Das aktuelle Stottern der Stader AfD

Sie können es nicht. Ich wiederhole mich (Die Flyer-Leier der AfD), weil sie es tun. Nicht genug damit, dass sie, obwohl sie täglich Dutzende Texte anderer auf ihrer facebook-Site verlinken, regelmäßig außerstande sind, eigene Sätze über Angelegenheiten zu formulieren, zu denen man mit Fug und Recht Stellungnahmen von ihnen erwarten kann – machen sie doch einmal das Maul auf, kommt Gestotter heraus.

Drei Tage brauchte der Kreisverband Stade der Alternative für Deutschland, um über seine eigene Veranstaltung mit der niedersächsischen Landesvorsitzenden und Fraktionsvorsitzenden im Landtag zu berichten – und veröffentlicht dann einen unredigierten Entwurf.

Obwohl es also Verachtung der Parteichargen gegenüber ihrer Wählerschaft demonstriert, habe ich das Elaborat gelesen; ich bin schließlich keiner der Ignoranten und Neonazis, die den Rattenfängern nachlaufen.

Die geben sich als Tierschützer aus. Solange und so weit es ihnen passt. Etwa beim Punkt »Schächten: Das islamische Halal-Schlachten (›Schächten‹) ist unserer Auffassung nach Tierquälerei und daher unvereinbar mit dem Staatsziel Tierschutz. Folglich lehnen wir das Schächten von Tieren grundsätzlich ab. Unser Antrag im niedersächsischen Landtag zum Verbot des Schächtens in Niedersachsen wurde von allen anderen Parteien abgelehnt.«

Hier muss er wieder sein, der Vergleich mit den Nationalsozialisten. Auch die haben das Schächten mit Tierschutzargumenten verboten – und zielten auf die Juden. Dass die anderen Parteien im Landtag nicht mit der AfD stimmten, bedeutet wohl: sie durchschauten den Bluff.

Wenn radikale Tierrechtler, die selbst vegan leben, sich gegen das Schächten aussprechen, ist das nachvollziehbar. Wenn die AfD-Klientel, diese wohlgenährten Mittelständler, die anstandslos Tiere verspeisen, die in Massen gehalten und in Schlachthöfen maschinell getötet werden; wenn sie, die unter »Tierschutz« vor allem die Fürsorge für Hunde und Katzen verstehen, sich über das Schächten erregen – handelt es sich um eine durchsichtige Maskierung ihrer »gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit«.

Die AfD lässt auch keinen Zweifel an ihrer Verlogenheit aufkommen. Im nächsten Punkt nimmt sie sich ein anderes Tier vor, für die das »Staatsziel Tierschutz« nicht gelten soll. (Etwa so, wie Muslime keine Staatsbürger sein sollen.)

»Wolf: Der Wolf gehört nicht in unsere Kulturlandschaft und stellt eine Gefahr für Nutztiere und auch Menschen dar. Wir fordern daher die Aufnahme des Wolfes in das Landesjagdgesetz.«

Abgesehen davon, dass im Landkreis Stade kein Mensch, der bei Verstand ist, sich vor dem Wolf fürchten muss: Das Schaf schächten ist böse, den Wolf abknallen gut? Unter Tierrechts- und Tierschutzaspekten geht das nicht zusammen. Aber logisches Denken erwarten die AfD-Wähler auch nicht von den Funktionären; darin sind sie selber schwach. Sie fantasieren wie Kinder im Laufstall und greinen genauso erbärmlich, wenn man sie danach beurteilt.

(Zur Wolfs-Hysterie siehe auch Twesten, Grundmann, Seemann)

Das Schächten und der Wolf sind keine Probleme; und wären sie es, würden sie unter »ferner liefen« rubriziert. Sie sind so belanglos wie die Partei es wäre, die sich damit profilieren will – wäre nicht zugleich offensichtlich, dass Schächten und Wolf eine gemeinsame Wurzel haben, die der Partei ihren Auftrieb verdankt: Fremdenhass.

Schächten und Wolf sind hysterische Projektionen. Wie die im politischen Raum funktionieren, lehrt die Geschichte. Die Niederlage im Ersten Weltkrieg, der Versailler Vertrag – daran seien die Juden Schuld, suggerierte der Ausländer Hitler erfolgreich den Deutschen.

»Wissen Sie, Juden, Gastarbeiter und deutsche Rasse – das hat miteinander nichts zu tun, sie sind Fremdkörper vom Sprachlichen her, vom Kulturellen her, von ihrer anderen Lebensauffassung her.« So redete 1976 ein Stader NPD-Funktionär. (Sanners Schelmenroman)

Mit den »Gastarbeitern« waren nicht Griechen oder Italiener, sondern Türken gemeint. Man ersetze sie durch »Muslime« und streiche die »Juden«, die heute in Deutschland nurmehr aus historischen Gründen eine relevante Bevölkerungsgruppe bilden – und man hört die AfD.

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