Bemerkungen zu einem Buch

Alex J. Kay: The Making of an SS Killer. The Life of Colonel Alfred Filbert, 1905–1990, Cambridge University Press 2016

Täterschaft und Urteilsfindung

Alle haben eine entschiedene Meinung zu den Geschehnissen der Silvesternächte 2015 und 2016 in Köln. Rassisten wie Feministinnen fühlen sich in ihren Weltanschauungen bestätigt. In einem Aspekt stimmen die gegensätzlichsten Interpretationen überein: die Täter kommen nur als Gruppe vor und als Individuen keinesfalls in Betracht.

Was vermeintlich hunderte von „Nordafrikanern“ zur Zusammenrottung motiviert hat, falls diese wie kolportiert stattgefunden hat, ist ungeklärt und irrelevant für die Beurteilung durch die Demagogen aus allen politischen Lagern und Parteien und ihre Gefolgsleute im Social-Media-Mob. Auch keiner der zahlreich anwesenden Reporter hat es anscheinend für nötig erachtet, mit einem der Verfemten zu reden. In die Auslassung fließen die ideologischen Unterstellungen bis zum Überlaufen.

(Während ich dies schreibe, korrigiert die Polizei die bisherigen Meldungen: nicht alle, nicht einmal die meisten der 674 in der Nacht zum 1.1.17 kontrollierten Personen waren „Nafris“.)

Täter zu verstehen, um Verbrechen zu erfassen, halten „anständige“ Leute nicht nur für überflüssig, sondern für geradezu verwerflich und verwechseln Verständnis mit Einverständnis. Wer etwa die rechtliche Vertretung eines „Kinderschänders“ übernimmt, wird regelmäßig von denen, die nie einen Gerichtssaal betreten haben, als eine Art Komplize diffamiert. Was ein Rechtsstaat ist, begreifen allzu viele, die darin leben, nicht einmal im Ansatz.

Wer je eine Verfehlung begangen hat, auch wenn sie nicht dem Strafrecht unterlag – mithin alle sollten eigentlich eine Idee davon haben, wie komplex Schuld und Sühne sind.

Um ein „Tat und Schuld angemessenes“ Urteil zu fällen wird im Gerichtsverfahren die Person des Täters untersucht. Journalisten stellen das gern als Missachtung der Opfer dar und inspirieren damit jene, die sowieso kurzen Prozess machen möchten.

Die Wahrheitsfindung ist allerdings keine Trauerarbeit. Und sie ist weitaus mühseliger, als das Publikum glaubt, das höchstens die Extrakte der Medien wahrnimmt.

Die Beweggründe des Täters sind ein unverzichtbares Element des Verbrechens. Das könnten sogar durchschnittliche Bürger, die von realer Kriminalität keine Ahnung haben, den Film- und Romanfiktionen entnehmen, die ihren Horizont bilden: obligatorisch forscht der Kommissar oder Detektiv nach Motiven.

Verbrecher verstehen

„Es ist wenig reizvoll, aber moralisch dringlicher, die Handlungen der Täter zu verstehen“, betonte Timothy Snyder in Bloodlands, einer Untersuchung der nationalsozialistischen und stalinistischen Massenmorde. „Die moralische Gefahr, alles in allem, ist niemals, dass jemand Opfer, sondern Täter oder Zuschauer werden könnte.“

Entsprechend „erfordern Verstand und Verhalten eines, der tötet, […] beträchtlich mehr Erklärungen“ als „mindset and conduct“ dessen, der getötet wird, ergänzt Alex J. Kay, als er zu Beginn seines Buchs das absonderliche Vorhaben rechtfertigt, Leben und Vernichtungswerk eines der Männer zu beschreiben, von denen sich zwar alle Vorstellungen machen und Hollywood-Klischees im Kopf haben, über die aber auch mehr als 70 Jahre nachher noch äußerst wenig wissenschaftlich gesichert ist.

200.000 bis 250.000 Deutsche und Österreicher veranschlagt Kay als Mitwirkende der NS-Vernichtungsprogramme. Eine konservative Schätzung, ohne die „Hilfswilligen“ aus den besetzten Ländern. Andere Historiker berechneten 300.000 bis 400.000, und im Licht der neuesten Rechtsprechung könnten es noch mehr sein.

Um Innenansichten der „ordinary men“ im Mordapparat kümmerte sich die deutsche Geschichtswissenschaft erst, als sie nicht mehr am Leben waren, befragt oder belangt werden konnten. Dieses Ahnenerbe aufzuarbeiten blieb Journalisten und Historikern aus USA, Kanada, Großbritannien und Israel vorbehalten. Nur eine Handvoll der hunderttausende wurde biografisch beleuchtet.

Brite ist auch Alex J. Kay, der sich einen Täter aus der mittleren Kommandoebene der Schutzstaffel vorgenommen hat, dem Scharnier zwischen den Oberbefehlshabern, die zwar nicht ausschließlich vom Schreibtisch aus operierten, aber vorwiegend durch Papier, und denen, die Hand an den Karabiner legten.

Schon aus der zweiten Reihe hinter den „Haupttätern Hitler, Himmler und Heydrich“, wie die Formel lautete, mit der die Justiz schließlich alle übrigen zu straffreien Beihelfern erklärte, sind wenige mit mehr als dem Namen bekannt.

Arthur Nebe etwa wurde ein gewisser Nachruhm zu Teil, unter anderem durch die Romane von Philip Kerr – aber als Chef der Kripo und Kriminalist, nicht als Massenmörder in seiner Eigenschaft als Kommandeur der Einsatzgruppe B, der das Einsatzkommando 9 zugeordnet war, das der von Alex J. Kay studierte Alfred Filbert anführte.

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Dessen Nachfahren haben – man muss sagen: wie üblich – alle Dokumente vernichtet, die für einen Historiker von Interesse gewesen wären. „Wie üblich“ gilt nicht nur für die NS-Hinterlassenschaft. Wer einen Verbrecher in der Familie hat, ist nicht nur nicht stolz darauf, sondern will meist nicht genau wissen, was ihn das angeht.

So weit verbreitet der Glaube an genetische Vererbung ist, so bequem ist er, weil er die Fragen nach der geistigen Erbschaft verdrängen hilft. Und dies gilt wiederum besonders für das NS-Vermächtnis.

Dennoch hat Kay die familiären Verhältnisse Filberts rekonstruieren können. Er hat auch nicht nur die Dienstlaufbahn unter die Lupe genommen, sondern ausnahmsweise für die Zeit nach 1945 auf aussagekräftige Zeugnisse zugreifen können, um das Bildnis zu vervollständigen. Das Leben von SS-Mördern ist nicht nur selten dokumentiert worden; es so umfassend zu tun wie Kay ist extrem schwierig und aufwändig.

Feindaufklärung im RSHA

Über weite Strecken ist Filberts Lebenslauf typisch für seine Generation von Männern, die zu jung waren, um am Ersten Weltkrieg teilzunehmen, aber in seinem Schatten aus Gewalt, Hunger und gesellschaftlicher Zersplitterung aufwuchsen. Als Generation des Unbedingten charakterisierte Michael Wildt Filbert und seine Kameraden. Das Unbedingte war ihre Sehnsucht, die sie in einem Krieg gegen alles führte, das nicht ihren Idealen entsprach.

Das militärische Element der Autoritätshörigkeit trat bei der Sozialisation Filberts besonders stark hervor. Der Vater des 1905 in Darmstadt Geborenen war Berufssoldat. Auch daheim gab der Kompaniefeldwebel den Spieß und richtete Frau und Kinder nach „Befehl und Ordnung“ aus. Seine ersten sechs Jahre verbrachte Alfred buchstäblich in der Kaserne, wo die Familie wohnte.

Als der Jura-Student 1932 der SS beitrat, war sie noch eine Untergliederung der SA, gerierte sich aber längst als Elite der Herrenmenschen. Davon schien Filbert zuerst angezogen; erst anschließend wurde er Mitglied der NSDAP.

Kann das Ablehnungsrecht des Konkursverwalters des Vorbehaltsverkäufers mit der Anwartschaft des Käufers auf den Eigentumserwerb ausgeräumt werden? Der Titel seiner Dissertation steht in keiner Verbindung zu der „Aufklärungsarbeit“ über Regimegegner beim Sicherheitsdienst SD im Reichssicherheitshauptamt RSHA, die Filbert zwei Tage nach Erlangung der Doktorwürde der Universität Gießen 1935 aufnahm.

„Gestapo auf Rädern“

Reinhard Heydrich versetzte mit Bedacht „Geistesarbeiter“ aus seinem Terroramt wie Filbert an die Spitze der Todesschwadronen, mit deren Massenerschießungen im Rücken der Front gegen die Sowjetunion die Shoah begann. Das Kalkül ging auf, und die Aktenschieber bewährten sich bei der Mordarbeit im Felde.

Weil nichts sie förmlich qualifizierte, strengten sie sich umso mehr an, die „Bloodlands“ Polen, Ukraine, Weißrussland und das Baltikum von „Partisanen“ zu „säubern“, womit vor allem Juden, aber auch sonstige missliebige Gruppen wie Zigeuner und Geisteskranke gemeint waren.

Filberts EK 9 bestand aus 144 Mann von Gestapo, Kripo, SD, Waffen-SS und Ordnungspolizei Orpo. Als „Ereignismeldungen“ wurden die Listen der Ermordeten an das RSHA in Berlin gefunkt. Sie blieben erhalten und waren das zentrale Beweismittel in dem Strafprozess, dem der einstige SS-Obersturmbannführer Filbert sich stellen musste.

Führung und Mannschaften der Einsatzkommandos wechselten zügig. Filbert leitete das EK 9 lediglich vier Monate, von Juli bis Oktober 1941. Gleichwohl war es die prägende Epoche seines Lebens, die ihm 16 Jahre im Gefängnis eintrug und der Anlass ist, sich an ihn zu erinnern.

Der böse Bruder

Filbert hatte ein spezielles Motiv, seine Eignung für die Zugehörigkeit zur Elite der „Volksgemeinschaft“ unter Beweis zu stellen. 1939 war sein Aufstieg in der SS ins Stocken geraten, nachdem sein älterer Bruder Otto ins Konzentrationslager eingeliefert wurde. „Schade, dass der Schurke nicht draufgefangen ist“, soll er das Scheitern von Georg Elsers Bombenattentat auf Hitler kommentiert haben.

Alfred musste von Vorgesetzen und Kollegen nicht ausdrücklich an Ottos Schicksal erinnert werden, um seine Gefügigkeit zu zeigen. Er war nur zu bereit, die Scharte auszuwetzen. „Die SS war voll von verzweifelten und schlechten Charakteren“, beklagte er sich später darüber, dass er mit seinem Bruder erpressbar gewesen sei – „von schlechten Charakteren“ wie ihm selbst.

Bis zuletzt hielt Filbert Tuchfühlung mit den Kameraden, die sich in Flensburg um ihren Herren Himmler scharten. Wie die meisten tauchte er 1945 in Schleswig-Holstein unter.

Als „selbständiger Wirtschaftsberater Dr. Alfred Selbert“ nahm er ein bürgerliches Leben auf, zunächst in Kreiensen, dann in Bad Gandersheim, Mannheim und Hannover, schließlich als Bankfilialleiter in Berlin.

Schuld und Sühne

Angeblich gehörte Filbert zu den SS-Schergen, die von der CIA angeworben wurden, und soll eine Zeitlang in Bolivien am „Kampf gegen den Kommunismus“ mitgewirkt haben, ähnlich wie der berüchtigtere Klaus Barbie. Alex J. Kay ist dieser vertrackten Spur weit möglichst nachgegangen, hat die Geheimhaltungsmauer aber nicht durchdringen können.

Vielleicht hat Filbert für die CIA gearbeitet, vielleicht nicht. Unter den Namen der Agenten, die Kay aufgespürt hat, sind bezeichnenderweise ehemalige Untergebene Filberts im EK 9 und Mitangeklagte vor dem Landgericht Berlin im Mai und Juni 1962.

Der Auschwitz-Prozess in Frankfurt am Main 1963 ist legendär, aber mit ihm nahm die bundesdeutsche Justiz sich nicht, wie oft behauptet, zum ersten Mal die nationalsozialistischen Massenmorde vor. Noch im kleinsten Provinzblatt wurde über den Prozess gegen Filbert, Fiebig, Tunnat, Greiffenberger, Schneider und Struck berichtet.

„Ein Verfahren dieser Größenordnung hat bisher noch nie an einem deutschen Gericht stattgefunden“, meinte eine Zeitung. An 18 Tagen sagten 67 Zeugen aus, überwiegend frühere Angehörige des EK 9.

Filbert spielte die Hauptrolle in seinem eigenen Schmierenstück. „Für uns, die wir in diese Verstrickung hineingetrieben wurden, war es aussichtslos, etwas zu tun“, notierte der Reporter des Tagesspiegel seine Worte. „‚Ein Weg wäre mir offengeblieben, um nicht mehr mitzumachen: ich hätte mich erschießen müssen!‘, sagte Filbert mit Pathos am Schluss seiner Vernehmung. Der Richter nickte.“

Der Kurier gab eine Zeugenaussage wieder: „Als mir die Knie zitterten, meinte Filbert: ‚Gefühlsduselei gibt es nicht. Das sind keine Menschen, sondern Figuren!‘ Dann nahm Filbert mein Gewehr und sagte: ‚So muss geschossen werden.‘“

Für seine Schuld am Tod von mindestens 6.800 Menschen, vorwiegend Juden, ermordet in Grodno, Wilna, Witebsk und andernorts, wurde Filbert zu lebenslanger Haft verurteilt. Schon in seiner mündlichen Urteilsbegründung ging der Vorsitzende Richter von erheblich mehr Opfern aus. Kay beziffert sie auf – vorsichtig geschätzt – mehr als 18.000 Männer, Frauen und Kinder.

Der Täter als Opfer

The Lawyer turns Hangman betitelte Henry V. Dicks sein Porträt, für das er den 64-jährigen Filbert im Juli 1969 im Gefängnis aufsuchte.

„Unruhe im Zuschauerraum“, hatte ein Reporter aus dem Gerichtssaal notiert, „weil der Angeklagte offensichtlich bestrebt war, Mitleid mit sich hervorzurufen.“ Als Opfer der Umstände, seiner Kameraden und Vorgesetzten stellte Filbert sich auch im Interview mit dem britischen Psychologen hin.

Er sei kein Antisemit und habe Juden ausschließlich auf Befehl, keinesfalls aus Hass ermordet. Vielmehr sei er deren Opfer. Sein Richter sei „jüdisch versippt“ gewesen. „Die Juden sind wieder zurück an der Macht.“

Filbert troff vor Selbstmitleid. „Zu keinem Zeitpunkt“, vermerkte Dicks über den Dr. jur., „hatte ich das Gefühl, mit einer gebildeten oder kultivierten Person zu sprechen.“

„Hitler war nicht so schlecht“, fand Filbert. Hätte er den Krieg nicht angefangen, würde das Dritte Reich noch bestehen.

1975 wurde Filbert als haftunfähig entlassen. Insofern er noch bis 1990 am Leben blieb, kann es gesundheitlich nicht gar so arg um ihn bestellt gewesen sein.

„Unser Nazi“

1981 engagierte ihn Thomas Harlan, Sohn des NS-Propaganda-Regisseurs Veit Harlan (Jud Süß) und als „Nazi-Jäger“ erfolgreich, für die Hauptrolle in einem Film. Alex J. Kay stellt heraus, dass Wundkanal – Hinrichtung für vier Stimmen, der einzige Film sein dürfte, in dem ein Massenmörder einen Massenmörder darstellt: „Alfred F.“ als „Dr. S.“

Die Handlung: Der Verbrecher Dr. S. wird wie ehedem der Ex-SS-Mann Schleyer von einem vierköpfigen Kommando entführt und verhört, wobei Filbert weitgehend für und von sich selbst spricht.

Dass Filbert eine Zeitlang in Stuttgart-Stammheim einsaß, bildete für Harlan eine Brücke zum Ableben der Anführer der Rote Armee Fraktion Baader, Ensslin und Raspe eben dort. Wie viele damals und bis heute glaubte Harlan an Mord. Auf den Pistolenschuss, den Baader sich „unmöglich“ selbst verpasst konnte, bezieht sich der „Wundkanal“ – nicht auf den Schuss mit dem Karabiner ins Genick der am Grubenrand angetretenen Juden, der den Männern des EK 9 eigens beigebracht worden war.

Täter und Opfer als Brüder

Übersteigertes Selbstwertgefühl und Antisemitismus, Egoismus und ideologische Überzeugung sind sich wechselseitig verstärkende Merkmale der bis dato eingehender betrachteten Volkstrecker der Shoah, fasst Alex J. Kay zusammen. „In Filberts Fall verband sich Narzissmus mit ideologischer Überzeugung und Karrierestreben, um eine explosive Mischung zu bilden, die zur radikalen Verfolgung zuerst und vor allem der sowjetischen Juden führte als angeblicher Stützen des jüdisch-bolschewistischen Systems.“

Zeichnung: urian

Der Einfluss der Zeitläufte, der Generation, von Familie, Militär oder Burschenschaften ist beträchtlich, aber auch nicht zu überschätzen. Kay bietet keinen Universalschlüssel an für „den Holocaust-Täter“. Indem er es akribisch nachzeichnet, lässt er das Leben dieses „SS-Killers“ für sich selbst sprechen.

Das tut es deutlich. Der Gang der Geschehnisse zeigt an, wo die „moralischen Gefahren“ lauern, Täter oder Zuschauer zu werden. Kein Verhängnis, kein Zwang, keine unabwendbare Notwendigkeit: Filbert hatte die Wahl.

Anders sein Bruder Otto als Opfer, mit dem er etliche Sozialisationselemente teilte. Alfred tat, was er konnte, um ihm beizustehen, sagte er. Vielleicht hat er das. An Ottos Verfolgung an sich hatte er auch Jahrzehnte nach dessen Tod als Mitglied eines Strafbataillons nichts auszusetzen und blieb bis an sein eigenes Ende auf der Seite der Verfolger. Die Zeitläufte hatten sich geändert, er nicht.

Wiederkehr des Verdrängten

Das Erscheinen des Buchs bedeutet mir eine kleine Genugtuung, weil ich darin mit einer Geschichte zitiert werde, für die ich am Ort des Entstehens von der politischen, gebildeten und vermögenden Klasse, den „maßgeblichen Dreihundert“, wie ein früherer Bürgermeister sie genannt hatte, geächtet worden war.

Andere hatten einen Skandal inszeniert um Gustav Wolters, einst SS-Scharführer im EK 9 unter Filbert, und ihn abwechselnd geehrt und an den Pranger gestellt. Ich nahm mir die dadurch zu Tage getretenen Quellen vor und schrieb das vielleicht nicht erste, aber das seltene Porträt eines SS-Verbrechers aus den unteren Rängen.

Während die verfeindeten Intriganten sich schließlich im Hinterzimmer verbrüderten, wurden ihre Handlungen und Motive öffentlich mir untergeschoben. Es ging weniger darum, die Vergangenheit des Mörders zu verschleiern, sondern seine Mitbrüderschaft bis zum Tod und darüber hinaus. An das Ahnenerbe wird nicht etwa nur nicht gerührt, es wird gepflegt und verteidigt.

Dass mein unveröffentlichter Text trotz der lokalen Bemühungen, mich zum Schweigen zu bringen, schließlich Eingang in den Anmerkungsapparat von Alex J. Kays Buch fand, ist ein Effekt des Internet. Die Strategien der alten Brüderschaften funktionieren nicht mehr. Das Verdrängte kehrt unweigerlich wieder.

Irgendwann werden Bücher wie dieses vielleicht sogar auf Deutsch verfasst. Fürs Erste bin ich gespannt, ob es in einer Übersetzung erscheinen kann.

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Siehe auch die Rezension auf hsozkult.de.

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Siehe auch Alex J. Kay: Brothers – The SS Mass Murderer and the Concentration Camp Inmate

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Das Leben des Obersturmbannführers Alfred Filbert 1905–1990
Aus dem Englischen übersetzt von Clemens Uhlig
Schoeningh Verlag

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