Ein bezeichnender Post des Kreisverbandes Stade

Folgendes lese ich auf facebook vom Kreisverband Stade der Alternative für Deutschland:

»Der deutsche Sachbuchautor Jürgen Roth sagte einmal: ›Die Irreführung der Öffentlichkeit durch die gezielte Beeinflussung der Medien ist ein Merkmal der organisierten Kriminalität.‹

Und von dem französischen Politiker Alain Peyrefitte (1925 – 1999) stammt das Zitat: ›Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewisse Leute nicht die Freiheit haben, alles zu tun.‹

Der einzige Ausweg aus dem aktuellen Dilemma ist die Flucht nach vorne: Nicht mehr alles unreflektiert übernehmen und passiv bleiben, sondern selber recherchieren, mitdenken, veröffentlichen und selbst handeln.«

Jürgen Roth mag den Satz geschrieben haben, ich könnte ihn selbst in einem der vier oder fünf seiner Bücher, die ich kenne, gelesen haben. Was genau an der Stelle mit »organisierter Kriminalität« gemeint ist, muss offen bleiben. Roth rechnet dazu auch die Wirtschaftsverbrechen, die er, tatsächlich ziemlich allein in der deutschen Medienlandschaft, untersucht hat. Verbrechen, die nicht von der Mafia oder Clans, sondern von angesehenen Geschäftsleuten mit bester politischer Protektion begangen werden. (Wirtschaftsverbrechen vor Gericht)

Wen Peyrefitte mit »gewissen Leute« meint, weiß ich nicht und kann nur mutmaßen, wen ein AfD-Anhänger sich dabei vorstellt.

Gegen die Ratschläge, die sich an die Zitate anschließen, lässt sich nichts einwenden – allein, dass sie an dieser Stelle erteilt werden von Leuten, die selbst dadurch auffallen, dass sie jede Verschwörungstheorie bejubeln, die nicht nur in ihr enges Weltbild passt, sondern von anderen mit denselben Scheuklappen in die Welt gesetzt wurde.

Schon überhaupt nicht hat sich der KV Stade mit eigener Recherche zu irgendetwas hervor getan. Den Mächtigen, der herrschenden Clique, den »gewissen Leuten« und der »organisierten Kriminalität« haben sie es zeigen wollen, hatten sie doch ihren Wählern suggeriert.

Sollten die Zitate und Ermahnungen etwa an die eigenen Funktionäre und Mandatsträger gerichtet sein, weil sie so gar nichts selbst veröffentlicht oder gar gehandelt hätten?

Der zitierte Beitrag stach mir ins Auge, weil er kein Link oder Bild war, sondern als selbst verfasster Text daher kam; der freilich vor allem aus Zitaten bestand.

Was wie Aufklärung erscheinen will, vernebelt das eigene Vorgehen. Vom KV Stade war nie etwas zu hören, das dem hehren Anspruch gerecht geworden wäre. Bis heute wird mit ihm vor allem eine Fälschung zu Propagandazwecken (die sog. »Flyer-Affäre«) assoziiert, und er hat diese Scharte nie ausgewetzt.

Was mit »organisierter Kriminalität« und den »gewissen Leuten« gemeint ist, macht der Kontext klar. Denen, in deren Auftrag die »Lügenpresse« arbeitet, ist die AfD nie zu nahe getreten; sie können sie wie gehabt ignorieren.

Bedrohlich ist die Partei für jene, über die ihre Anhänger nur Klischees und Vorurteile kennen und keine Recherche für nötig erachten: Flüchtlinge, Muslime, Linke oder wen sie dafür halten.

Diese Einschätzung beruht vor allem auf Schlussfolgerungen. Seit ich den KV Stade beobachte, schlägt er sich mit Zitaten durch. Eine Homepage und eine facebook-Site voller Links, aus denen man die Haltung derer, die sie posten, errätseln darf. Die originalen Wortmeldungen lassen sich an einer Hand zählen, und sie betreffen fast ausnahmslos die eigenen Befindlichkeiten bei einem von Anfang an bestehenden parteiinternen Zwist um besagte »Flyer-Affäre«.

Zu nichts von dem, was die Bürgerschaft in ihrem Wahlkreis bewegt hat oder hätte bewegen können, hat die AfD Stellung bezogen. Sie ist selbst nur eine Art Zitat. Ein Bruchstück, das nach eigenem Gutdünken ergänzt wird. Und aus den »gewissen Leuten« können leicht Freimaurer und Juden werden.

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Der 9. November der AfD (November 2018)

Höcke im Wald und die Ignoranz (November 2018)

Tierschutz als Hetz-Folie (September 2018)

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