Eine Bestandsaufnahme und Beobachtungen von wirklichen und virtuellen Verkehren

Das Folgende gehört in die Rubrik »Service« für Arme und Unbehauste wie meinesgleichen: Wo gibt es freies WLAN im Hanselstädtchen Stade?

Natürlich weder an der Breslauer noch am Drosselstieg oder auf dem Goetheplatz, sondern nur an einigen Stellen der Inneren Stadt, von denen manche wie das Wetter kommen und gehen.

An einigen Stellen – denn es ist keineswegs so, dass man in dem vergleichsweise kleinen Areal zwischen Bahnhof und Hafen immer und überall oder durchgehend Empfang hätte. (In der ausgedehnteren Innenstadt von Hamburg kann ich länger flanieren, ohne mich neu einwählen zu müssen; Technik setzt die gegebenen Grenzen offenbar nicht.)

Fotos: urian
Ansichten an WLAN-Tankstellen in Stade

Von Süden kommend erreiche ich die erste Tankstelle am Eingang der Holzstraße. Ich habe die Wahl zwischen dem Hotspot eines – wie heißt das heutigentags wirtschaftsethisch korrekt? – Telekommunikationsmarktteilnehmers für 30 Minuten oder dem WLAN eines Restaurants, das auf der Gasse empfangbar ist.

Ein paar Meter weiter nichts mehr, bis zur Ecke Breite Straße. Ab dort kann ich mich ins »Elb«-WLAN ohne Einloggen einklinken. Es strahlt über den Pferdemarkt und verebbt auf der Promenade des »Geschäftshauses Neuer Pferdemarkt«, auf der die Sonne, sobald sie scheint, brütet und außerdem niemand mit einem Smartphone Halt macht, weil das gleißende Licht das Display verblendet.

Ein Grund, weshalb bei WLAN-Zapfern derzeit Plätze im Schatten en vogue sind. Ich habe noch einen mehr: belaste ich in der Sonne mein billiges Smartie damit, dass ich meinen Blog pflege, heizt der Akku bis zur Warnstufe auf.

Die nächsten Zapfstellen sind am Fischmarkt, darunter eine, die mysteriöserweise »Bayern« heißt, und ein »nordheide freifunk«.

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Weiß: freies WLAN in Stade

Nach einer Unterbrechung schließt am Ausgang von Wasser West und Ost an der Hansestraße das WLAN der Stadtwerke an, das rund um das Hafenbecken ausgestrahlt wird.

(Eben wird via NDR bekannt, dass die Landeskartellbehörde Niedersachsen gegen die Stadtwerke Stade ermittelt, weil deren Grundtarife, »die häufig auch von finanziell schwachen Familien genutzt werden« [wie freies WLAN], überhöht sein sollen. Besteht kein Zusammenhang, oder?)

WLAN-Tankstelle am Hafen (Fotos: urian

Mein Hafen-Sitzplatz im Schatten hat den Nachteil, dass unablässig Autos vorbei rasen und unter zwei Dutzend mindestens ein Fahrer ist, der irgendeinen Krach machen zu müssen meint, der über das gewöhnliche Getriebegetöse hinaus geht; Motorradfahrer gar nicht gerechnet. Mit Bitches Brew im Kopfhörer lassen sich die Beräderten einigermaßen ertragen.

Dem Alten, der dort wohnt und mit unerklärlichen Tätigkeiten vor seinem Haus beschäftigt ist, war ich im Winter aufgefallen. Das Stadtwerke-WLAN war abgeschaltet, aber ein »WiFi-Repeater« strahlte vor der Tür des Friseursalons aus, wie ich vermute, einem Gully.

Der Alte war mehrmals kurz davor, mich anzusprechen oder umstandslos fort zu jagen, aber ich mache nicht den Eindruck, leicht mit mir fertig zu werden. Dann war ich eine Weile weg und bin des Schattens wegen mit der Sonne zurück gekehrt. Anders als im Winter bin ich nicht weit und breit der einzige Passant, aber der einzige, der sich länger aufhält.

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Sollten Sie sich, als automobiler Einwohner, der die Innere Stadt nur ausschnittweise vom Weg vom Parkplatz zur Einkaufsstelle oder mittwochs und samstags als Kunde des Wochenmarkts wahrnimmt, über die Häufung von Gestalten wundern, die da und dort über ihre Smarties gebeugt herum stehen oder sitzen, handelt es sich also entweder um Pokémon-Go-Spieler in ihren Arenen oder um Personen mit beschränkten Mitteln, die sich Zugang zum weltweiten Datennetz verschaffen.

Der Topspot ist das älteste unter den kostenlosen Toren zum Internet, das Netzwerk eines Bekleidungsgeschäfts am Pferdemarkt. Es wird vorzugsweise genutzt von Minderjährigen, die das ihnen von den Eltern zugewiesene Datenvolumen überschritten haben, und frischen Flüchtlinge (im Unterschied zu denen, die vor vielen Jahren ankamen und nie willkommen geheißen wurden).

Letztere treten in der Öffentlichkeit fast stets in Gruppen auf, so auch an den WLAN-Tankstellen. Einzelne hätte ich wohl nicht bemerkt, aber den Ansammlungen ist zu entnehmen, dass sie inzwischen das WLAN am Hafen für sich entdeckt haben.

Bekannt gemacht werden die WLAN-Tankstellen selbstverständlich nicht (es sei in verlogener Übertreibung als Pressemitteilung aus dem Rathaus) – denn eigentlich ist es den erwähnten Autofahrern und ihrem Stadtbild nicht Recht, wenn dort, wo sie nicht auf Rädern hin dürfen, sich Leute länger aufhalten. Könnte man dort nicht besser Parkplätze ausweisen?

Zumal an Sonntagabenden muss man auf dem Pferdemarkt gewahr sein, Autos auszuweichen, deren Lenker die ihnen verbotene Zone befahren, weil sie es zu dieser Zeit tun können, ohne zurecht gewiesen werden. Die anderen Autofahrer, die zufällig zu Fuß unterwegs sind, verstehen das Bedürfnis, und Fußgänger haben eben nichts zu melden.

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Zufällig entdeckte Tankstelle nahe der Stadthalle im September 2018.

 

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