen, so dass man immer wieder keinen Empfang hat. Zuviel des Guten ist schlecht. Aber den Herrschaften, die sich dafür loben lassen, kann das egal sein. Merkt ja keiner, was für Scheinriesen sie sind.

1. Juli: Wie oben. Das Angebot ist schlechter statt besser geworden. Eine tiefe Kluft zwischen publiziertem Anspruch und handgreiflicher Wirklichkeit, zwischen Schein und Sein wie an beliebig anderen Stellen. (War heute zum Beispiel in einem 17,7 Mio. Euro teuren Parkhaus, das von allen Beteiligten gefeiert wurde, und seit der Eröffnung praktisch leer steht.)

19. Juli: In der Inneren Stadt wird lediglich am Fischmarkt freies WLAN angeboten und zwar mehrfach, weil in diesem Bereich offenbar jeder macht und machen kann, was er will. Für Nutzer kann das, je nach Güte des Geräts, Widrigkeiten beim Einloggen und unfreiwilliges Ausloggen bedeuten. Merkt ja keiner. Rund um den Hafen gibt es zwei freie WLAN-Netze, die sich gegenseitig stören. Obwohl die Stadtverwaltung sich den Betrieb des freien WLAN auf die Fahnen schreibt, handelt es sich um Angebote von Firmen. Während in Buxtehude offenbar problemlos ein freies WLAN für das gesamte Innenstadtgebiet installiert werden konnte, sind die Verantwortlichen in Stade und ihre Wasserträger derart mit Selbstbeweihräucherung beschäftigt, dass sie nichts sonst zustande bringen. Wie auf allen übrigen Feldern hat sich bewährt, dass sie ihre Inkompetenz mit Presselügen verschleiern. Keiner hebt den Schleier, da alle Parteien an ihm mitstricken und bei ihren Bluffs auf ihn angewiesen sind.

23. August: Nach wie vor kein WLAN in der Holzstraße, auf dem Pferdemarkt oder in der Hökerstraße. Dafür drei Angebote am Hafen, von denen ich zwei entfernen muss, ehe ich mich in eines einwähle, weil sie sich gegenseitig Konkurrenz machen. Die Touristen, für die das Angebot (siehe oben) vornehmlich gedacht ist, sind meist nach ein paar Stunden wieder fort und werden der Stadtverwaltung nicht den Mittelfinger zeigen wie ich an dieser Stelle.

16. Oktober: Kein freies WLAN in der Inneren Stadt außer am Fischmarkt und als Firmenservice an zwei Stellen (Eingang Holzstraße und Pferdemarkt).

Am Hafen zwei WLAN-Angebote, aber schwankend und nicht dort, wo Bänke stehen (damit Gesindel sich nicht aufhält?). Kein WLAN beim neuesten Spielzeug der Täuscher, einer Smartphone-Lade-Bank (damit Gesindel sich nicht aufhält?).

Smartphone-Lade-Bank Stade (Foto: urian)

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