35 Jahre Herrschaft von Baron Bidal und Wolfszeit in Harsefeld

Das Land lag danieder und darbte. Die Großmächtigen hatten nach 30 Jahren den Frieden beschlossen, aber die kleinen Leute würden davon noch lange nichts bemerken.

Es würde dauern, bis die Zerstörungen der Städte und Dörfer vergessen waren, länger würden die Verwüstungen der Seelen bleiben. Einige Zeit würde vergehen, bis die zivile Ordnung wiederhergestellt wäre.

Bis dahin marodierten allenthalben weiterhin Landsknechte, die der Westfälische Friede keinen Deut scherte. Und überall Wölfe.

Die Region zwischen Elbe und Weser wurde ganz formell der schwedischen Krone übereignet, nachdem Hans Christopher von Königsmarck (1605—63) sie bereits 1645 militärisch eingenommen hatte. Königsmarck wurde Generalgouverneur mit Sitz in Stade.

Der seinerzeit reichste Mann Europas residierte in einem Stadthaus in der Großen Schmiedestraße und in dem 1655 fertiggestellten Schloss, das nach seiner Frau Agathenburg genannt wurde. Wie ihm wurden verdienten Militärs und Politikern Liegenschaften zum Geschenk gemacht.

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Johan Adler Salvius

Einer der schwedischen Gesandten beim Friedenskongress von Münster und Osnabrück, der 1590 geborene Johan Adler Salvius, erhielt Güter in Grünendeich und wurde am 15. Februar 1649 »Herr zu Harsefeld«.

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Das Land darbte. Der Krieg war vorbei, aber nicht das Elend. Wenn der Mensch dem Menschen ein Wolf war, hatte der wirkliche Wolf seine beste Zeit. Im Krieg damit beschäftigt, sich gegenseitig umzubringen, kümmerte die Menschen ihr Vernichtungsfeldzug gegen Canis Lupus weniger; ungestört vermehrte dieser sich.

Die Rudel »folgten der Trommel« und ernährten sich von den Leichen auf den Schlachtfeldern oder verendeten Pferden aus dem Heerestross. Während im Krieg die Zivilisation zusammenbrach, breitete sich der Wolf in bremischen Landen aus.

Die sogenannte »Wolfszeit« brach an: »Das Land sah meilenweit einer Einöde gleich, den Reisenden begegneten mehr Wölfe als Menschen.« Ein Jahrhundert lang war Isegrim eine Landplage und herrschte über die Weite der Geest, die Unwegsamkeit der Moore und im Dickicht der Wälder.

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Nach Kriegsende 1648 wurde die Landwirtschaft wieder angekurbelt. Drastisch beschränkte die platzfressende Dreifelderwirtschaft den Lebensraum des Raubtiers. Ein neuer Krieg begann. Die Wolfsplage bedrohte vornehmlich die Existenz der kleinen Viehbauern, die nur ein paar Schafe und eine Kuh oder zwei besaßen.

Oft riss ein Rudel mehrere Lämmer in einer Nacht. Zusammengepfercht in einem Koben waren sie leichte Beute, und der Landmann konnte sich nicht wehren. Denn Wildtiere zu erlegen, die Jagd, war das Privileg der adeligen Gutsbesitzer.

Fraßen Wildschweine seine Saat, konnte der Bauer nur beten. Bestenfalls versuchte er, das angreifende Wolfsrudel mit Heugabel und Sense oder durch Steinwürfe zu verscheuchen – schießen durfte er nicht. Sogar den Besitz von Hunden verbot man ihm zuweilen.

Bald jedoch wurde man den grauen Räubern nicht anders mehr Herr, als die Jagd auf sie freizugeben. Für jeden dem Amtmann vorgezeigten Kadaver zahlte die Regierung eine Prämie: um 1680 betrug sie einen Reichstaler für ein junges Tier, vier Taler für ein erwachsenes, fünf Taler für ein besonders stattliches Exemplar. Eine Kuh kostete zwei bis drei Taler.

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Johan Adler Salvius konnte sich seiner Herrschaft in Harsefeld nicht lange erfreuen; er starb am 24. August 1652. Namens seiner Witwe verwaltete Gerhard Ströhmer die Besitzungen.

Unterdessen liefen bereits Verhandlungen über das weitere Schicksal der Ortschaft, deren gesamte Gebäude, Güter und Einkünfte auf über 180.000 Reichstaler geschätzt wurden.

In Stockholm regierte Königin Christina und ließ es sich gut gehen. Zu gut: Sie lebte über ihre Verhältnisse. Durch ihren »General Faktor in Frankreich, Italien und Hispanien« bezog sie Galanterie- und Bijouteriewaren, die nach Angaben des Lieferanten über 200.000 Reichstaler kosteten. Aber Christina zahlte nicht; ihr Lieferant machte Bankrott.

Während in den Wäldern die vierbeinigen Räuber lauerten, setzte ein zweibeiniger zum Sprung an. Baron Pierre Bidal, Christinas »General Faktor«, trieb seine Schulden erfolgreich ein. Am 15. Oktober 1653 unterschrieben die Königin und er einen Kaufvertrag über die Herrschaft Harsefeld.

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Bidals Unterschrift auf einem Vertrag 1662

Ein staatsrechtlich kurioser Vorgang: Inmitten des schwedischen Hoheitsgebiets wurde einem Franzosen ein Gebiet zur freien Verfügung übertragen. Gewisse Einschränkungen, die der Baron dabei zunächst noch hinnehmen musste, wurden im September 1661 gänzlich aufgehoben. Er hatte nun völlige Freiheit darüber, wie er mit Harsefeld, den Dingen wie den Menschen, verfuhr. Und er plünderte so gut er konnte.

Bidals Regiment begann am 24. April 1654 mit einem althergebrachten Zeremoniell. Er selbst war nicht anwesend, so wie er sich auch später selten in Harsefeld blicken ließ, obschon er in Hamburg wohnte. Bei der formellen Übergabe vertrat ihn sein Bruder Claude.

Zwischen 14 und 15 Uhr kamen die Bauern auf dem Platz zwischen Kirche und Amtshof zusammen. Ein Kanzleirat aus Stade trug die Verordnung über die Schenkung der Königin vor. Sodann trat jeder Bauer einzeln vor, nahm einen Erdklumpen in die linke Hand, reichte Claude Bidal die Rechte und gelobte, seine schuldigen Abgaben und Dienste zu leisten.

Buchstäblich in letzter Minute war Baron Bidal bei Königin Christina zu seinem Geld gekommen: Im Juli 1654 verzichtete sie auf den Thron.

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Während der mehr als drei Jahrzehnte Bidalschen Regimes kam es unablässig zu Spannungen zwischen den Harsefeldern und ihrem Herrn.

Als juristischen Vertreter bestellte der Baron einen Kanzlisten aus Stade, Niclas Blume. Vor Ort aber agierten Franzosen als Verwalter – ein im schwedischen Herrschaftsbereich unübliches Vorgehen. Gewöhnlich setzten die Schweden Einheimische als unmittelbare Vorgesetzte ein, was die Fremd-Herrschaft etwas weniger deutlich spürbar werden ließ.

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Amtshof mit Klosterruinen

Als Repräsentant Harsefelds nach außen handelte sich Inspektor Blume alsbald Ärger ein. Erst machte man ihm seinen Sitz bei den Landständen streitig, darauf weigerte er sich, auf Geheiß des Barons, die Staatsabgaben zu zahlen. Die Landstände fackelten nicht lange: Auf dem Amtshof erschien Militär, um die Steuern gewaltsam einzutreiben.

Andererseits hatten Bidals Verwalter Mühe, ihre Abgaben von den Bauern zu erhalten. 1656 beispielsweise bat Blume die Behörden in Stade um »militärische Exekution« gegen die Harsefeld unterstehenden Marschbauern im Alten Land und in Kehdingen.

Ihnen möge befohlen werden, »dass sie dem Herrn Baron ihre schuldige Pflicht abtragen sollen. Seit nunmehr ganzer zwei Jahre haben sie sich nicht allein schlecht eingefunden, sondern sind dazu widersetzlich gewesen, […] dass sie dem Herrn Baron von ihren schuldigen Abgifte nicht wollen zukommen lassen.«

Bei einigen der Säumigen im Alten Land ritten Soldaten ein und droschen eigenhändig Korn in Höhe der Ansprüche des Baron. Im Allgemeinen aber war die Stader Regierung nicht sehr eifrig darin, dem Baron behilflich zu sein bei der Durchsetzung seiner Forderungen. Bidal beklagte sich schließlich sogar bei König Carl X. Gustaf über die Unbotmäßigkeit seiner Harsefelder Untertanen.

Verdruss gab es auch um Gelder, die Johan Adler Salvius einst für Harsefeld ausgegeben hatte und deren Rückzahlung seine Witwe von Bidal verlangte. Die Angelegenheit wurde nach langem Hin und Her 1657 vom schwedischen Ober-Appellationsgericht in Wismar entschieden.

Hauptleidtragender war unterdessen Gerhard Ströhmer, der Verwalter aus Salvius’ Zeiten, der noch in Harsefeld lebte. Ihm machte Bidals Verwalter Anthon de Laverre das Leben schwer.

Erst musste Ströhmer seine Wohnung räumen, dann verweigerte de Laverre ihm ein neues Quartier. Mehr noch: Den Ofen in der Stube, in der Ströhmer samt Familie untergekrochen war, ließ Bidals Statthalter mitten im Winter 1656 zerschlagen.

Er und seine Familie, klagte Ströhmer, seien »fast nicht wie Menschen, sondern gleichsam wie Vieh« behandelt worden. Anfang 1657 ergriff Ströhmer die Flucht und siedelte nach Bremen über.

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In den Wäldern und an den Rändern der Moore war das Revier des Wolfs. In Kehdingen, wo ein Name wie Wolfsbruch daran erinnert, oder am Frankenmoor nördlich von Bargstedt waren mächtige Rudel heimisch. Wie Wälder und Moore verschwand der Wolf. Großangelegte Treibjagden gaben ihm den Rest. Einst das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde, war er in Europa praktisch ausgerottet.

Am Langenmoor westlich von Oldendorf hatte ein Bauer namens Döscher miterleben müssen, wie zwei Wölfe in einer Nacht 20 seiner Schafe rissen. Seither sann er auf Rache. Er opferte ein altes Pferd als Köder und band es an den Koben. Nacht für Nacht wartete er vergeblich. Endlich schlichen die beiden Grauen heran.

Einen von ihnen erwischte Döscher, brachte den Balg zum Amtmann und schilderte, wie er »durch mühsames Auflauern und vieles Nachtfrieren das große Glück gehabt, denselben Wolf, so wegen seiner ungeheuren Größe bekannt und in so mancher kostbaren Jagd durchgebrochen, zu erschießen.«

Fallweise wurde ein spezielles Kopfgeld ausgesetzt. Mancher Bauer spekulierte auf die Belohnung für einen alten Wolf, der in der Fredenbecker Gegend seine Spur hinterließ. Auf der Jagd nach ihm streifte Gerd Müller aus Mulsum tagelang in den Wäldern bei Hohenmoor umher. Den bösen Alten fing er zwar nicht, aber einen Wurf von sechs jungen Wölfen, die er lebend zum Harsefelder Amtshof brachte.

Obwohl der Wolf Menschen für gewöhnlich mied, gibt es allerhand Berichte von Überfällen. Die meisten sind schiere Gräuelmärchen: Starb jemand im Wald an Herzversagen und wurde seine Leiche von wilden Tieren zerfetzt, galt er flugs als Wolfsopfer.

Gelegentlich jedoch trieb der Hunger die Wölfe dazu, Menschen anzufallen. Vor allem in den kalten Monaten waren Reisende gefährdet. Eine Serie von tödlichen Wintern in Norddeutschland während des 17. Jahrhunderts schürte die Ängste. 1665 und 1684, als sogar »die Hunde vor Kälte toll wurden«, rasten die Wölfe und umkreisten heulend entlegene Gehöfte.

Wieviele Wölfe es zu jener Zeit gab, ist nicht überliefert. Bekannt sind die jährlichen »Strecken« einzelner Amtsbezirke, die mit Prämien belohnten Bälge: 1649 waren es 182, 1658 zum Beispiel 87 und 1763 noch 66 Stück, also bis zu 15 im monatlichen Durchschnitt.

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Von 1655 bis 1660 lag Schweden mit Dänemark, Polen und Russland im Krieg. Die Einwohner von Harsefeld hatten zu erdulden, dass Truppen durch den Ort zogen oder gar einquartiert wurden. Die Bauern wurden zu Schanzarbeiten herangezogen, in ihren Wäldern wurde über Gebühr Holz geschlagen.

Für Baron Bidal gab es um so weniger herauszupressen aus seinen Ländereien. Er machte 1661 einen Sprung auf der Karriereleiter und wurde Resident der französischen Krone in Hamburg, eine Art Botschafterposten. Standesgemäß richtete er sich ein – auf Kosten der Harsefelder, die ihn mit Naturalien und Holz versorgten, die er zollfrei über Lühe und Cranz verschiffte.

Der Baron ließ sich meist nur im Herbst in Harsefeld blicken, zur Jagdzeit, wofür er acht Hunde, vier Pferde und zwei Jäger vorhielt. Immer häufiger erschien aber die Baronesse, um nach dem Rechten zu sehen. Catherine Bastonneau, Mutter der neun Kinder des Barons, kümmerte sich um jede Kleinigkeit und zwar mit harter Hand.

Wovon Pastor Heino Andreas Tiefenbrock ein Lied singen konnte. Der lutherische Geistliche wurde von seinem katholischen Grundherrn knapp gehalten. Und als anno 1674 zwei seiner Bediensteten Unterholz sammelten, ging der Verwalter de la Brassie gegen den vermeintlichen Holzfrevel vor und verhängte eine Geldbuße von 20 Reichstalern. Vorstellungen des Pastors bei der Baronesse und ihrem Sohn fruchteten nichts.

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Plan des Amtshofs

1675 war erneut Krieg, diesmal zwischen Schweden und Frankreich. Baron Bidal musste Hamburg verlassen. Begleitet von drei Kanonenbooten und 200 Soldaten fuhr er Richtung Stade, kam aber nur bis Twielenfleth. Nach einem Aufenthalt in Harsefeld nahm er Exil in Hannover.

Die Baronesse blieb indes in Hamburg und hatte ein Auge auf die Liegenschaften an der Aue. Dort wüteten die Landsknechte. Sie stahlen, brandschatzten und mordeten. Die Felder konnten nicht bestellt werden, Wilddieberei und Waldfrevel der Bauern waren notgedrungen an der Tagesordnung.

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Die organisierte Wolfsjagd hatte bereits tausend Jahre Tradition: Anno 813 verpflichtete Karl der Große seine Grafen dazu, Beamte zu ernennen, »Luparii«, die ausschließlich für die Hatz auf Wölfe zuständig wären. Diverse Mittel, den Gegner zur Strecke zu bringen, wurden angewandt: Schlingen, Fangeisen, Gift oder Gruben, die unten breiter waren als oben, um ein Hinausklettern zu vereiteln, und am Boden versehen mit spitzen Pfählen gegen ein Hinausspringen. Die Wolfsangel, ein Doppelhaken mit Köder, hing von Bäumen herab; ihr Zeichen trugen die Förster an Uniform und Hirschfänger.

Nahmen die Wölfe nahe besiedelter Gebiete überhand, half nur eine Treibjagd. Aus Harsefeld meldete Amtmann Rudolf Ameling Petersen 1678 der Regierung in Stade, »dass die Wölfe sehr gängig, allenthalben großen Schaden zufügen und derowegen von den Bauern viele Ansuchen auf eine Jagd geschieht.« Unter Petersens Aufsicht wurden Fangnetze vorbereitet, die 50 Meter lang und 300 Pfund schwer waren. Am vorausgehenden Sonntag wurden Tag, Stunde und Treffpunkt der Jagd von der Kanzel verkündet.

Zeichnung: urian

Der Pastor schloss mit der Ermahnung, »wenn solche Jagden etwas fruchten sollen, muss ein Nachbar dem anderen darin handbietig sein und dannhero alle Einwohner, Mann für Mann, dazu aufgeboten werden.« Zehn Taler Strafe drohten Drückebergern.

Während die Kirchenglocken läuteten, versammelten sich die Landleute um fünf Uhr früh und bildeten die Treiberkette. Trommelschlagend ging es durch die Landschaft. Zum Schuss kamen allerdings nur die Amtsmannschaft, die Gutsherren und deren Gäste aus der Regierung. So ließen die Bauern schon einmal einen Wolf »durchstreichen«, um ihn selbst fangen zu können.

Jedes »außerhalb der gemeinen Jagd« erlegte Tier bedeutete Geld, während die Treiberdienste zu den Fronpflichten des Landmanns gehörten. Wie die Bewirtung einer königlichen Jagdpartie mit ausreichend »fettem Speck, Hühnern, Getränk an Bier und Branntwein«.

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Als Bremen-Verden 1679 wieder schwedisch wurde, war Baron Bidal schon da und meldete seine Rechte an. Die schwedische Krone allerdings arbeitete längst an der sogenannten »Reduktion«, der Rückübereignung aller Schenkungen, die vor allem von Königin Christina gemacht worden waren.

Zuweilen zweimal die Woche tauchte die Baronesse in Harsefeld auf, wie um durch ihre Präsenz ihre Besitzansprüche zu unterstreichen. Im Herbst 1680 fuhren wieder Schiffe regelmäßig mit Gütern aus Harsefeld nach Hamburg für den Haushalt des Barons.

Als Pierre Bidal am 16. Juli 1682 starb, steigerte die schwedische Regierung ihre Anstrengungen, Harsefeld zurück zu bekommen. Formell übernahm einer der Söhne des Barons, ein Obristleutnant in schwedischen Diensten, die Herrschaft über Harsefeld.

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Amtshof mit Klosterruinen

Im Mai 1688 schlug die schwedische Regierung zu und ließ Harsefeld beschlagnahmen. Eine Beschwerde des neuen Herrn am Hof in Stockholm hatte halben Erfolg: Die Zwangsverwaltung blieb bestehen, aber Bidal konnte über die Güter verfügen. Doch schon im Januar 1689 setzte sich der Obristleutnant nach Köln zur französischen Armee ab – ihm drohte ein Gerichtsverfahren wegen Unterschlagung Harsefelder Gelder.

Im Februar 1690 wurde der letzte Verwalter der Bidals seines Amts enthoben, und Harsefeld gehörte wieder der schwedischen Krone. Noch bis 1700 klagten Bidals Erben um ein Brettspiel, einen silbernen Leuchter, einen Kupferkessel und andere Kleinigkeiten aus ihrem Harsefelder Besitz. Doch inzwischen war wieder Krieg, und das Verfahren verlief im Sande. 1719 schließlich wurde Harsefeld hannöverisch.

Dass ein Bidal einst »Baron d’Asfeld« (vom plattdeutschen »Hassfeld«) war, hat Spuren hinterlassen: Um 1730 wurde eine Ortschaft in Nordfrankreich von einem Nachfahren Pierre Bidals in Asfeld umbenannt. Die beiden Gemeinden unterhalten heute eine »Partnerschaft«.

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Die »Wolfszeit« war um 1780 vorbei. Versprengte Rudel erhielten sich noch mühsam. In einem Gehölz bei Fallingbostel tötete eines Försters Kugel am 18. Februar 1872 den für rund 140 Jahre letzten Wolf Niedersachsens.

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Quellen und Literatur

Landesarchiv Stade Rep 5a Fach 396 Nr.3, 9; Fach 151 Nr. 39; Rep 74 Harsefeld Nr. 796

H. Bartels: Wolfsjagd im alten Niedersachsen, Der Heimatfreund 2/1934 | K.-R. Böhme: Bremisch-verdische Staatsfinanzen 1645—1676, Uppsala 1967 | B.-C. Fiedler: Die Verwaltung der Herzogtümer Bremen und Verden in der Schwedenzeit 1652—1712, Stade 1987; Endphase, Aufhebung und Folgegeschichte des Klosters Harsefeld (1545—1885), in: Frerichs/Ziermann/Meyer u.a.: Ein Platz im Brennpunkt der Geschichte, Stade 1989 | H. Fitschen: Wölfe in Bremen-Verden, Stader Archiv NF 12/1922 u. Der Heimatfreund 3/1924; Von Wölfen und Wolfsjagden, Der Heimatfreund 15/1926; Wölfe und Wolfsjagden, Der Heimatfreund 5/1932 | N.-W. Fritzel: Die Herrschaft Harsefeld in der Schwedenzeit, Stader Jahrbuch 1968; Der Stader Raum zur Schwedenzeit, Stade 1976 | K. Isensee: Das Kloster Harsefeld in der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts, Harsefeld 1986 | W. Kremser: Aus der Entwicklung der althannoverschen Jagd, Rotenburger Schriften 42-43/1975 | A. P. Krönke: Wer war Peter Bidal, Herr zu Harsefeld?, Stader Jahrbuch 1966; Der Flecken Harsefeld, Harsefeld o. J. [1967]; Eine Stader Regierung organisierte Wolfsjagden, Stader Tageblatt 3.1.1981 | S. Kroll: Stade um 1700, Stade 1992 | U. R.: Auf der Jagd nach dem grauen Räuber, Hamburger Abendblatt 6.5.1998 | H. Seebo: Geschichte des Fleckens Harsefeld oder Rosenfeld, Stade 1927

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